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Interview
10/23/2013

Viennale-Chef Hurch: "Das sind ja absurde Zustände"

Festival-Direktor Hans Hurch setzt mit Stargästen wie Will Ferrell auf US-Komik.

von Alexandra Seibel

Inside Llewyn Davis“, der hervorragende Musikerfilm von den Coen-Brüdern, eröffnet Donnerstagabend die 51. Viennale mit einer Gala-Premiere im Gartenbaukino. Der Film sei „tragisch-komisch und durchaus programmatisch für das Festivalprogramm“, sagt Direktor Hans Hurch. Für ihn ist es heuer die 17. Viennale. Ein Gespräch über Komik, schwache Jahrgänge und Niki Lauda.

KURIER: Wenn Ihr Vertrag 2016 ausläuft, werden Sie zwanzig Jahre Viennale-Direktor gewesen sein. Sie haben sich wiederholt kritisch darüber geäußert, im Kulturbereich zu lange an einem Job festzuhalten. Gelten für Sie andere Regeln?

Hans Hurch: Es gibt für niemanden spezifische Regeln, wann es genug ist. Manche Leute finden, man sollte einen Job wie meinen nach zehn Jahren wechseln. Aber es gibt auch Vorteile, wenn man etwas lange macht. Ich könnte genauso gut sagen, ich schenke die besten Jahre meines Lebens der Viennale. Ich bin kein Funktionär, der nur seine Aufgabe erfüllt. Ich investiere sehr viel Energie in das Festival und – das sage ich selbstbewusst – ich glaube, dass ich es gut mache.

Mit der Jerry-Lewis-Retro und dem Tribute für Will Ferrell ist US-Komik heuer ein Programmschwerpunkt. Das hätte man vor einigen Jahren noch nicht mit Ihnen assoziiert. Hat sich Ihr Geschmack verändert?
Mein Interesse für Jerry Lewis habe ich schon lange, aber Will Ferrell hat sich quasi ergeben. Wir zeigten die von ihm produzierte Komödie „Die etwas anderen Cops“ vor ein paar Jahren als Überraschungsfilm im Gartenbaukino. Das war kein Viennale-„typischer“ Film, aber die Leute haben wahnsinnig gut darauf reagiert. Nur eine Frau verließ nach fünf Minuten das Kino und zischte mir im Vorübergehen zu: „Sie sollten sich schämen!“ Diese so stark geteilten Reaktionen fand ich interessant – und das war der Ursprung für die Tribute-Idee.

Will-Ferrell-Filme wie „Anchorman“ fanden in Österreich gar keine Verleiher. Haben Sie sie auf der Viennale gezeigt?
Nein, habe ich nicht. Bis zu einem gewissen Grad habe ich damals „strenger“ agiert. Es gibt Filme im Programm, die ich vor zehn Jahren nicht gezeigt hätte. Aber ich glaube, dass man sich im Lauf der Zeit auch ändert – und man kann auch „verschoben“ sein: zu früh, zu spät. Dann ist es viel interessanter.

Ein Stargast ist der Rennfahrer Jackie Stewart. Ihre Antwort auf den Rummel um „Rush“?
Nein, die Idee hatte ich schon vorher. Ich sah Roman Polanskis restaurierte Doku von 1972, „Weekend of a Champion“, in Cannes – und dann erst kam „Rush“, den ich noch nicht gesehen habe. Ich finde Leute wie Jackie Stewart, Jochen Rindt, James Hunt in der Formel 1 toll. Das waren Figuren, die etwas repräsentierten. Mit Niki Lauda hat das langweilige, rechnerische Strebertum in der Formel 1 begonnen. Für mich ist Lauda uninteressant.

Stichwort: Österreichischer Film ...
Im Vergleich zum Vorjahr war es heuer ein schwächerer Jahrgang. Kein österreichischer Film lief auf einem großen Festival. Da sieht man auch, wie schnell der „österreichische Film“ auch wieder weg ist. In Cannes hat kein Mensch mehr darüber geredet, und voriges Jahr waren wir die Superstars. Daran lässt sich erkennen, was das für ein zynischer Betrieb ist. Aber mit Filmen wie Götz Spielmanns „Oktober November“, Gustav Deutschs „Shirley – Visions of Reality“ oder Ruth Beckermanns „Those who go those who stay“ zeige ich eine gute Mischung.

Apropos heimische Produktion: Der ORF droht, Mittel aus Film- und TV-Produktion abzuziehen, wenn er die Gebührenrefundierung nicht mehr bekommt.
Das ist eine politische Entscheidung, und nicht die des ORF. Ich hoffe, dass sich eine zukünftige Kulturpolitik viel intensiver um diese Dinge kümmert. Es kann nicht Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders sein, erpresserisch zu sagen, wir schränken da und dort ein, wenn wir die Refundierungen nicht mehr bekommen. Das sind ja absurde Zustände.

Was werden Sie in der Eröffnungsrede sagen?
Etwas Lustiges. Ich möchte nicht herb die Geißel schwingen wie sonst, sondern einen fiktiven Traum erzählen – dass ich bei den Koalitionsverhandlungen dabei war und miterlebt habe, wie dort über Kultur gesprochen wird. Das muss ich witzig machen, aber so, dass man merkt, dass es nicht witzig ist. Wie Jerry Lewis.

Viennale-Filme bis 6. November

Ab sofort sind Tickets im Vorverkauf erhältlich. Die Vorverkaufsstellen befinden sich im Gartenbaukino, am Schottentor und an der Ecke von Mariahilfer Straße und Museumsquartier. Per Telefon A1-Freeline 0800 664 013, und unter www.viennale.at.

Drei Filmempfehlungen von Festival-Direktor Hans Hurch: Claude Lanzmanns Doku über den Rabbiner Benjamin Murmelstein: „Der Letzte der Ungerechten“; Alain Guiraudies Drama „L’Inconnu du Lac“ und „Lukas Nino“ des Philippiners John Torres.

Momente aus 26 Viennale-Jahren

Programm-Highlights der Viennale

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