Hat sich Husslein-Arco ihr eigenes Grab geschaufelt?

Agnes Husslein
Foto: KURIER/Franz Gruber Agnes Husslein-Arco, Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien.

Vorwürfe gegen Agnes Husslein-Arco, Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien.

Ihr Tratsch-Partner hat Post aus dem Belvedere bekommen. Ein gewisser Hansi Le Chiffre mit der einfallsreichen Adresse [email protected] schreibt im Namen einer "Gruppe von Mitarbeitern", die sich die "beinharte Personalpolitik" von Direktorin Agnes Husslein-Arco, kurz AHA, nicht länger gefallen lassen wollen. Sie haben über die Jahre Verfehlungen zusammengetragen – und sehen nun ein "dringliches Bedürfnis der Aufklärung". Warum dies in der Öffentlichkeit passieren muss, ist Ihrem Tratsch-Partner nicht ganz einsichtig. Denn die Reputation von AHA leidet, auch wenn sich die Vorwürfe als haltlos herausstellen sollten.

Aber Hans Wehsely, der Kuratoriumsvorsitzende, ließ vor einer Woche eine kryptisch formulierte Presseaussendung veröffentlichen: Der Geschäftsführung würde vorgeworfen, gegen die Compliance-Richtlinien des Museums verstoßen zu haben, es werde eine hochnotpeinliche Prüfung geben.

Da nun die irrsten Geschichten die Runde machen (die Vorgeschichte zum Nachlesen gibt es hier), ist es an der Zeit manches klarzustellen. Gleich vorweg: Ihr Tratsch-Partner ist mit AHA weder verwandt noch verschwägert, er hat außer Katalogen nie ein Geschenk bekommen – und er stellt bei Pressekonferenzen blöde Fragen, über die sich die Frau Direktor ärgern muss.

Ein Vorwurf lautet "Werkstattfahrten des Privatwagens seitens mehrerer Mitarbeiter". Das stimmt. Allerdings verzichtete AHA neun Jahre lang auf einen Dienstwagen – und stellte ihr Privatauto ihren Mitarbeitern gratis zur Verfügung.

Auch die Vorwürfe "Reparaturen in Privatwohnungen" und "Botenfahrten für private Zwecke" stimmen. Allerdings schlafen Gäste des Belvederes kostenlos bei den Hussleins; und dort finden auch kleine Feiern statt – zuletzt für Oswald Oberhuber, der gerade im 21er Haus mit einer Retrospektive gewürdigt wird. Und wenn es bei einer Veranstaltung im Belvedere zu wenig Sessel gibt, dann lässt Husslein eben welche holen – von sich zu Hause.

Es ist zudem richtig, dass es "IT-Dienstleistungen in Privatwohnung" gab. Allerdings arbeitet AHA so gut wie immer – auch im Urlaub am Wörthersee. Sie versuchte, Zugang zum Belvedere-Server zu bekommen, scheiterte aber – wie auch der lokale IT-Spezialist. Und dann musste der Fachmann aus dem Belvedere "antanzen" ...

Amüsant ist die "Grabsteinaufstellung seitens Haustechnik-Team für privates Familiengrab der Direktorin". Vizedirektor Alfred Weidinger hatte sich der Sache angenommen – als Freundschaftsdienst. Geht es doch um den Maler Herbert Boeckl. Tatsächlich war ein Mitarbeiter involviert, er habe seine Leistung aber in der Freizeit erbracht. Ob sich Husslein damit ihr eigenes Grab geschaufelt hat? Wohl kaum.

Jüngst tauchte noch ein Vorwurf auf: AHA würde gerne die neue Behindertenrampe abreißen lassen. Es stimmt, in der ersten Reaktion schrie sie gellend: "Die muss weg!" Denn die Rampe ist im Vergleich zur alten riesig lang – und aus nagelneu poliertem Naturstein. Passt so gar nicht in die barocke Sala terrena. Aber nun wurde die Rampe "patiniert", sie fällt nicht mehr so auf – und bleibt.

Hintergrund der Intrige gegen AHA: Prokuristin Ulrike Gruber rechnete sich große Chancen aus, zur Geschäftsführerin bestellt zu werden; gerüchteweise wurde aber Stefan Charles, derzeit am Kunstmuseum Basel tätig, auserkoren.

Beim Sommerfest im 21er Haus (21. Juni ab 16 Uhr) wird man viel zu tratschen haben!

(kurier) Erstellt am
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