Kultur 14.03.2018

Warum Hollywood Games verfilmt (und scheitert)

Tomb Raider © Bild: Ilzek Kitshoff/Warner

Die Studios würden so gerne beim Millionenbusiness Games mitnaschen. Denn die sind die vorherrschende Popkultur unserer Tage.

Lara Croft, Titelheldin der einst wegweisenden Actiongame-Serie "Tomb Raider", löst die kniffligsten Aufgaben, mit Körpergeschick und Köpfchen.

Aber auch sie scheitert an jenem Endgegner, an dem Hollywood verzweifelt: An der geglückten Game-Verfilmung.

Hollywood sucht schon lange Wege, wie man aus den mächtigen Marken der Computerspiele Leinwand-Kapital ziehen könnte. Ohne Erfolg. Mit Millionen-Aufwand durchgepeitschte Game-Verfilmungen wie "Assassin’s Creed" und " World of Warcraft" überzeugen meist weder die Fans der Games noch das breite Publikum (noch die Kritiker). Sie sind oft die Sorgenkinder unter den Blockbusterproduktionen.

Dabei hätten die großen Studios jeden Anreiz, hier erfolgreich zu sein: Die eigenen Angebote – Superhelden, Fantasy, Neuauflagen bekannter Stoffe – drehen sich seit Jahren im inhaltlichen Kreis.

Games aber sind in vielerlei Hinsicht die prägende Popkultur des bisherigen Jahrtausends gewesen.

Längst verfügen Game-Großproduktionen über ein beachtlich höheres Budget als die Hollywoodfilme, die gesamte Branche ist beim Umsatz zwei bis drei Mal so groß wie die Filmbranche.

Aber nicht nur das bringt das Filmemacherblut in Wallung. In punkto Verweildauer, kulturellem Gewicht und Begeisterung haben Games in der Zielgruppe der männlichen Unter-25-Jährigen dem Film wohl längst den Rang abgelaufen. Auch der E-Sports-Markt, wo junges Publikum professionellen Gamern beim Spielen zuschaut, boomt.

Was, nur zuschauen?

Super Mario, Tomb Raider, World of Warcraft, Final Fantasy stehen vielen jungen Menschen um vieles näher als James Bond und, ja, auch Star Wars. Hollywoods bisherige Versuche aber, von diesen Nutzen zu ziehen, sind großflächig gescheitert: Die simple Formel, die Marke eines berühmten Spieles herzunehmen, einen Actionfilm dazu zu drehen und das junge Publikum so dazu zu verlocken, sich ins Kino zu setzen und – was? – nur zuzuschauen, ist so gut wie nie aufgegangen. Wozu auch? Zuhause wartet ein ungleich erfüllenderes Erlebnis mit dieser Marke, als es das Kino bieten kann.

Jetzt aber gibt es etwas Neues: Die erste Generation der so richtig mit Spielen groß gewordenen Konsumenten nähert sich der Midlife Crisis. Und besetzt ihre frühen Spieleerfahrungen nostalgisch, so wie frühere Generationen die Filme ihrer Jugend. Anfang April startet ein Film, der genau diese Nostalgie in Szene setzt: "Ready Player One", inszeniert von Steven Spielberg. Man darf gespannt sein: Dieser Film könnte der erste werden, der die Game-Erfahrung dann doch ins Kino übersetzt.

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2018