Kultur
24.07.2017

Viennale-Chef Hans Hurch ist tot

In Rom völlig überraschend an Herzversagen gestorben.

Der langjährige Viennale-Chef Hans Hurch ist tot. Er sei in Rom völlig überraschend an einem Herzversagen gestorben, wie Viennale-Geschäftsführerin Eva Rotter mitteilte. Hurch, der am 18. Dezember seinen 65. Geburtstag gefeiert hätte, habe sich zu einem Arbeitstreffen mit dem Regisseur Abel Ferrara in der italienischen Hauptstadt aufgehalten.

Hurch hatte 1997 die Leitung des Wiener Filmfestivals übernommen, nach der Ausgabe 2018 wollte er seine Tätigkeit beenden. Hurch war damit einer der längstdienenden Kulturmanager des Landes. "Er hat die Viennale als cineastisches Festival positioniert, das avantgardistische Ansprüche erfüllt und trotzdem ein breites Publikum anzieht", lobte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny Hurch anlässlich dessen Vertragsverlängerung bis 2018.

„Es ist für uns alle ein Schock und großer Verlust und menschlich sehr schwer zu verkraften. Wir werden unser Möglichstes tun, um die diesjährige Viennale in seinem Sinne zu gestalten“, hieß es in einer ersten Stellungnahme des Viennale-Teams. „Wir möchten unser aufrichtiges Mitgefühl und unsere Anteilnahme der Familie und den Freunden aussprechen.“

Cineast voll Expertise und Leidenschaft

Hans Hurch (1952-2017) prägte das heimische Film-und Festivalgeschehen seit langem. Seit 1997 war der ehemalige Filmjournalist Direktor des wichtigsten heimischen Filmfestivals, der Viennale. "Ich bin nicht die Viennale. Ich mache die Viennale nicht alleine, auch wenn ich sie sehr geprägt habe", hatte er betont, als sein Vertrag noch einmal, bis Ende 2018, verlängert worden war.

Geboren wurde Hurch am 18. Dezember 1952 in Schärding ( Oberösterreich). Ab 1971 studierte er Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie an der Universität Wien, ab 1976 war er Mitarbeiter der Wiener Stadtzeitung "Falter". Neben seiner journalistischen Tätigkeit organisierte er Filmreihen und Retrospektiven. Von 1986 bis 2000 wirkte er als Regieassistent und Mitarbeiter bei Theater-und Filmarbeiten von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet mit, 1990-92 arbeitete er mit der Dokumentarfilmerin Astrid Johanna Ofner zusammen.
1993 bis 1996 war Hurch Kurator des Projektes "hundertjahrekino" anlässlich des hundertsten Geburtstages des Kinos. 1997 trat er sein Amt als Viennale-Chef an, das er mit großem Enthusiasmus, Expertise und Leidenschaft ausfüllte. Die Viennale wurde unter seiner Leitung ein international beachtetes und vom Publikum begeistert angenommenes Festival für Cineasten. "Mit 2018 ist meine Arbeit wirklich zu Ende", hatte Hurch, der sich nicht nur in seinen Eröffnungsreden immer wieder pointiert und kritisch zu politischen und kulturpolitischen Themen äußerte, vor zwei Jahren versichert. Sein Posten hätte Mitte 2017 ausgeschrieben werden sollen.

Große Betroffenheit in der Politik und der Filmbranche

Tief betroffen zeigten sich heimische Politiker über den Tod von Hans Hurch. Dieser habe "wie kein anderer für den Film in Österreich gebrannt. Sein streitbares Engagement für den Film wird mir fehlen", so Kulturminister Thomas Drozda. Als "großen Verführer des Films und facettenreiche Persönlichkeit" würdigten ihn Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ( SPÖ).

Mit dem Viennale-Direktor habe ihn "ein langjähriges persönliches Naheverhältnis verbunden", so Drozda in einer Aussendung. "Erst vor wenigen Tagen haben wir uns noch über die Sicherung des heimischen Filmerbes ausgetauscht und gemeinsamen wollten wir die Filmfestspiele in Locarno besuchen. Mein tiefes Mitgefühl gilt Astrid Ofner, einer Jugendfreundin und Schulkollegin von mir, die seit Jahrzehnten an seiner Seite war."

"Als Festivalleiter hat er die Viennale zu einem der wichtigsten Filmfestivals Europas gemacht", betonten Häupl und Mailath-Pokorny. "Mit der klugen Filmauswahl, den internationalen Gästen und dem reichhaltigen Rahmenprogramm hat er alljährlich die Stadt aufgemischt und dem Festival eine Strahlkraft verliehen, die tausende begeisterte Cineasten anzog. Hans Hurch hatte eine Hand und ein Auge für den Film, seinem treffenden Urteil konnte man immer vertrauen." Österreich verliere "einen wachen Intellektuellen, einen unbequemen Denker und einen Filmliebhaber, der seinen Enthusiasmus auf eine ganze Stadt übertragen konnte".

Die Stadt werde Hans Hurch ein ehrenhalber gewidmetes Grab zur Verfügung stellen, kündigte der Kulturstadtrat an. Die Ausschreibung der Viennale-Direktion ab Ende 2018 war in Vorbereitung und hätte demnächst veröffentlicht werden sollen. Ob die Ausschreibung nun adaptiert und bereits die Leitung des Festivals 2018 umfassen soll, werde man nun in Ruhe überlegen, hieß es auf APA-Nachfrage. Die diesjährige Viennale findet von 19. Oktober bis 2. November statt. "Wir werden unser Möglichstes tun, um die diesjährige Viennale in seinem Sinne zu gestalten", hieß es heute vom Festivalteam.

Reaktionen aus der Filmbranche

Eine Auswahl erster Reaktionen, die über Facebook und Twitter verbreitet wurden:

Filmarchiv Austria: „Wir sind unglaublich bestürzt und sprachlos. Wir vermissen dich jetzt schon! Ein wunderbarer Mensch, guter Freund und eine besondere Persönlichkeit ist leider zu früh von uns gegangen. Unsere Gedanken sind bei seiner wahren als auch beruflichen Familie, dem Viennale-Team.“
Österreichisches Filmmuseum: „Eine sehr traurige Nachricht. Unser Mitgefühl gilt der Familie und allen Freunden.“

VdFS - Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden: „Bestürzt und in tiefer Trauer über das plötzliche Ableben des Viennale-Direktors Hans Hurch. Danke für unzählige magische Kinoerlebnisse!“

Filmfonds Wien: „Das Team des Filmfonds Wien ist tief betroffen über den plötzlichen Tod von Hans Hurch. Wir möchten seinen Angehörigen, Freunden und Kollegen unsere aufrichtige Anteilnahme aussprechen.“

Kino unter Sternen: „Hans Hurch war einer der Gründungsväter von Kino unter Sternen. 1995 sind wir mit ihm auf der Suche nach dem passenden Ort durch Wien gefahren. Seine Vision vom großen Kinoerlebnis unter dem Nachthimmel hat Kino unter Sternen geprägt. Nun ist Hans Hurch völlig unerwartet in Rom gestorben. Wir werden ihn in Erinnerung bewahren.“

Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Locarno Filmfestivals: „R.I.P. Hans Hurch - Ich bin sprachlos.“

Peter Schernhuber, Co-Leiter der Diagonale: „Danke für Enthusiasmus, Streitbarkeit, Humor und Hartnäckigkeit; danke, dass Du uns Dein Kino gezeigt hast.“

VIS Vienna Shorts: „Wir sind erschüttert und furchtbar traurig, denn wir haben einen guten Freund und langjährigen Unterstützer unseres Festivals verloren. Unser tiefstes Mitgefühl gilt seiner Familie und unseren lieben FreundInnen von der Viennale.“

Kurzfilmfestival dotdotdot: „In unsere Stadt, unser Land, die cinephile Community dieses Planeten ist eine tiefe Wunde gerissen worden. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt der Familie und dem Team der Viennale.“

Menschenrechtsfilmfestival this human world: „Wir trauern um Hans Hurch. Danke für Deine große, wertvolle und unverzichtbare Arbeit für Film, Festival und Kino in Österreich!“

/slash Filmfestival: „Streitbar, unbequem, leidenschaftlich. Eine prägende Gestalt der Ö-Filmkultur ist nicht mehr. Wir trauern.“

Filmcasino: „Wien hat einen wichtigen Kämpfer für ein anderes Kino verloren. Er wird uns fehlen.“

Vienna Design Week: „Eines der renommiertesten Festivals der Stadt hat seinen charismatischen Direktor verloren - Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und dem Team der Viennale.“