Umjubelter Auftakt für ImPulsTanz

Ausdruck im Halbdunkel: Im Zentrum stehen die Körper
Foto: Impulstanz

Mit "New Work by Édouard Lock" sorgte das kanadische Kultensemble La La La Human Steps für einen virtuosen Auftakt des ImPulsTanz-Festivals.

Dynamisch, virtuos, schaurig-schön: Mit "New Work by Édouard Lock" sorgte Locks kanadisches Kultensemble La La La Human Steps im Volkstheater für den Auftakt des diesjährigen ImPulsTanz-Festivals. Ein viel versprechender Beginn mit einer von ImPulsTanz koproduzierten Choreografie, die im Jänner 2011 in Amsterdam uraufgeführt wurde und zum Besten zählt, das zeitgenössisches Ballett vermitteln kann.

Rasant

Die Akrobatik und die legendären Sprünge in Locks spektakulärer Bewegungssprache treten diesmal in den Hintergrund. Viele rasante, auf klassischem Ballett basierende Schritte mit Bodenhaftung und ungewöhnliche Verbindungen von Hand- und Armbewegungen sind dafür neu.

Als Inspiration dienten ihm Opern mit tragischen Schicksalen: Henri Purcells "Dido and Aeneas" und "Orpheus und Eurydike" von Christoph Willibald Gluck. Doch Lock buchstabiert keine Geschichten im Tanz. Er ist ein Meister der bewusst kalkulierten Interpretation von Zuständen, Begegnungen und vor allem von Vergänglichkeit. Diese tritt besonders deutlich in Filmeinspielungen von jungen Tänzerinnen und einer älteren Kollegin hervor, die sich durch schlichte Gesten und Ruhe deutlich vom schier unglaublichen tänzerischen Tempo in choreografierten Endlosschleifen abheben.

Bis auf diese kurzen Sequenzen im neunzigminütigen Stück liegt der Ausdruck in den Körpern der athletischen Tänzerinnen und Tänzer, nicht in ihren Gesichtern und Gefühlen. Sie bleiben in raffinierten, stets wandelbaren Lichtkegeln und eleganten Kostümen von Liz Vandal im Halbdunkel.

Wesentlichen Anteil an Locks Gesamtkunstwerk hat die live gespielte Musik, nach Vorbild Glucks und Purcells von Gavin Bryars und Blake Hargreaves komponiert. Das Zusammenspiel von Klavier unter Njo Kong Kie als musikalischem Leiter mit Violoncello, Violine, Saxofon und Tanz gerät nahezu perfekt.

Jubel

Auch eine Wiener Tänzerin ist am viel umjubelten Erfolg beteiligt. Sandra Mühlbauer, Absolventin des Konservatoriums, ist seit 2010 bei La La La Human Steps engagiert: die nächste Stufe einer ungewöhnlichen Karriere vom Staatsopernballett über das Slowakische Nationaltheater (als Solistin) und als Bluebell Girl am Pariser Lido.


KURIER-Wertung: ***** von *****

Mehr zum Thema

(KURIER / Silvia Kargl) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?