Das Volkstheater-Ensemble muss diesmal auch singen.

© APA/HANS KLAUS TECHT

Interview zur Premiere
10/15/2016

Volkstheater: "Alles Walzer, alles brennt!"

Christine Eder (Regie) und Eva Jantschitsch (Musik) über ihr Volkstheater-Projekt "Alles Walzer ...".

von Guido Tartarotti

Am Sonntag hat am Wiener Volkstheater "Alles Walzer, alles brennt!" Premiere. Der aus Szenen und Liedern zusammengesetzte Abend führt in die Zwischenkriegszeit und untersucht den Kampf der Frauen- und Arbeiterbewegung um ihre Rechte.

Inszeniert hat Christine Eder, die Musik stammt von Eva Jantschitsch (alias Gustav) – das Team hatte zuletzt am WerkX mit der "Proletenpassion" einen Riesenerfolg.

KURIER: Wie wird dieser Abend aussehen?

Christine Eder: Er wird ausschauen wie ein Theaterstück, glaub’ ich (lacht). Wie ein Musiktheaterstück. Wir haben eine Collage aus Originaltexten dieser Zeit zusammengestellt, Zeitungsmeldungen, Politikerreden, Tagebüchern.

Eva Jantschitsch: Ich würde nicht sagen, es ist Musiktheater, es ist eher Theater mit Einlagen von Musik.

Im Mittelpunkt stehen drei historische Frauenfiguren.

Christine Eder: Ja, das ist die Biografie von Adelheid Popp, der ersten Frauenrechtlerin in Österreich, einer der ersten Politikerinnen überhaupt. Dann ist es die Biografie der "roten Prinzessin" Elisabeth Petznek, der Tochter des Kronprinzen Rudolf, die Sozialdemokratin und Feministin wurde. Und dann haben wir eine fiktive Figur eingeführt, ein Dienstmädchen. Und um diese Figuren herum gibt es einen Kosmos von vor allem männlichen Politikern, Genossen, Künstlern.

Ist das also ein Abend über Feminismus?

Christine Eder: Es geht um das Erwachen der Frauenbewegung. Aber genauso könnte man sagen, es ist ein Abend über den Untergang der Monarchie oder ein Abend über das Entstehen der Arbeiterbewegung. Über Freiheitsbewegungen. Und über den Abbau dieser Freiheitsrechte im Laufe der Geschichte.

In Wahrheit ist das alles hoch aktuell.

Christine Eder: Man braucht nur die Zeitung aufschlagen, und man findet unglaubliche Sexismen. Das spielt uns gewissermaßen in die Hände. Und auch wir leben in einer Wirtschaftskrisenzeit. Wir können anhand geschichtlicher Vorgänge beschreiben, wie bestimmte Prozesse ablaufen, wie auf Arbeitslosigkeit der Zustrom zu rechten Parteien folgt, wie Begriffe wie "Lügenpresse" auftauchen. Vieles ist aktuell geblieben. Die Diskussion um die Bildungsreform 1918 – das könnte auch in unserer Zeit spielen.

Welche Rolle spielt die Musik in der Inszenierung?

Eva Jantschitsch: Es handelt sich um eine klassische Einlagenmusik, platziert zwischen den Szenen. Wir haben auch Klassiker dabei, wie traditionelle Wiener Arbeiterlieder, aber das meiste wurde neu komponiert. Und wir haben eine Vertonung von H. C. Artmann und die Vertonung eines Gedichts von Theodor Kramer.

Die Zeit, in der das Stück spielt, bietet ja einen großen Reichtum an Musikstilen.

Eva Jantschitsch: Die Christine ist ein großer Fan des Jazz der Zwanzigerjahre. Und ich wurde es durch diese Arbeit. Es gab aber auch das Phänomen der Revuetheater-Musik, allen voran Hermann Leopoldi mit seinen Chansons. Es gab damals allein auf der Praterstraße über 200 Revuetheater. Den Menschen ging es damals, zwischen zwei Weltkriegen, ja nicht gut, aber es gab einen Eskapismus, der ausgelebt werden wollte und musste. Und auch das Wienerlied spielt in unserem Stück eine Rolle, etwa die berühmte Maly Nagl. Wir haben uns aber auch bei aktuellen Klängen aus Wien bedient.

Das heißt, die Schauspieler werden singen.

Beide: (lachen) Jeder muss!

Eva Jantschitsch: Die meisten haben große Lust aufs Singen, weil das Singen ein ungewöhnlicher Vorgang ist im Theaterbetrieb, ein ungeschützter Vorgang, wo man Vertrauen aufbauen muss.

Sie hatten gemeinsam einen Riesenerfolg mit der "Proletenpassion" im WerkX. Ist das jetzt quasi die Fortsetzung?

Eva Jantschitsch: Wir sehen es als völlig neue Arbeit, auch wenn manche es von außen als Fortsetzung sehen.

Christine Eder: Die Proletenpassion war ein großer musikalischer Bogen, bei dem wir von der Abteilung Text uns mit ein paar Szenen dazwischen geschoben haben. Diesmal ist es umgekehrt, es gibt wesentlich mehr Text.

Der Erfolg war tatsächlich eine Überraschung.

Christine Eder: Das hätten wir nie geglaubt, auch das Theater nicht. Aber das Werk ist einfach gut, und die Eva hat einen tollen musikalischen Update gemacht.

Wie vermeidet man, dass das Stück zu sehr nach Frontalunterricht aussieht?

Christine Eder: Wir tun unser Bestes, dass es nicht Geschichteunterricht wird. Wobei: Ein bisschen Geschichteunterricht finde ich eh nicht schlecht.

Eva Jantschitsch: Uns ist es wichtig, ein klares antifaschistisches Statement zu setzen.

Christine Eder: Wir setzen eine klare Ansage gegen alles, was antidemokratisch ist. Man muss dem sofort entgegentreten. Keinen Fußbreit ...!

Eva Jantschitsch: Und man kann die Bühnen nicht den musealen Stücken überlassen.

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