© Wolf-Dieter Grabner

Kultur
09/25/2013

Viele Solist_innen gleichzeitig

Du hast die Wahl - bei "Expeditionen in Urwälder des Alleinseins" wird gleichzeitig in acht Kabinen gespielt

Neun kleine Bühnen, acht davon gleichzeitig bespielt (eine statisch unbespielt) – in kleinen Kobeln aus weiß gestrichenen Press-Spannplatten. Als Zuschauer_in ziehst du von einer zur anderen, bleibst mal länger, mal kürzer stehen, oder am Boden sitzen, schaust durch eine schmale Öffnung – oder in einem Fall kleine Gucklöcher (bzw. durch Besteigen einer kleinen mobilen Treppe von oben auf das Geschehen in dieser. Lauscht etwa dem Wechsel von Geigenspiel und Kleschen auf einen Box-Sack. Oder den Passagen aus Texten von Heiner Müller, Thomas Bernhard oder Juliane Koepcke (Als ich vom Himmel fiel). Oder gibst dir die wortlosen, meist fast zeitlupenartigen von Texten (Alice im Wunderland) bzw. Bildern (Maria Lassnig) Bewegungen.

Du kannst dich aber auch selbst in eine der mit einem weißen Vorhang blickdicht verschlossenen Boxen begeben und stehst inmitten von an diese dich umgebende Stoffwand projizierten Videos.

(Ur-)Wald

„Expeditionen in Urwälder des Alleinseins“ (nach einem Thomas-Bernhard-Zitat) heißt dieses rund fünfviertelstündige Performance-/Installationsprojekt im Palais Kabelwerk. Erinnert schon die Anordnung der Boxen auf der Bühne an eine Art Wald, so findest du in der Mitte obendrein eine an allen Wänden stark ausgeschnittene Kammer voller Grünpflanzen, die noch viel stärker einem Urwald ähnelt. Drinnen, fast nicht zu sehen, ein Künstler, der permanent an den Reglern eines Mischpults hantiert – der Sound erfüllt als Hintergrundgeräusch den ganzen Saal. Nur in einer dieser Kaphäuschen agiert mehr als ein Mensch, zwei Frauen mit viel Zeitungspapier bzw. Brotkrümel agieren mehr gegen- als miteinander und doch auch – auf engstem Raum – viel aneinander vorbei. Eine der anfangs gut sichtbaren Schlagzeilen, die aus dem Zeitungsgewirr heraussticht: „Irre erfolgreich“.

Jede/r für sich

Vielleicht ein Motto? Lauter „Ich“-AGs, jede/r kämpft für sich – auch um die Aufmerksamkeit, auf in kleinste Boxen zersplitterten Bühnen? Oder Wahlfreiheit – was schau ich mir an, wo verweile ich? Oder bin ich hin- und her gerissen, wo zieht's mich hin?

Expeditionen in Urwälder des Alleinseins

Konzeption/Regie: Martina MaggaleKünstlerische Mitarbeit/Regie: Anna LanerEs spielen: Magdalena Haftner, Emer Kinsella, Lino Kleingarn, Anne-Marie Kuhfuss, Benjamin Muth, Stella Reinhold, Anna SchumacherLicht & Raum Design: Felix HuberVideo Design: Daniel Saravia/Marcus SaraviaSound Design: Fabio KaiserKostüm: Amber AlblasAusstattung: Magdalena Jurisic/Magdalena GanglProduktionsassistenz: Kristin Wehrkamp Zu HöneGraphic Design: Magdalena Jurisić

Bis 28. September, 19 Uhr Palais Kabelwerk, Saal 1 1120 Oswaldgasse 35A Karten (Anrufbeantworter): (01) 802 06 50

tickets@palaiskabelwerk.at

www.palaiskabelwerk.at

Achtung! Begrenzte Teilnehmer_innenzahl