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Kultur
03/31/2019

Volkstheater: Mit „Endstation Sehnsucht“ setzt sich das Dilemma fort

Viele bunte Vögel auf dem Weg ins künstlerische Niemandsland.

Mit „Endstation Sehnsucht“ setzt sich das große Dilemma am Volkstheater fort. Eine sehr schwache Auslastung, eine Massenflucht der Abonnenten, eine glücklose Intendantin, immer noch keine Entscheidung über deren Nachfolge, eine chronische finanzielle Unterdotierung, eine völlige Verunsicherung aller Beteiligten und eine mehr als ungewisse Zukunft – das Wiener Volkstheater hat wirklich schon bessere Zeiten gesehen.

Gespielt werden muss aber trotzdem. Und da könnte doch ein Klassiker wie Tennessee Williams’ Südstaatendrama „Endstation Sehnsucht“ genau das richtige Werk sein, um wieder Publikum ins Haus zu spülen. Die Betonung liegt aber leider auch diesfalls auf dem Konjunktiv. Denn die so gehypte Regisseurin Pinar Karabulut überflutet letztlich zwar die gesamte Bühne, bleibt dem Stück aber vieles schuldig.

Metrosexuell

Denn Karabulut will partout alles anders machen, will die Geschichte rund um die in einer Scheinwelt lebende, promiskuitive, alternde Ex-Schönheit Blanche, deren Schwester Stella und dem Macho Stanley neu interpretieren. Mit einem Wechsel der Perspektiven. Karabulut setzt auf starke Frauen und zeigt metrosexuelle Männer, die mit atemberaubenden Bunthaar-Frisuren in High Heels (Kostüme: Johanna Stenzel) über eine Showtreppe (Bühne: Aleksandra Pavlović) defilieren und in „La cage aux folles“ gut aufgehoben wären.

Showtreppe

Blanche ist in diesem exzentrischem „Wonderland“ die Fremde, die sich in bösen Albträumen der Marke David Lynch verliert. Dazu kommen Filmsequenzen, der erwähnte Showtreppen-Wasserfall, viel Plantscherei, etwas Feuer, eine Madonnen-Erscheinung, ein bisschen Gewalt und hysterisches Geschrei.

Das alles erinnert an die Arbeiten eines Frank Castorf. Nur wenn dieser Stücke „zertrümmert“ hat, kam dabei meist etwas Neues, Spannendes heraus. Bei Karabulut bleibt das Ganze Stückwerk und erinnert an einen theatralischen Kindergeburtstag.

Und die Schauspieler? Sie machen in diesem Umfeld je nach ihren Möglichkeiten das Beste daraus. So fühlt sich etwa Steffi Krautz als Blanche dann am Wohlsten, wenn sie einfach Tennessee Williams spielen und die Diva geben darf. Ihre Begegnungen mit dem jungen Mitch (Nils Hohenhövel) sind zwingend.

Katharina Klar muss sich als Stella zwar einem sexuellen Dauer-Work-out unterziehen, findet aber auch zu Zwischentönen. Als Stanley darf Jan Thümer wie eine Schlange über die Bühne kriechen; Birgit Stöger, Günter Franzmeier, Alaedin Gamian bleiben nur bunte Zerrbilder.

Fazit: Wer auf ein klassische Erzählung gehofft hat, wird bitter enttäuscht. Wer auf junges, kraftvolles, innovatives Theater gesetzt hat, bleibt ebenso desillusioniert zurück. Das Volkstheater sitzt zwischen allen Stühlen.