Franz West österreichischer Pavillon, XLIV. Biennale di Venezia, 1990 © Archiv Galerie Peter Pakesch, Wien

© Archiv Galerie Peter Pakesch, Wien

Biennale Venedig
04/28/2013

Was der Österreich-Pavillon so alles verrät

In einem Monat beginnt die Kunstschau des Jahres. Ein Buch zeigt erstmals alle Beiträge Österreichs.

von Michael Huber

Das waren unsere ersten sechs Monate Arbeit“, sagt Jasper Sharp und rollt eine große, eng bedruckte Tabelle aus: Es ist eine Liste all jener Künstler und Kommissäre, die Österreich seit 1895 bei der Biennale in Venedig vertreten haben.

Sharp wählte für heuer den letzten Künstler auf der Liste, den in Los Angeles lebenden Wiener Mathias Poledna, aus. Doch er begnügte sich nicht damit. Wenn am 29. Mai Polednas noch geheim gehaltenes Werk im österreichischen Biennale-Pavillon enthüllt wird, kommt auch die monumentale Fleißaufgabe von Sharp und seinem Team in den Handel: Montagbend schon wird der 540 Seiten starke Band, der nicht nur tief in die jüngere Kunstgeschichte Österreichs, sondern auch in die Geschichte der Weltkunstschau blicken lässt, in der Wiener Secession vorgestellt.

Attraktion Biennale

Als die Biennale 1895 erstmals das Kunstpublikum nach Venedig lockte, galt die Lagunenstadt als jämmerliches Überbleibsel ihrer einstigen Größe. Zur Neuerfindung orientierte sich die Stadt an den berühmten Weltausstellungen und an Kunstschauen der Münchner Secession (die Wiener Secession wurde erst 1897 gegründet.)

„Man wollte eine Tourismusattraktion und einen Marktplatz für Kunst schaffen“, erklärt Sharp und streicht hervor, dass bis 1968 alle gezeigten Werke bei der Biennale zum Verkauf standen. Ein Ort, an dem die Avantgarde-Szene ihren Puls fühlt, war die Veranstaltung gerade in ihren Gründungstagen nicht.

Österreich zeigte bei der ersten Biennale Mihály von Munkácsy (er schuf u. a. das Deckenbild im KHM) und präsentierte auch danach konventionelle Kunst im zentralen Gebäude, gemeinsam mit anderen Ländern.

Revolution mit Klimt

1910 kam dann der Paukenschlag: Gustav Klimt hängte seine Gemälde auf weißen, minimal verzierten Wänden, ein absoluter Stilbruch gegenüber der damals üblichen Kunst-Präsentation.

Eine „Secession“, wörtlich Abspaltung, vollzog sich bei der Biennale mehrfach: 1907 hatte Belgien erstmals einen Pavillon außerhalb der zentralen Halle bezogen und damit den Grundstein zu jenem Parcours der Kunstnationen gelegt, als der die Biennale heute bekannt ist. Obwohl Österreich schon 1912 Pläne für einen eigenen Pavillon wälzte, wurde der Bau in den Giardini erst 1934 eröffnet. „Der Ständestaat“, schreibt Historiker Philipp Blom im Buch, „hatte möglich gemacht, woran Monarchie und Republik wiederholt gescheitert waren: das Gebäude ausreichend zu finanzieren und dessen Bau energisch voranzutreiben.“

Entdeckt: der Architekt

Wie MAK-Kurator Rainald Franz herausfand, ist die Bezeichnung des Gebäudes als „Hoffmann-Pavillon“ nur halb richtig: Josef Hoffmann war gemeinsam mit dem Architekten Robert Kramreiter mit der Ausführung beauftragt worden; Hoffmann bekam dafür 6000, Kramreiter 5000 Schilling. Der weniger prominente Kollege, der in Wien u. a. Kirchen gebaut hatte, dürfte näher dran gewesen sein: Hoffmann erklärte 1936, sein Werk noch nicht zu Gesicht bekommen zu haben.

Erst 1948, im Jahr des fulminanten Neustarts der Biennale nach dem Krieg, konnte Hoffmann wieder gestaltend eingreifen: Mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland war zuvor auch die Präsenz auf der Biennale verschwunden.

1943 wurde das Gelände der Giardini als Produktionsstätte für Propagandafilme genutzt. An dieser Stelle lüftet die Publikation auch das Geheimnis um Österreichs heurigen Biennale-Beitrag ein kleines Stück: Mathias Polednas Installation, schreibt Blom in seinem Aufsatz, greife nicht nur die Präsenz Hollywoods auf, sondern „auch die Geschichte des Pavillons, der während des Krieges als Teil der Cinevillaggio zum Filmstudio umfunktioniert war.“ Man darf gespannt sein.

INFO: Die Biennale Venedig 2013: 88 Nationen zeigen ihre Kunst

"Il Palazzo Enciclopedico – The Encyclopedic Palace" lautet das Motto, das der Kurator Massimiliano Gioni für die diesjährige Biennale Venedig vorgegeben hat.

Von 29. bis 31. Mai wird die Fachwelt die vom italienisch-amerikanischen Kurator zusammengestellte Überblicksschau und die 88 Länder-Pavillons begutachten; von 1. Juni bis 24. November ist die Biennale – wie immer mit einer Vielzahl an Satelliten-Veranstaltungen – für allgemeines Publikum geöffnet.

Für Österreich wird heuer Mathias Poledna den Pavillon in den Giardini bespielen. Die Dokumentation seiner Arbeit soll noch in das von Kommissär Jasper Sharp herausgegebene Buch („Österreich und die Biennale di Venezia, 1895 – 2013, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 58 €) einfließen – daher wird die Publikation erst nach der Eröffnung am 29. Mai ausgeliefert.

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