Kultur
23.01.2012

TV-Tipp: "Die Lehrerin"

Ein Schuss. Und eine Schule im Schockzustand. Das zeigen Drehbuchautorin Laila Stieler und Regisseur Tim Trageser in ihrem Film "Die Lehrerin" (20.15, ZDF).

Ein besonderes Stück Fernsehen ist den beiden da gelungen. Nicht weinerlich, nicht melodramatisch, sondern einfach und ehrlich erzählen die beiden von einem Amoklauf in einem Gymnasium. Die Perspektive des Täters klammern sie dabei völlig aus. Geschildert wird, was eine solche Wahnsinnstat bei Mitschülern, Eltern und Lehrern auslöst. Angst und Aggression. Mobbing und Mutlosigkeit. Anna Loos spielt die Chemie- und Biologielehrerin Andrea Liebnitz, die mit der flockig-lockeren Deutschlehrerin Katja die Klassen tauscht – weshalb statt ihr die andere die Kugel abbekommt und im Koma liegt.

Großartig sind die traumhaften Szenen im Spital, in denen sich Loos ihr Trauma von der Seele redet und „Katja“ Meret Becker sich (nur in ihrer Vorstellung) im Bett aufsetzt, um der Freundin mit Rat zur Seite zu stehen. Rückblenden erzählen, wie die alternative Pädagogin die strenge Naturwissenschaftlerin für „modernen“ Unterricht fit machen will. „Wie der Film auf alles Reißerische verzichtet, es wagt, leise und auch langsam zu bleiben, ist bemerkenswert“, sagt Anna Loos, die mit Ehemann Jan Josef Liefers zwei Töchter hat.

Leidenschaft

„Wenn ich meine eine aus der Schule oder die andere vom Kindergarten abhole, denke ich immer: ,Wahnsinn, was für eine Lautstärke, was für eine Verantwortung‘“, so Loos. „Lehrer zu sein ist hart und erfordert ein unfassbares Maß an Leidenschaft.“
Die kommt ihrer Figur Andrea logischerweise abhanden. Axel Prahl als Psychotherapeut kümmert sich um die angeschlagenen Seelen an der Schule. Die Schüler spielen sich sozusagen selbst. Sie sind vom Berliner Babelsberger Filmgymnasium. „Die Kids waren toll“, so Loos. „Interessiert an Film vor und hinter der Kamera, aufmerksam und ehrgeizig.“ So wie das ganze Projekt. Unbedingt sehenswert!