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Kultur
10/08/2019

Von Wegen Lisbeth: Mit Plastik-Instrumenten zum Erfolg

Die deutsche Indie-Pop-Band spielt ab heute drei Mal in der Wiener Arena, dann in Linz und Graz und ist total ausverkauft.

von Brigitte Schokarth

Der „Gefährder“ hat es Matthias Rohde angetan. Aber nicht der islamistische, sondern der in ihm selbst. Der Sänger der Indie-Pop-Band Von Wegen Lisbeth, deren Sound zwischen AnnenMayKantereit und Element Of Crime angesiedelt ist, stellt im gleichnamigen Song fest, dass er beim Neuen seiner Ex gerne ein Gefährder wäre.

„Diesen Begriff gab es früher nicht, der wurde in einem Amt erfunden, um eine Personengruppe zu definieren“, erklärt Rohde im KURIER-Interview. „Ich fand die Vorstellung absurd, dass sich fünf Beamte an einen Tisch setzen und überlegen, wie könnte man die nennen.“

Von explizit politischen Songs nehmen Von Wegen Lisbeth, die mit dem Album „sweetlilly93@hotmail.com“ zu den Aufsteigern des Jahres wurden, mit Absicht Abstand. Rohde beschränkt sich auf neutrale Beschreibungen von Alltagssituationen und präzise Schlaglichter auf die kleinen Details des Lebens.

„Ich habe großen Respekt vor Leuten wie Rio Reiser, die konkrete Meinungen in Songs packen können. Ich aber finde es megaschwierig, dabei nicht abgedroschen oder kitschig zu werden.“ Trotzdem sind die Songs von Von Wegen Lisbeth auch von sozialen Gegebenheiten beeinflusst. „Das Thema Gentrifizierung kommt oft vor, weil uns das als Berliner stark beschäftigt. Wir kennen viele Leute, die kleine Kneipen oder Subkulturläden haben, die zusperren müssen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können oder rausgeworfen werden, weil ein Seaworld-Aquarium oder teure Eigentumswohnungen gebaut werden sollen.“

Der Song „Irgendwas über Delfine“ entstand, nachdem Rohde auf einer Anti-Nazi-Demo von Rechten als Gutmensch beschimpft wurde. „Wenn das bedeutet, dass man sich für seine Werte versammelt, lass ich mir das sagen. Aber eigentlich ist es lächerlich, denn ich bin kein guter Mensch. Also hab ich aufgezählt, warum nicht.“

Um so etwas zu illustrieren, verwenden Von Wegen Lisbeth auch ungewöhnliche Instrumente wie Omnichord, Stylophone, Glockenspiel, Steeldrum und den „Regenbogen-Achtästler“.

„Das ist ein Kinderinstrument aus Plastik mit acht Tasten. Wenn man die anschlägt, knallt ein Metallball an einen Glockenstab. Wir fanden bald, dass Musik mit Gitarre, Bass und Drums zu lahm ist, wollten etwas anderes machen, konnten uns aber keine teuren Sachen leisten. Also sind wir auf den Flohmarkt gegangen und haben uns dort um zwei, drei Euro ausgediente Kinder-Instrumente gekauft und die verwendet.“

Nur die Steeldrum haben sie aus dem Müll der Deutschen Oper in Berlin gefischt. „Die wollten sie wegschmeißen, weil sie verstimmt war. Jetzt wissen wir warum: Es ist extrem nervig, sie zu stimmen, weil alle Töne mit demselben Metallstück erzeugt werden. Kaum hast du einen Ton richtig, hat sich ein anderer verzogen.“

 

Von Wegen Lisbeth auf Tour:

8. bis 10. 10. Wien/Arena

11. 10. Linz/Posthof

12. 10. Graz/Orpheum