Kultur 29.03.2012

Wahrheit und Obsession

Dort, wo wir gerne schon längst den Ausknopf drücken würden, fängt es für ihn erst an. „Ich interessiere mich für das so genannte Private und dessen Abgründe, die ja in uns allen stecken.“

Der Filmemacher Ulrich Seidl gilt als Spezialist für die dunklen Winkel der menschlichen Psyche. Seine immer wieder aufs Neue überraschenden Grenzgänge haben ihn zu einem weltweit anerkannten und mit vielen Preisen ausgezeichneten Regisseur gemacht. Ob in seinen Dokumentationen Tierische Liebe und Models oder in seinem Spielfilm Hundstage, um hier nur einige Arbeiten zu nennen – nichts, was sich Seidl vornimmt, lässt einen als Zuschauer kalt.

 

Das verspricht keinen gemütlichen, aber in jeder Hinsicht aufregenden Abend.

Man sollte es sich daher nicht entgehen lassen, wenn sich dieser Extrembeobachter den männlichen Obsessionen unserer Zeit widmet: Paulus Manker, Enfant terrible der österreichischen Theaterszene und Georg Friedrich, Idealbesetzung für männliche  Extremcharaktere, werden neben anderen Mitspielern in Böse Buben / Fiese Männer auf der Bühne zu sehen sein und dabei teilweise auch über sich selbst sprechen.

Das Grundgerüst des Abends bilden die sprachkräftigen Texte des amerikanischen Schriftstellers David Foster Wallace. Von vielen Literaturfreunden als Jahrhundertgenie gefeiert, erregte der im Vorjahr verstorbene Autor auch mit seinem Buch Kurze Interviews mit fiesen Männern große Aufmerksamkeit. Nun hat sich Ulrich Seidl diesen Kurzgeschichtenband vorgenommen

und ihn mit eigenen Texten ergänzt. Wallace, der Sprachbesessene, der die verqueren Phantasien und monströsen Ticks seiner Protagonisten vor uns ausbreitet – Seidl, der gerne dort ansetzt, wo wir lieber wegschauen. Das verspricht keinen gemütlichen, aber in jeder Hinsicht aufregenden Abend. Die unangepassten Schauspielgrößen Paulus Manker und Georg Friedrich werden mit Sicherheit ihren Teil zu diesem Kraftakt beitragen.

( Wiener Festwochen ) Erstellt am 29.03.2012