Kultur
15.05.2018

Warum 157 Millionen kein Sensationspreis sind

Ein Modigliani um 157 Millionen – und die Branche sieht einen Flop: Die neuen Standards am Kunstmarkt.

Als im Mai 2015 Picassos Bild Les femmes d’Alger – Version O“ auf 179,4 Millionen Dollar (damals etwa 160 Millionen Euro) gesteigert wurde, ging die Meldung vom „teuersten jemals versteigerten Bild“ um die Welt.

Drei Jahre und einige Preisrekorde später werden jene 157 Millionen US-Dollar (rund 132 Mio. €), die in der Nacht auf Dienstag bei Sotheby’s für ein Aktbild von Amedeo Modigliani bezahlt wurden, von Beobachtern fast wie ein Flop gehandelt. Das ist ebenfalls bezeichnend für den Status des Markts.

Nicht nur, dass der Rekord für Modigliani (2015 wurden 170 Millionen US-$ für einen Akt gezahlt) nicht übertroffen wurde – es gab für das Gemälde auch nur ein einziges Gebot. Und dieses stammte von jenem (anonymen) Investor, der vorab zugesichert hatte, einen bestimmten Preis zu zahlen.

Solche Garantien sind für die Auktionshäuser oft das einzige Mittel, Besitzer hochwertiger Kunst – im Fall des Modigliani war es der irische Geschäftsmann John Magnier – zum Verkauf zu überreden. Manchmal übernehmen die Auktionshäuser das Risiko selbst, oft – so auch hier – wird es auf Dritte abgewälzt. Wenn das Werk einen höheren Preis als den garantierten erzielt, fällt den Risikoträgern ein Teils des Gewinns zu; wenn nicht, erhalten sie das Kunstwerk.

Hohe Erwartungen

Das BildSalvator Mundi“, für das im November 450 Millionen US-Dollar gezahlt wurden, hat die Erwartungen potenzieller Verkäufer hochgeschraubt. Sotheby’s war auch wegen des Konkurrenten Christie’s, der in der Vorwoche den Besitz des Milliardärs David Rockefeller versteigerte, unter Zugzwang. Doch auch dort wurde das teuerste Los – Picassos „Mädchen mit Blumenkorb“ – dem Garantiegeber nach nur einem Gebot um 115 Millionen US-Dollar überlassen. Mit Angebot, Nachfrage und heißen Bietergefechten hat die aktuelle Auktionsreihe also wenig zu tun - vielmehr erlebte man den theatralischen Nachvollzug von Geschäften, die vorab getätigt wurden.

Ein etwas anderes Bild bot in der Nacht zum Mittwoch allerdings bei Christie's: Dort setzte man 415,852,500 US-Dollar (348,541,563 €) mit impressionistischer Kunst und Moderne um, und das mit Werken, um die auch tatsächlich gerittert wurde. Den Top-Preis erzielte Kasimir Malewitschs "Suprematistische Komposition" von 1916 mit 85,8 Millionen US-Dollar, gefolgt von Constantin Brancusis Bronzeskulptur "La jeune fille sophistiquée" von 1932 mit 71 Millionen US-Dollar - beides Rekordpreise für die jeweiligen Künstler und ein sachtes Zeichen dafür, dass auch andere Namen der Klassischen Moderne in die Top-Kategorie aufrücken. Das Toplos der Auktion, Picassos "Seemann" von 1932, war kurz zuvor beschädigt worden und wurde daher nicht versteigert. Dennoch setzte die Christie's-Auktion in Summe mehr um als die Konkurrenzveranstaltung bei Sotheby's mit dem Millionen-Modigliani.