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Kultur
07/16/2021

Veranstalter nach Frequency-Absage: "Ein Drama für die Jugend"

Aufgrund der Delta-Variante des Coronavirus, sagt Veranstalter Harry Jenner, war das Festival der Stadt St. Pölten "nicht geheuer". Tatar: "Es hat ein ganz klares Signal von der Regierung gegeben: Jetzt sind die Jungen dran".

von Brigitte Schokarth

"Für die Jugend ist das ein Drama", sagt Harry Jenner, einer der Veranstalter im KURIER-Gespräch über die Absage des FM4-Frequency-Festivals seitens der Stadt St. Pölten. "Mit den PCR-Test vor Ort hätten wir das schärfste Sicherheitskonzept bei Großveranstaltungen gehabt, schärfer als beim GP in Spielberg. Simulationsexperte Niki Popper hat errechnet, dass wir damit potenziell mehr Infizierte aus dem Ansteckungsnetzwerk rausfischen, als wir mit dem Festival produzieren. Aber bei den Verhandlungen konnten wir mit diesen Argumenten nicht überzeugen. Das Festival war der Stadt aufgrund der Probleme mit der Delta-Variante des Virus nicht geheuer."

Jenner möchte unbedingt betonen, dass die Veranstalter ein gutes Einverständnis mit der Stadt haben und er die Absage nicht als Schikane sieht. "Es ging bei den Verhandlungen nur um die Delta-Variante und um nichts anderes. Ich glaube, wir hätten auch impftechnisch für die Jugend ziemlich viel Gutes geleistet, weil das Festival für diese Zielgruppe eine starker Anreiz war, sich impfen zu lassen. Gerade jetzt, wo man sieht, dass die Kurve in der Altersklasse abflacht, wäre das wichtig gewesen. Und die PCR-Tests vor Ort, die wir durchgeführt hätten, sind fälschungssicher. Aber all das wurde nicht honoriert."

Dass die Diskussion um das Festival von der Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer angestoßen wurde, sieht Jenner kritisch: "Sie hatte keine Fakten, sie kennt kein Präventionskonzept, sie kennt nicht die Besuchergruppen und weiß nicht, wie sie anreisen. Ich glaube, sie weiß grad einmal, wie das Festival heißt, und hat daraufhin ihre haltlose Prognose gemacht."

Schon "ein bisschen wütend" ist Ewald Tatar, Chef der Veranstaltungsfirma Barracuda, die hinter den großen Rock/Pop-Festivals in Österreich steht. "Wir haben in den letzten Wochen wirklich wie die Löwen gekämpft und alles getan, um das Frequency zu spielen", sagt er dem KURIER. "Es hat ein ganz klares Signal von der Regierung gegeben: Jetzt sind die Jungen dran. Außerdem gibt es eine klare Verordnung, solche Events zu spielen. Ja, die Zahlen steigen. Und die Meldung mit dem Cluster bei einem Festival in Utrecht war auch nicht förderlich. Andererseits gibt es mit dem Exit-Festival in Serbien auch ein positives Gegenbeispiel. Und anhand dessen, was wir an Präventionskonzepten geliefert haben, kann ich diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehen. Auch nicht, dass sich die Regierung aus dieser Thematik rausgehalten hat. Faktum ist aber, das Festival wurde nicht genehmigt. Das muss man als Veranstalter akzeptieren – so traurig es ist."

Extrem leid tut Tatar die Absage für all die tausenden jungen Leute, die sich auf das Festival gefreut haben. "Man hat ihnen Hoffnung gemacht, und diese Hoffnung ist jetzt zunichte gemacht worden. Auch das macht mich wütend, muss ich ehrlich sagen."

EVENTIM ÜBERNIMMT MEHRHEIT AN KONZERTVERANSTALTER BARRACUDA MUSIC: TATAR

Wie sich die Absage finanziell auswirkt, ob all seine bisher angelaufenen Kosten mit dem Schutzschirm der Regierung und eventuell dazukommende Ausfallszahlungen der Stadt St. Pölten, abgedeckt sind, werde er erst später feststellen können. "Jetzt dazu Zahlen zu nennen, wäre unseriös. Das muss man in Ruhe evaluieren und sich genau anschauen. Momentan haben wir den Kopf auch ganz wo anders. Wir müssen den Bands und unseren Zulieferfirmen absagen und alle informieren. Dem werden wir uns in den nächsten Tagen intensiv widmen."

An Klagen wegen der späten Absage denkt Tatar nicht: „Ich kämpfe lieber für die Sache!“

Nämlich dafür, wie es weitergeht. Denn die wichtigste Frage die sich für ihn aus der Frequency-Absage ergibt: "Wie wollen wir mit dem Virus weiter leben? Wollen wir weiter unser Leben davon bestimmen lassen? Das muss man uns bald einmal sagen. Wir haben am 11. September das ,Nova Rock Encore‘-Festival in Wiener Neustadt. Dafür werde ich 100 Prozent geben, ich will es durchführen. Da haben wir auch andere Voraussetzungen: Nur ein Tag, kein Camping und eine geringere Kapazität. Und wir haben eine Stadt und einen Bürgermeister, die nach wie vor zu 100 Prozent hinter dem Festival stehen. Außerdem werden wir das ,Nova Rock Encore‘-Festival epidemiologisch professionell begleiten. Details dazu werden wir in ein paar Wochen bekanntgeben."

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