Oscar-Preisträger Schlöndorff: „Paris ist mein Hollywood“

© KURIER/Jeff Mangione

Kino
08/25/2014

Volker Schlöndorff: "Ich bin zuständig für schwere Kost"

Vor genau 70 Jahren wäre Paris beinahe gesprengt worden – in Volker Schlöndorffs Film "Diplomatie".

von Alexandra Seibel

In Volker Schlöndorffs neuem Film "Diplomatie" (ab Freitag im Kino) steht das Schicksal von Paris auf dem Spiel. Der deutsche General Dietrich von Choltitz will auf Befehl Hitlers die Stadt in die Luft sprengen. Der schwedische Botschafter Raoul Nordling möchte ihn davon abbringen. In dem glänzend besetzten Kammerspiel ringen Niels Arestrup als Choltitz und André Dussollier als Konsul um die Zukunft der Stadt. Ein Gespräch mit Volker Schlöndorff über Paris, Schauspieler und warum er nie Komödien drehte.

KURIER:"Diplomatie" spielt in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944. Damals hätte ein deutscher General beinahe ganz Paris in die Luft gesprengt?

Volker Schlöndorff: Als ich als junger Mann nach Paris kam, wusste das damals jeder: Dass es einen deutschen General gab, der Paris nicht in die Luft gesprengt hat. Der Name war aber nicht bekannt – bis heute. Man wollte 1944 die Stadt aus schierer Bosheit zerstören, denn für die Deutschen war der Krieg eigentlich vorbei. Doch Hitler hatte eine Fixierung: Er wollte, dass Berlin so aussieht wie Paris. Doch dann war Berlin zerstört, und Paris war wie die Geliebte, die er nicht kriegen konnte. Darum musste er sie erdolchen, ehe sie den Amerikanern in die Hände fiel. Das ist große Oper. (lacht)

Wie authentisch ist die Begegnung der beiden Männer?

Die Begegnung ist nicht authentisch, aber der Hintergrund schon. Der General war nach Paris geschickt worden, die Alliierten standen vor der Tür, und es gab den Befehl von Hitler. Und dann gab es diesen schwedischen Konsul, der sich sehr bemühte – um Gefangenenaustausch, um Waffenstillstand. Er hat den General getroffen, aber es war sicher nicht er, der ihn umstimmte. Die Situation dieser einen Begegnung im Hotelzimmer ist erfunden. Die Tapetentür, der durchsichtige Spiegel – das sind alles Theaterelemente, die sagen: Das ist kein Doku-Drama, sondern ein Schauspiel. Was den General bewogen hat, den Befehl nicht auszuführen, dazu gibt es keine schlüssige Erklärung.

Sie selbst haben Paris stark über Ihre Filmarbeit erlebt?

Für mich ist Frankreich, und vor allem Paris, Kino. Es ist mein Hollywood. Ich bin mit Bertrand Tavernier (Regisseur, Anm.) in Paris in der Schulbank gesessen und durch ihn sind viele Verbindungen entstanden. Ich arbeitete als Regieassistent für Louis Malle und Jean-Pierre Melville. Da war ganz Paris der Schauplatz.

Ihre Regiedebüt war "Der junge Törless" von Musil. Hat Sie die Internatsgeschichte gereizt?

Ja. Man sagt ja immer, ich sei der Literaturverfilmer. In Wirklichkeit bin ich auf Musil gestoßen, weil wir beide Internatszöglinge sind. Seine Geschichte spielt in der Kadettenanstalt in Eisenstadt, und ich konnte mir jede Szene exakt vorstellen. Wir haben dann im Burgenland gedreht, als es noch sehr exotisch war. Da war kaum eine Straße asphaltiert.

Für Ihren Film "Die Blechtrommel" erhielten Sie den Oscar...

Ach, das ist ja jetzt Geschichte. (lacht) "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" war der erste große Publikumserfolg. Als "Die Blechtrommel" kam, war das Buch schon sehr berühmt. Mir war klar: Entweder wird der Film ein harter Sturz oder großes Gelingen. Aber dass der Film heute noch lebt, liegt vor allem an David Bennent als Oskar Matzerath. Der war einmalig. So wie Angela Winkler als Katharina Blum. Ich weiß, was ich Schauspielern verdanke – und deshalb liebe ich sie. Die ganze Technik – das ist das Bier des Kameramanns. Ich kümmere mich heute nur noch um die Schauspieler.

Aber Sie haben eine Doku Regisseur Billy Wilder gewidmet.

Das ist für mich das große Vorbild. Eigentlich wollte ich ja immer Komödien drehen, aber das war mir nicht gegeben. Ich bin leider zuständig für die schwerere Kost.

Der Literaturverfilmer

Volker Schlöndorff, geboren 1939 in Wiesbaden, zählt zu Deutschlands profiliertesten Regisseuren. Ab 1955 setzte er seine schulische Ausbildung in Frankreich fort. Die berühmtesten Filme: „Der junge Törless“ (1966), „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975), „Die Blechtrommel“ (1979), „Tod eines Handlungsreisenden“ (1985), „Homo Faber“ (1991).

Der Trailer zu "Diplomatie"

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