Kultur
24.04.2018

150 Millionen: Rekord-Schätzpreis für Modigliani

Ein Frauenakt kommt am 14. Mai bei Sotheby's zur Auktion. Dort kennt man keine falsche Bescheidenheit.

Wir werden uns noch wundern, was alles gehen wird, hat ein Politiker, dessen Name dem Autor gerade entfallen ist, einmal gesagt. 

Nachdem das Emirat von Abu Dhabi zuletzt 450 Millionen US-Dollar für das Leonardo Da Vinci zugeschriebene Gemälde "Salvator Mundi" zu zahlen bereit war, wundert sich zumindest in der Kunstwelt niemand mehr über Preise, die die einst magische 100 Millionen-Dollar-Marke überschreiten. Die Preisentwicklung für Top-Werke kennt nur einen Weg, nämlich jenen nach oben, und so zögerte Sotheby's am Dienstag nicht, den Star seiner am 14. Mai stattfindenden Auktion mit einer Fülle von Superlativen anzupreisen: „Nu couche (sur le cote gauche)“ von 1917 sei nicht nur das "großartigste" Aktgemälde des 1920 in bitterer Armut verstorbenen Künstlers Amedeo Modigliani, sondern mit 147 cm Breite auch sein von den Abmessungen her größtes. Und der Schätzpreis "in der Region von 150 Millionen US-Dollar" sei der bisher höchste Schätzpreis, der vor einer Auktion bekannt gegeben worden war.

Dabei ist die Summe vermutlich nicht überzogen - 2015 bereits hatte ein ähnlicher Akt bei Christie's um 170 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt, der Käufer war der chinesische Milliardär Liu Yiqian, der den Preis angeblich mit seiner Kreditkarte bezahlt hatte. Der Investor machte immer wieder mit der offensiver Zurschaustellung seines Reichtums Schlagzeilen, etwa, indem er aus einer Tasse, die er zuvor um mehr als 36.3 Millionen US-Dollar ersteigert hatte, Tee schlürfte.

Wohl nicht ganz zufällig wurde das Gemälde von Sotheby's nun zuerst in Hongkong enthüllt. Zuvor war es in der Modigliani-Retrospektive in der Tate Modern in London ausgestellt gewesen. Der derzeitige Besitzer, dessen Identität das Auktionshaus zunächst nicht preisgab, hatte das Bild 2003 bei einer Auktion für 26,9 Millionen Dollar gekauft.