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Interview
04/28/2014

Verlottert zu internationalem Erfolg

Toph Taylor, Sänger von Trouble Over Tokyo, startet solo unter dem Pseudonym SOHN.

von Brigitte Schokarth

Er beginnt immer mit dem, was Toph "SOHN" Taylor "Voodoo-Gebrabbel" nennt. Wenn der in Wien lebende Brite heute Songs schreibt, singt er zunächst nur bedeutungslose Laute über die minimalistische musikalische Basis. Irgendwann formen sich daraus Worte und Sätze. Was seine Songs bedeuten, sagt der ehemalige Sänger von Trouble Over Tokyo im KURIER-Interview, weiß er deshalb selbst nicht.

"Alle meine Lieblingssongwriter, wie etwa Paul Simon, erzählen immer klare Storys", sagt er. "Ich bleibe beim Texteschreiben der freien Assoziation treu. Was dazu führt, dass ich oft erst drei oder vier Wochen, nachdem ein Song fertig ist, eine Idee bekomme, von welchem Gefühl oder Erlebnis ein Lied ausgelöst wurde."

Deshalb hat Taylor sein erstes Solo-Album "Tremors" ("Erdstöße") genannt. "Die Annahme ist, dass alte Erlebnisse oder Gefühle, die man überwunden geglaubt hat, in einer Person weiterschwingen, sich wie das Zittern eines Erdbebens äußern."

Atmosphäre

Soeben ist "Tremors" erschienen und wie schon die Platten von Trouble Over Tokyo voll mit dichter, Angst-beladener Atmosphäre. Taylor legt seine klare Engelsstimme über Tracks, die sich oft nur einem einzigen musikalischen Motiv widmen, während Perkussion und bizarre Geräusche die Textur liefern.

Das ergibt einen faszinierender Sound, der mittlerweile auch in die obersten Etagen der Major-Labels gedrungen ist. "Ich bekomme viele Angebote, sehr bekannte Künstler zu produzieren", sagt er. Nennen will er sie nicht, weil noch nichts abgeschlossen ist. Aber er erzählt, dass er manchmal Platten hört, wo er genau weiß, dass der Produzent den Auftrag hatte, wie SOHN zu klingen. "Die kriegen das aber alle nicht hin. Die arbeiten einfach nicht verlottert genug."

Was er damit meint, ist die neue Technik, die er sich nach der Trennung von Trouble Over Tokyo zugelegt hat: Anstatt mit Software arbeitet er mit elektronischen Instrumenten – mit einer Drum-Machine und Synthesizern aus den 80er-Jahren.

"Weil ich diese Instrumente spiele, und nicht mehr mit der Maus Sounds designe, mache ich Fehler. Und es entstehen Störgeräusche, die ich aber, anstatt sie auszubessern, in meinen Sound integriere. Und das macht sonst keiner, der elektronische Musik macht."

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