Kultur
18.03.2012

TV-Drama: Stunde null des Terrorismus

"München 72 – Das Attentat" (Montag, 20.15, ZDF) schildert den Anschlag auf die Olympischen Spiele erstmals aus deutscher Sicht.

Es sollten die "heiteren Spiele", die "Friedensspiele" werden. Statt dessen gab es ein Blutbad: Elf ermordete israelische Sportler, fünf erschossene palästinensische Terroristen, ein toter deutscher Polizist.

Die Olympischen Spiele 1972 in München können als die Stunde null des internationalen Terrorismus angesehen werden. Das sanfte Sicherheitskonzept, auf das Politik und Polizei setzten, wurde von der Zelle "Schwarzer September" überrollt.

Sie drang im Olympischen Dorf ins israelische Quartier ein, nahm die Sportler als Geiseln und forderte für deren Freilassung die Enthaftung von 130 Kampfgenossen (darunter RAF-Mitglieder) aus deutschen und israelischen Gefängnissen.

Israelischer Regisseur

Fürs Kino stellte Steven Spielberg die Ereignisse in seinem Film "München" nach. Das ZDF holte sich den in Tel Aviv geborenen Regisseur Dror Zahavi für seine Fassung. Er schildert das Drama fast ausschließlich aus der deutschen Perspektive.

"Eine andere Geschichte hätte ich auch nicht erzählen wollen. Für mich als Israeli ist das Thema besonders wichtig, aber auch heikel", so Zahavi. "Ich kann mich noch genau an den Überfall erinnern, kann die Emotionen, die das Ereignis damals in Israel auslöste, noch spüren. Ich wollte auf keinen Fall einen Film drehen, der neuen Hass zwischen Israelis und Palästinensern schürt. Wir haben deshalb versucht, die Ereignisse von München so sachlich wie möglich zu schildern."

Dass sein Film durch diese Vorgehensweise mitunter mehr an eine Doku erinnert, nahm Zahavi in Kauf. Authentizität ist ihm wichtig. Weshalb auch die Israelis von israelischen (außer dem Schweizer Pasquale Aleardi, der Fechttrainer André Spitzer spielt) und die Palästinenser von palästinensischen Schauspielern dargestellt werden.

Eine Menge Untertitel

Da mit den Verhandlern außerdem Englisch gesprochen wird, gibt’s eine Menge Untertitel zu lesen. Eine gewagte Idee für ein Fernsehprojekt.

Aufseiten der Deutschen sind Stephan Grossmann als Innenminister Hans-Dietrich Genscher, Benjamin Sadler als späterer Gründer der Antiterrortruppe GSG9 General Ulrich K. Wegener und Heino Ferch als Münchner Polizeipräsident zu sehen. Vor allem dessen Hilflosigkeit und letztliches Versagen bei dieser damals völlig neuen Art von Anschlag steht im Mittelpunkt der Story.

Der echte Verantwortliche, Vorlage für Ferchs Figur, schaltete sogar die Justiz ein, um im Film nicht mit richtigem Namen vorzukommen.

Hat Ferch Erinnerungen an die Geschehnisse von ’72? "Obwohl ich noch ein Kind war, sind mir viele Bilder im Gedächtnis geblieben. Zu allererst muss ich an Joachim Fuchsberger denken, der Stadionsprecher war. Dann erinnere ich mich an Sportler wie Ulrike Meyfarth, Mark Spitz mit seinem Schnauzbart oder Olga Korbut, eine russische Kunstturnerin. Aber natürlich hat sich mir auch das Bild des maskierten Terroristen mit der Waffe auf dem Balkon eingebrannt."

All das zeigt Zahavi auch auf Originalaufnahmen. Der Mix aus Fakt und Fiktion macht den Film beklemmend und noch eindrücklicher.