© Peter Bienkowski

Literatur
09/20/2019

Überall beste Kritiken für den Roman "Auf Erden sind wir kurz grandios"

Der amerikanisch-vietnamesische Schriftsteller Ocean Vuong hat Erinnerungen, die sind wie Wrackteile in der Flut.

von Peter Pisa

Auf Erden sind wir kurz grandios??? Wann denn?

Wenn man Kind ist, ein kleines Kind, und sich durch nichts verändern lässt, ganz kurze Zeit geht das.

Danach kommt der Durchschnitt.

Der amerikanisch-vietnamesische Schriftsteller Ocean Vuong - Foto oben - schreibt, dass ein Sohn schreibt.

Ein Sohn schreibt seiner Mutter einen Brief.

Sie kann nicht lesen. Das macht aber nichts. Sie ist zu müde, um es noch zu lernen, doch glaubt sie an Wiedergeburt, und dann könnte es doch durchaus sei, dass sie ein Mädchen ist in einem Zimmer mit vielen Büchern.

Die Mutter ist Analphabetin. Als sie mit ihrem damals zweijährigem Sohn von den Reisfeldern nach Amerika kam, 7700 Kilometer weit nach Michigan in die Provinz, wurde ihr die Sprache auch noch genommen.

Sie konnte sich nicht verständlich machen.

Maden

Bún bò Huê wollte sie kochen.

Im Supermarkt verstand niemand. dass sie Ochsenschlepp benötigte.

Sie spielte eine Kuh, ihr Zeigefinger war der Schwanz. Alle lachten. Lachten sie aus. Daheim gab es deshalb Reis, über den Jasmintee gegossen wurde. „Jedes Reiskorn, das du übrig lässt, ist eine Made, die du in der Hölle isst.“

„Auf Erden sind wir kurz grandios“ ist ein Bestseller aus den USA, der auch in Europa beste Kritiken erntet.

Ocean Vuong, 30, ist Lyriker. Man sieht gern darüber hinweg, dass sich – selten, aber doch – Sätze aufplustern („Sein Mund eine klaffende Wunde der Jugend“)

Kindheitserinnerungen gibt es in Hülle und Fülle, Dieses Buch eines Migranten mit so viel Zärtlichkeiten und viel Gewalt ist einmalig und keine erwartbare Abrechnung mit „Daheim“, obwohl: Mutter schlug ihren Buben oft – wie sie es in Vietnam selbst hatte ertragen müssen. Danach flehte sie den Kleinen an: „Schaff den Schnee aus meinem Leben – schaff alles aus meinem Leben.“

Der Vietnamkrieg ist ihr Trauma. Humor hilft kurz.

In Amerika arbeitete Mutter in einem Nagelstudio. Ihre Hände wurden durch die Chemikalien entstellt. Der Sohn schreibt: „Ich hasse und liebe deine misshandelten Hände dafür, was sie nie sein können.“

Die Erinnerungen gehen schön durcheinander – an Großmutter, Großvater ... an den drogensüchtigen Freund, den der Sohn liebt, er ist schwul (Mutter: „Ich muss mich übergeben“). Sie sind Teile eines in der Erinnerungsflut zerbrochenen Schiffes. Lebendige, lesbare Wrackteile.


Ocean Vuong:
„Auf Erden sind wir kurz
grandios“
Übersetzt von
Anne-Kristin
Mittag.
Hanser Verlag.
240 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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