In Wien geboren, in Afrika aufgewachsen: Die 25-Jährige will politische und sozialkritische Filme machen

© Elena Zaucke

Interview
10/26/2021

Valerie Huber: "In letzter Zeit war ich nicht oft stolz auf unser Land"

Valerie Huber spielt erstmals in einem österreichischen Kinofilm. Ihre künstlerische und private Heimat ist derzeit aber Deutschland.

von Peter Temel

Valerie Huber ist Kinofans hierzulande noch nicht so bekannt. Sie war bisher vor allem in deutschen Fernsehserien zu sehen, unter anderem in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung. Für Til Schweiger spielte sie in "Head full of Honey", dem US-Remake von "Honig im Kopf". 

Die USA spielten eine wichtige Rolle in ihrem Lebenslauf. Im Alter von zwölf Jahren übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Washington, D.C. Nach vier Jahren in den Vereinigten Staaten kehrte sie nach Österreich zurück, wo sie 2017 die Schauspielschule Krauss abschloss.

Ihre ersten sieben Lebensjahre verbrachte sie aber in Uganda und der Elfenbeinküste, wo ihr Vater in der Entwicklungszusammenarbeit arbeitete. Derzeit lebt und arbeitet Huber, die ein Zeit lang auch modelte, in Berlin. Mit "Klammer - Chasing the Line" hat die 25-Jährige nun ihren ersten großen Auftritt in einem heimischen Kinofilm.

KURIER: Sie haben viel Zeit im Ausland verbracht. Was haben Sie vorher über die Geschichte des Franz Klammer gewusst?

Valerie Huber: Ich bin ja ein bisserl zu jung, um dieses legendäre Ereignis miterlebt zu haben. Meine Eltern sind jedoch sehr skiaffin, ich hab als Kind wirklich kein Skirennen im Fernsehen verpasst. Später bin ich dann selber Skirennen gefahren und Skilehrerin geworden, daher ist Franz Klammer natürlich ein Riesenbegriff für mich. Als ich das erste Mal in meinem amerikanischen Skiteam mittrainiert habe, war die erste Bemerkung: "Oh my God, du kommst aus Österreich? Das ist das Land von Franz Klammer!" Er ist sicher einer der größten Stars, den wir international haben.

Sie sind Skilehrerin, obwohl in Afrika aufgewachsen?

Ja, wir waren zu Weihnachten immer in der Steiermark, bei der Oma und sind dann auch Ski gefahren. Mein Papa war Skilehrer, das ist dann naheliegend. (lacht) Aktiv habe ich’s dann zwei Mal gemacht, weil es wirklich anstrengend ist mit den kleinen Gschrappn. Wenn du das erste Mal dreizehn 5-Jährige Kinder zum Skikurs bekommst, puh, ned lustig. (lacht)

Sie spielen im Film Eva Klammer, die im Gegensatz zu Ihnen damals gar nicht skiaffin war.

Genau das muss das Schöne an ihrem Kennenlernen gewesen sein, dass Eva kein „Fan“ war. Er war ja damals ein Rockstar wie Mick Jagger in Österreich. Und sie hatte noch nie etwas von ihm gehört! (lacht) Sie haben sich in Tunesien kennengelernt; er war dort im Trainingslager, sie war auf Urlaub. Und sie so: Was machst du? Und er so: Na ich tu’ Skifahren. Sie: Hast scho mal gewonnen? Er so: Jo, ein paar Sachen...Ungefähr so ist es glaube ich gelaufen, aber da fragen sie lieber Eva. (lacht) Ich glaube, sich auf so einer Ebene zu begegnen, war essenziell für die Beziehung. Dass man den anderen nicht auf ein Podest stellt, sondern den Menschen dahinter kennen und lieben lernt. Was für eine Liebesgeschichte, heute sind sie über vierzig Jahre zusammen - beneidenswert!

Im Film wurden ein paar Dinge dazuerfunden, etwa, dass Eva Klammer ihrem "Franzi" nach Innsbruck nachreist ...

Natürlich wurden für den Film ein paar Ereignisse dramatisiert, das ist halt Film. Was aber schon stimmt. ist, dass sie während dieser fünf Tage wirklich jeden Tag telefoniert haben und es ihm während dieser turbulenten Zeit Kraft und Mut geschenkt hat, das hat Franz immer betont

Wie wollten Sie die Eva Klammer spielen?

Es war wichtig für mich, niemanden nachzuahmen, ich finde, das kann auch daneben gehen. Ich denke, es ist wichtig die Grundessenz eines Menschen einzufangen. Andreas Schmied wollte eine bodenständige, sympathische Eva, genauso wie sie eben ist. Und das haben wir dann versucht umzusetzen. 

Bei Franz Klammer ist das wahrscheinlich schwieriger, weil man ihn so gut kennt …

Julian hat das wirklich super gemacht, auch mit dem typischen Franz-Klammer-Lacher, den er immer wieder eingebaut hat, das ist echt unverkennbar er. 

Das ist Ihr erster Film, der sich mit Österreich beschäftigt. Sehen Sie das als Schritt, hier mehr zu machen oder eher der Sprung noch mehr ins Internationale?

Ich habe mich total gefreut, mal so ein schönes Projekt in Österreich zu machen, weil ich die letzten Jahre eher in Deutschland gearbeitet habe. So ein Projekt kommt nicht oft um die Ecke. Umso schöner ist es nun, eine Geschichte zu erzählen, auf die viele Österreicherinnen und Österreicher heute noch stolz sind. Besonders, weil ich die letzten Jahre nicht sehr oft stolz auf unser Land sein konnte, wenn man sich die politische Lage ansieht. Klar möchte ich auch international arbeiten, aber ich fühle mich am deutschsprachigen Markt sehr gut aufgehoben. Und ich muss sagen, es macht schon mehr Spaß in Österreich. (lacht) Die Leute sind irgendwie entspannter und die Arbeitsatmosphäre ist eine ganz andere. Dieser "Klammer"-Dreh war einfach ein Genuss. 

Die Politik hierzulande scheint Ihnen aber keinen Spaß zu bereiten.

Was die letzten Monate und Jahre in Österreich abging, ist ein Wahnsinn! In Österreich kann man sich scheinbar alles erlauben, wenn man seine Leute überall sitzen hat. Nun ist Kurz zurückgetreten, trotzdem bleibt alles gleich. Es ändert sich nichts. Es macht mich so wütend zu sehen, wie machtgierig und anstandslos ein Land regiert wird, ohne das irgendjemand etwas dagegen tun kann. Die Grünen sind für mich momentan um kein Stück besser; wie kann eine Partei ihre Werte und Moral einfach über Bord werfen, nur um an der Macht zu bleiben? Das ist feige und rückgratlos.

Hat man die österreichische Politik in Deutschland sehr stark mitbekommen?

Ja, alle Deutschen sprechen mich darauf an: Boah, was ist denn bei euch da grad los mit Kurz? Und das haben die alle nicht gewusst vorher, nur durch dieses Böhmermann-Video haben die meisten gesehen, was da gerade alles passiert. Wahnsinn!

Wie wichtig ist Ihnen Politik?

Ich finde, man kann heutzutage nur politisch sein. Diejenigen, die zum Beispiel keine Meinung zu dem Thema haben, ob hundert geflüchtete Kinder aufgenommen werden sollen, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Die politische Lage ist so prekär, dass wirklich schnell drastische Veränderungen vernommen werden müssten. Da muss man auch an die Wählerschaft appellieren und sich für eine weltoffene, humane Politik einzusetzen, die gegen Hetze und Ausgrenzung ist und für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Humanität einsteht. 

Sie sind in Uganda aufgewachsen. Inwieweit hat Sie das geprägt?

Ich denke, in Afrika aufzuwachsen kann einen nur prägen. Den Unterschied zur westlichen Welt zu sehen, war natürlich mehr als ein Kulturschock. Ich habe schon sehr früh mitbekommen, dass es eine Schere zwischen Arm und Reich gibt und, dass diese immer weiter auseinandergeht, weil sich ein paar wenige auf Kosten ganz vieler bereichern. Die Bekämpfung von Armut, Hunger und sozialer Ungerechtigkeit, ist ein Thema, das mir natürlich im Kopf herumschwirrt. Ich versuche die Geschehnisse in Afrika so gut es geht zu verfolgen, die Frage ist aber wieviel wir durch die heimischen Medien überhaupt mitbekommen können. 

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Als nächstes kommt die Netflix-Serie „Kitz“. Es ist eine deutsche Produktion, aber es geht um Kitzbühel. Die Deutschen nehmen Kitzbühel ja gern unter ihre Fittiche.

Können Sie Ihre Rolle in „Kitz“ beschreiben? 

Es geht um eine High-Society-Clique aus München, die in Kitzbühel Silvester feiert. Meine Figur ist die Anführerin der Gruppe, eine Influencerin, aber auch eine toughe Businessfrau, die nach außen hin alles hat, aber deren Fassade schnell zu bröckeln beginnt. Es ist ein eher untypisches Format für den deutschsprachigen Raum; eine amerikanisch angehauchte, glossy Serie rund um Glitz und Glamour, Party, Konflikt, Abhängigkeit, Exzess gepaart mit Mystery und Thriller.

Sie haben auch Rosamunde Pilcher gemacht. In welche Richtung würden Sie am liebsten gehen? 

Natürlich möchte man irgendwann mal tiefgründige, komplexe Charakterrollen spielen, bei denen es nicht um Äußerlichkeiten geht, sondern um Können. Ich möchte sozialkritische Filme machen, ich möchte politische Filme machen. Vielleicht auch einmal ein Actionformat, weil ich auch Kampfsport mache. Etwas im Stil von „Kill Bill“ würde mich schon reizen, bei dem eine starke Frauenfigur im Mittelpunkt steht. 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.