Verwaltet Stieg Larssons Universum: David Lagercrantz, 52.

© /Caroline Andersson

Wie gut ist die "Millennium"-Fortsetzung?
08/27/2015

Wie gut ist die "Millennium"-Fortsetzung?

Schriftsteller David Lagercrantz trat das Erbe des verstorbenen Bestseller-Autors Stieg Larsson an.

von Peter Pisa

Eva Gabrielsson, die Lebensgefährtin Stieg Larssons bis zu dessen tödlichem Herzinfarkt 2004, nannte David Lagercrantz eine "vollkommen idiotische Wahl". Vom Stockholmer Reporter Lagercrantz war bisher vor allem sein – vielschichtiges – Porträt des Fußballers Zlatan Ibrahimovic bekannt gewesen.

Ihn beauftragten Stieg Larssons Vater und Bruder mit der Fortsetzung der " Millennium"-Serie –- deren besonderes Kennzeichen es ist: 70 Millionen Exemplare wurden verkauft.

Seit Donnerstag lässt sich beruhigt feststellen: Teil vier – auf Deutsch "Verschwörung", auf Englisch "The Girl in the Spider’s Web" – ist passabel ausgefallen. Respektvoll geht der Autor mit seinem Erbe um. Flott erzählt er. Lagercrantz lebte sich gut in Stieg Larssons Welt ein.

Jeder seiner Sätze ist eine Kapitulation vor der Schönheit der Sprache. Das war in den drei vorangegangenen Büchern nicht anders.Fans meinten, das Dürftige und Klischeehafte sei bloß originelles Stilmittel gewesen. Aber ob so oder so – es ist egal. Als Ganzes hat auch die neue Geschichte das gewisse Etwas.

Das Thema von "Verschwörung" ist, im Sinn Larssons, aktuell: Ein Experte für künstliche Intelligenz, der die Meinung vertritt, Apple habe sich an die NSA verkauft, wird erschossen. Sein autistischer achtjähriger Sohn ist Zeuge.

NSA gehackt

Zuerst taucht im Roman Aufdeckerjournalist Mikael Blomkvist auf. Auch Stieg Larsson hat ihm mitunter zu viel Platz gewidmet.

Gott sei Dank dauert es nur rund 100 Seiten, bis SIE kommt, Lisbeth Salander, die jeden noch so schwachen Thriller ins Ziel tragen würde. Dass wir diese Computerspezialistin brauchen, ist klar. Denn sie hackt sich ins Netz der NSA ... ihr Meisterstück. Die NSA-Leute können auf ihren Bildschirmen lesen: "Wer das Volk überwacht, wird eines Tages selbst vom Volk überwacht. Darin liegt eine fundamentale demokratische Logik."

Lisbeth Salander wurde von der New York Times so treffend als zornige Punk-Version von Audrey Hepburn beschrieben, die Fußtritte verteilt wie Lara Croft.

Schrecken bietet "Verschwörung" wenig. Es fließt kaum Blut. Stattdessen regnet es, und der Wind bläst. Die Welt ist ein Intrigantenstadel, Schwedens Geheimpolizei spielt mit, ohne Amerika und Russland geht’s sowieso nicht, Primzahlen sind wichtig, ein Stern fällt vom Himmel, und alles ist angelegt, damit die Fortsetzung Forsetzungen bekommen kann.

Persönlicher Lieblingssatz: "Mikael Blomkvist hatte nur ein paar Stunden geschlafen, weil er bis spätnachts einen Krimi von Elizabeth George gelesen hatte." Gute Idee. "Bedenke was du tust" – das 19. Buch mit Inspector Lynley – erscheint leider erst am 19. Oktober.

Info: David Lagercrantz nach Stieg Larsson: „Verschwörung“. Übersetzt von Ursel Allenstein. Heyne Verlag. 605 Seiten. 23,70 Euro.

KURIER-Wertung:

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