┬ę APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN

Kultur

Ukraine-Benefiz mit Currentzis im Wiener Konzerthaus abgesagt

Der Abend war wegen des Engagements des griechisch-russischen Stardirigenten umstritten.

04/11/2022, 02:53 PM

Das f├╝r den morgigen Dienstag geplante Benefizkonzert f├╝r die Menschen in der Ukraine unter dem griechisch-russischen Stardirigenten Teodor Currentzis mit seinem musicAeterna-Orchester im Wiener Konzerthaus ist abgesagt. Das Konzerthaus komme damit einem Wunsch des ukrainischen Botschafters in ├ľsterreich nach. Der Abend war nicht unumstritten, wird das in St. Petersburg beheimatete Ensemble doch von der russischen VTB-Bank finanziert, die von den Sanktionen betroffen ist.

Naske: "D├╝rfen politische Dimension nicht ignorieren"

Die Wiener Konzerthausgesellschaft bedauere die Absage, komme damit aber dem Wunsch des Diplomaten nach, "bei Benefizkonzerten zugunsten der Ukraine von der Involvierung russischer K├╝nstlerinnen und K├╝nstler abzusehen", wie Wassyl Chymynez am Freitag erkl├Ąrte. "Das Wiener Konzerthaus darf die politische Dimension des Auftritts eines in St. Petersburg beheimateten Orchesters in der Zeit des durch den Angriffskrieg der Russischen F├Âderation gegen die Ukraine verursachten unermesslichen Leids nicht ignorieren. Wir verstehen und teilen die Verzweiflung ├╝ber die Kriegsverbrechen in der Ukraine und verurteilen diese Aggression ohne Einschr├Ąnkung", so der Intendant des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske, am Montag in dem der APA vorliegenden Statement zur nunmehrigen Absage.

F├╝r das Konzerthaus habe bei dem Benefizkonzert "die humanit├Ąre Hilfe f├╝r die Menschen in der Ukraine und auf der Flucht im Vordergrund" gestanden: "Unsere Intention war es gemeinsam mit den Musiker:innen aus Russland, der Ukraine und anderen L├Ąndern der Welt durch die Kraft der Musik zum Ausdruck zu bringen, dass Kunst und Musik ├╝ber Grenzen hinweg eine wichtige verbindende Rolle spielen k├Ânnen." Nun habe der Vorstand der Konzerthausgesellschaft beschlossen, "den Verkauf f├╝r die Konzerte mit der Beteiligung von musicAeterna f├╝r die Saison 2022/23 vorl├Ąufig auszusetzen, und zwar solange bis eine unabh├Ąngige Finanzierung des Orchesters gesichert ist".

Rotes Kreuz zog sich zur├╝ck, Caritas sprang ein

Die morgige Veranstaltung h├Ątte unter dem Titel "Ein Zeichen f├╝r Hoffnung und Frieden" im Gro├čen Saal des Konzerthauses zugunsten notleidender Menschen in der Ukraine stattfinden sollen. Schon in den vergangenen Tagen hatte es Diskussionen um den Abend gegeben. So hatte sich die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung IFRC als urspr├╝nglich vorgesehener Kooperationspartner zur├╝ckgezogen und das gegen├╝ber dem deutschen Klassikmagazin "Crescendo" damit begr├╝ndet, dass man nicht in ein als politisch zu interpretierendes Umfeld geraten wolle. Das Konzerthaus hatte dann Ende der vergangenen Woche die Caritas als neuen Partner gefunden. Bis zu dem Zeitpunkt wurden bereits mehr als 50.000 Euro durch den Kartenverkauf lukriert.

Currentzis ist abseits des Ukraine-Abends noch heute Abend in seiner Funktion als Leiter der musicAeterna im Konzerthaus zu sehen. Das Benefizkonzert und die anderen Abende mit dem Stardirigenten hatte Naske am Freitag gegen├╝ber der APA verteidigt. "Ich glaube daran, dass Menschen durch Musik verbunden werden k├Ânnen. Aber dass die politischen Dimensionen f├╝r alle Beteiligten heikel sind, ist mir klar", so der Konzerthaus-Chef.

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