Talk mit Piotr Beczala

© Kurier / Franz Gruber

Kritik
07/26/2021

Weltklasse in Wien: Beczala und Buchbinder im Konzerthaus

Kritiken zu den Konzerten von Piotr Beczala und Helmut Deutsch sowie Rudolf Buchbinder im Wiener Konzerthaus.

von Peter Jarolin

Selbst wenn man es bei den diversen Festspielaktivitäten kaum glauben kann, auch in Wien ist die Saison musikalisch noch nicht ganz vorbei. Denn das Konzerthaus hat seinen Spielbetrieb bis Ende Juli verlängert und geizt nicht mit Weltstars.

Da wäre etwa Ausnahmepianist Rudolf Buchbinder, der seinen Zyklus aller Beethoven-Sonaten zu einem fulminanten Finale führte. Da wäre aber auch der großartige Tenor Piotr Beczala, der sein Publikum im Großen Saal mit einem Liederabend der Superlative verwöhnte. Und das mit einem auf den ersten Blick spröden Programm.

Denn echte Gassenhauer sind die Lieder des Komponisten Stefano Donaudy nun wirklich nicht, auch die feinen Piecen eines Ermanno Wolf-Ferrari oder eines Ottorino Respighi lassen sich trotz des großartigen Pianisten Helmut Deutsch gewiss nicht nachpfeifen.

Aber das ist egal, wenn ein echter Könner diese Stücke in all ihren subtilen Facetten interpretiert und mit Liedern von Francesco Paolo Tosti noch nachlegt. Denn Piotr Beczala ist wohl der Tenor der Gegenwart – da gehen stimmliche Vollendung und tief empfundene Gestaltung eine perfekte Synthese ein. Beczala singt so betörend schön, lässt die Stimme fließen, sorgt für überragende Registerübergänge sowie eine ideale Textverständlichkeit. Ach ja, die so oft beschworenen tenoralen Höhen hat er ohnehin parat.

Und Beczala schafft noch eines, nämlich die Lieder eines Mieczyslaw Karlowicz zu Ereignissen werden zu lassen. Zu kostbaren Miniaturen, die in den Bann ziehen. Dass er Richard Strauss perfekt beherrscht, versteht sich fast von selbst. Man wünscht sich etwa einen Kaiser in der Oper „Frau ohne Schatten“ von ihm! Aber das Publikum war auch so zurecht im Glück.

INTERVIEW: RUDOLF BUCHBINDER

Finale von Buchbinders Beethoven-Projekt

Es ist vollbracht. Nach mehreren (Pandemie-bedingten) Anläufen konnte Starpianist Rudolf Buchbinder sein großes Beethoven-Projekt zu einem in jeder Hinsicht sensationellen Finale führen. Denn im Großen Saal des Konzerthauses wurde wieder einmal deutlich hörbar: Buchbinder und Beethoven – eine bessere Kombination gibt es nicht.

Da mag der wunderbare Daniel Barenboim im Musikverein (er ist erst am Anfang des Weges) bei allen 32 Klaviersonaten noch so fantastisch grübeln, da mag ein Igor Levit neue, oft auch unkonventionelle Töne anschlagen; bei Buchbinder klingt Beethoven einfach „richtig“.

Das war zum Zyklus-Finale auch bei der F-Dur-Sonate (op. 10/2), jener in Fis-Dur (op. 78) oder der G-Dur-Sonate (op. 31/1) zu erleben. Denn Buchbinder spielt Beethoven nicht einfach nur. Er atmet ihn und er lebt ihn.

Technische Vollendung ist da selbstverständlich. Die Natürlichkeit der Läufe, das Perlende und zugleich emotional Aufwühlende, die nur scheinbar aus dem Moment heraus produzierten Klangfarben sowie die Innigkeit und der so sprichwörtliche Zug zum Tor sind gar nicht selbstverständlich. Das können nur die ganz großen Künstler, die das Publikum in den Bann ziehen und zurecht für Jubel sorgen.

Naturgemäß auch bei der berühmten und berüchtigten, weil extrem anspruchsvollen „Hammerklaviersonate“ (in B-Dur), die das krönende Finale eines bereits jetzt denkwürdigen Marathons bildete.

Doch der nächste Komponist könnte schon an Buchbinders Horizont erschienen sein. Mit einem geradezu unfassbar vollendeten, nuancierten Impromptu aus der Feder von Franz Schubert gab es eine Zugabe. Und wer im Saal war, kann sich nur wünschen, dass Rudolf Buchbinder vielleicht einen Schubert-Zyklus in Angriff nimmt. Viel besser geht das Ganze nämlich gar nicht.

 

 

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