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Kultur
07/07/2021

Ewald Tatar: "Das Frequency abzusagen, wäre ein fatales Zeichen"

Nach Warnungen von Virologen steht das Festival in der Kritik. Der Veranstalter erklärt, warum diese Argumente für ihn "Unsinn" sind

von Brigitte Schokarth

KURIER: Herr Tatar, als Präsident der Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV) haben Sie heute den Startschuss für die Kampagne „Back to live“ von Kultur, Sport und Tourismus gegeben. Damit soll dem Publikum unter anderem mit TV-Spots und der Plattform www.backtolive.at wieder Lust auf Veranstaltungen gemacht werden. Sie sagen, Sie wollen den Leuten damit die Angst und die Vorsicht nehmen, die sich während der Pandemie etabliert hat. Bezieht sich das auf die Angst vor Ansteckung oder die Angst vor neuerlichen Verschiebungen?

Ewald Tatar: Das bezieht sich mehr auf die Angst vor neuerlichen Absagen. Wir haben ja jetzt eine Situation, wo sich jeder impfen lassen kann. Damit kann sich also jeder die Angst vor der Ansteckung selbst nehmen. Es geht da um eine gewisse Vorsicht, wo sich die Leute fragen, soll ich jetzt Tickets kaufen, vielleicht wird es ja doch wieder abgesagt. Mit der Kampagne wollen wir den Leuten diese Vorsicht nehmen und sagen, ja es geht jetzt weiter. Und wir glauben natürlich auch selbst daran. Es ist nicht so, dass ich mich da provokant herstelle und auf Zweckoptimismus mache. Ich spüre das ganz tief in mir drinnen. Ich habe schon vor einigen Monaten angekündigt, dass ich positiv in die Zukunft schaue, und das bestätigt sich bei mir Schritt für Schritt immer weiter.

Beim Frequency-Festival gab es keinerlei Vorsicht, das war sofort ausverkauft. Gibt es Tendenzen, in welchen Bereichen das Publikum zögerlicher Tickets kauft und in welchen es sich ausgehungert um Tickets reißt?

Bei Veranstaltungen, die noch für heuer oder irgendwann in nächster Zukunft angesetzt sind, sind die Leute zögerlicher. Wenn so ein Event angekündigt wird, sind sie zunächst euphorisch, dann kommt so eine leicht zögerliche Phase, wo sie noch ein bisschen abwarten, und dann geht es wieder weiter. Was sich natürlich beim Ticketkauf bemerkbar macht, sind Medienberichte wie zum Beispiel über die Delta-Variante des Corona-Virus. Da haben wir eine rege Diskussion, aber Faktum ist auch, dass wir gestern, ich glaube 84 Neuinfektionen hatten - also nichts. Und ich glaube, man muss jetzt schon langsam aufpassen, nicht immer alles schlechter zu machen, als es eigentlich ist. Warum können wir nicht einmal ein bisschen positiver sein? Die Zeichen zeigen alle in eine positive Richtung, dann lasst uns das doch mitleben.

Die Virologin Dorothee von Laer von Med Uni Innsbruck hat gerade vor Veranstaltungen wie dem Frequency-Festival gewarnt. Wie begegnen Sie solchen Warnungen?

Ich lasse mich da auf keine Diskussion ein. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen, ich sehe das aber ganz anders. Und abgesehen davon haben wir von Regierungsseite die klare Ansage bekommen: Es geht wieder los, ihr könnt wieder alles in voller Kapazität machen - natürlich mit der 3G-Regel. Dem leisten wir sehr gerne Folge, und das war sicher die richtige Entscheidung. Und die zweite Ansage war: Jetzt sind die Jungen dran! Na gut, dann lasst jetzt endlich die Jungen dran sein. Die wollen jetzt raus, die haben sich eineinhalb Jahre brav an viele Dinge gehalten. Nichts gegen die Alten. Aber warum dürfen die Alten jetzt alles machen und die Jungen schon wieder nicht? Warum schießt man sich auf eine junge Veranstaltung wie das Frequency ein? Das kann ich nicht nachvollziehen. Speziell in einer Situation, wo wir wie gesagt gestern 84 Neuinfektionen hatten.

Es liegt wohl auch daran, dass es mit dem GP in Spielberg schon einige Großveranstaltungen gab, die offenbar höhere Infektionszahlen nach sich gezogen haben.

Jeder redet seit Monaten davon, dass es uns nicht erspart bleiben wird, mit dem Virus zu leben. Da müssen wir uns irgendwann entscheiden, wie wir damit leben. Wollen wir uns von dem Virus weiterhin unser Leben wegnehmen lassen, oder wollen wir uns dem stellen? Wir haben unter den Frequency-Besuchern eine Umfrage gemacht, wo 75 % gesagt haben, sie wollen sich dafür impfen lassen, weil sie zum Festival wollen, beziehungsweise, dass sie schon geimpft sind. Das ist ein deutliches Zeichen, wie man junge Menschen motivieren kann, sich impfen zu lassen. In England steigen die Infektionszahlen wegen der Delta-Varianten zwar an, allerdings in einem Ausmaß, das weit entfernt davon ist, wo wir vor einigen Monaten waren. Natürlich ist England beim Impfen ein bisschen weiter als wir, aber die Hospitalisierungskurve ist absolut flach geblieben. Und darum geht es doch wohl.

Woher glauben Sie kommt dann die Diskussion darüber?

Der Bund und die Regierung sind absolut dafür, dass wir das Frequency-Festival spielen. Es gibt klare Richtlinien, wie wir es spielen können und die werden wir einhalten. Jetzt haben aber lokale Behörden dieses Thema aufgegriffen und sagen, die Vorgaben vom Bund sind gut und schön, aber wir schauen uns das jetzt gesondert an. Wir legen euch vielleicht PCR-Tests auf, was gerade im Raum steht, was wir natürlich auch noch in Kauf nehmen. Aber dann kann man das Sicherheitsnetz nicht mehr enger spannen.

Wird darüber nachgedacht, auch die Geimpften noch einmal einem PCR-Test zu unterziehen?

Nein, nicht die Geimpften. Es geht um jene, die getestet werden sollen. Die sollen - um auf 100% Sicherheit zu kommen - PCR-getestet werden. Aber dieses Gerede, die 50.000 Besucher tauschen sich jeden Tag komplett aus und stecken in St. Pölten die ganze Gegend an, ist Unsinn. Wir haben nur ein paar Hundert Tageskarten für jeden Tag verkauft, 98% der Besucher sind die ganze Zeit dort und bleiben am Gelände. Das ist Panikmache, die an den Haaren herbeigezogen ist. Da geht es darum, das Festival doch noch abzublasen, und das akzeptiere ich nicht. Wir wollen es spielen. Wir werden es definitiv nicht absagen, das muss jemand anderer tun. Und diese Entscheidung zu treffen, wird aufgrund der öffentlichen Wirkung auf die Jugend fatal sein. Denn die Jungen werden sich dann wirklich einmal unverstanden fühlen, denn sie werden als die Bösen abgetan, die das Virus verbreiten. Und es wird sich auch fatal auf diese Angst und Unsicherheit auswirken, über die wir eingangs gesprochen haben.

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