© Lukas Beck

Kritik
07/04/2021

Verdi im Stift Klosterneuburg: Düsteres Seelendrama mit einigen Leerstellen

Verdis „La forza del destino“ im Stift Klosterneuburg überzeugt vor allem musikalisch.

von Peter Jarolin

Eines muss man der Oper Klosterneuburg unter der Intendanz von Michael Garschall wirklich zugestehen: Beharrlichkeit. Während andere Veranstalter in diesem Sommer teils auf reduzierte Spielpläne setzen, zieht man im malerischen Kaiserhof des Augustiner-Chorherrenstifts die bereits für 2020 geplanten (naturgemäß leider abgesagten) Pläne durch. Man spielt unter Einhaltung aller Sicherheitskonzepte Giuseppe Verdis „La forza del destino“ fast ohne Striche, dafür mit viel Prominenz bei der Premiere bis 30. Juli durch.

Das wiederum bedeutet: Rund 140 Mitwirkende sollen und wollen ein großes Opernspektakel garantieren, das in der Regie von Julian Roman Pölsler aber zu einem düsteren Seelendrama mutiert. Dies liegt auch am Bühnenbild von Hans Kudlich, der mit dunklen, teils auch glitzernden und verschiebbaren Blöcken arbeitet und jede Menge Kreuze andeutet.

Ganz klassisch

Das Kreuz mit dem Kreuz ist immerhin auch ein Thema in dieser zwischen Liebe, Krieg, Religion und sonstigen Unabwägbarkeiten changierenden Oper, die letztlich keine Sieger, sondern nur Verlierer und Tote kennt. Pölsler inszeniert die Geschichte rund um das Liebespaar Leonora und Alvaro, Leonoras rachsüchtigem Bruder Carlo, den bald zu Tode kommenden Marchese di Calatrava sowie der Kriegstreiberin Preziosilla ganz klassisch und leider auch mit einigen Leerläufen. Da ist in den uneinheitlichen Kostümen von Andrea Hölzl (von Military Look bis zur Haute Couture) auch extrem viel Rampensingen angesagt.

Das allerdings funktioniert vor allem dank zweier Frauen perfekt. So ist etwa die russische Sopranistin Karina Flores – in Klosterneuburg wird bekanntlich ohne Verstärkung gesungen – eine auch darstellerisch großartige Leonora. Nicht nur ihre berühmte Arie „Pace, pace, mio dio“ wird so zum Ereignis. Und dann ist da noch die in jeder Hinsicht überragende Mezzosopranistin Margarita Gritskova, die als Preziosilla fast in „Carmen“-Manier (ein guter Regieeinfall!) über die Bühne fegt und auch vokal ein Feuerwerk abbrennt.

Die Herren? Sie sind alle wacker. Tenor Zurab Zurabishvili schlägt sich mit heller, teils forcierter Stimme in der Rolle des Alvaro gut; David Babayants hat als Carlo stimmlich mehr anzubieten.

Mit Walter Fink hat man eine Legende als Marchese; Matheus França und Marian Pop wirken – wie auch der gute Chor – solide mit. Und Christoph Campestrini sorgt am Pult der Beethoven Philharmonie für einen schlanken, oft langsamen, nur selten banalen Verdi-Klang.

2022 folgt Puccinis „La Bohème“.

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.