Kultur
08.11.2016

"Böse sein, nix akzeptieren"

Die renommierten Theaterpreise wurden in 13 Kategorien im Ronacher vergeben.

Die gesamte Bandbreite des Theaters – sie wurde bei den heurigen Nestroy-Preisen wieder einmal sichtbar. Drei Preisträger standen bereits im Vorfeld der Gala am Montag im Wiener Ronacher fest.

So erhielt der deutsche Theaterberserker und Noch-Intendant der Berliner Volksbühne Frank Castorf den renommierten Theaterpreis für sein Lebenswerk, und er formulierte nach Standing Ovations sein Credo: "Schön böse sein, nichts akzeptieren, das ist die Aufgabe des Theaters."

Die beste Ausstattung war und ist am Burgtheater zu sehen: Hier ging der Nestroy an Harald B. Thor für sein Bühnenbild zu Gorkis "Wassa Schelesnowa". Der Preis für das beste Stück, der so genannte Autorenpreis, wiederum ging an Yael Ronen samt Ensemble für "Lost and Found" am Volkstheater.

Beste Schauspieler

Dort durfte sich die Intendantin Anna Badora noch über einen weiteren Nestroy freuen: den für den besten Schauspieler. In der Kategorie setzte sich Rainer Galke für seine furiose Gestaltung von Thomas Bernhards "Alte Meister" gegen ebenso nominierte Kaliber wie August Diehl, Michael Maertens, Nicholas Ofczarek oder Florian Teichtmeister durch.

Letzterer war für seine Darstellung des Jean in Strindbergs "Fräulein Julie" im Theater in der Josefstadt nominiert und hatte dennoch Grund zur Freude. Denn die beste Schauspielerin wurde mit Sona MacDonald seine Julie. Sie bekam den Nestroy aber auch für ihre sensationelle Interpretation der Billie Holiday in "Blue Moon" von Torsten Fischer und Herbert Schäfer in den Kammerspielen: "Man braucht sich keine Wunschrollen aussuchen. Andere haben manchmal etwas mit dir vor, was du dir nicht vorstellen kannst. Dann passiert etwas, du gehst mit ihnen auf eine Reise, und man öffnet sich." Als beste weibliche Nachwuchsdarstellerin heimste Julia Gräfner für ihre Gestaltung des Caliban in Shakespeares "Sturm" am Schauspielhaus Graz einen Nestroy ein.

Tschick

Ihr männliches Pendant wurde der deutsch-kroatische Schauspieler Luka Dimic, der in der Titelrolle von Wolfgang Herrndorfs Romanadaptierung "Tschick" für einen Saisonhöhepunkt im Theater der Jugend sorgte.

In gleich sechs verschiedenen Rollen sorgte Martin Reinke in Joel Pommerats "Die Wiedervereinigung der beiden Koreas" im Akademietheater für Glanzlichter, erhielt dafür den Nestroy für die beste Nebenrolle und bezwang so Kollegen wie Gabor Biedermann, Joachim Bißmeier, Siegfried Walther...

Politisch wurde es beim Preis für die beste Off-Produktion, den sich das bereits im Vorjahr nominierte aktionstheater ensemble um Martin Gruber sicherte: mit "Kein Stück über Syrien", eine trotz des Titels in aktuelle Wunden greifende Produktion über das Helfen und Helfenwollen in Zeiten von Flucht. Die beste Regie lieferte Andrea Breth mit "Diese Geschichte von Ihnen" im Akademietheater ab. Die beste Aufführung in den Bundesländern war nach Ansicht der Jury am Landestheater Niederösterreich mit "Lichter der Vorstadt" zu sehen. Alexander Charims Kaurismäki-Interpretation wurde mit dem Nestroy prämiert, und in der Dankesrede hieß es: "Theater ist vielleicht ein Ort, um eine Wahrheit zu erzählen." Der neue Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser durfte sich indirekt über den Nestroy-Spezialpreis freuen für "Wir Hunde/Us Dogs", eine Koproduktion von Volkstheater und Wiener Festwochen, dessen Intendant Hinterhäuser bis Sommer 2016 war.

Die beste deutschsprachige Aufführung war mit Tony Kushners "Engel in Amerika im Theater Basel zu sehen.