17th International Theater Poster Biennale

© EPA / Darek Delmanowicz

Trenklers Tratsch
10/28/2020

"Eine spezielle Auswertung zu Clustern im Kulturbereich gibt es nicht"

Dient der monströse Aufwand mit den personalisierten Karten nur dazu, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit vorzugaukeln?

von Thomas Trenkler

Caroline Peters, fulminante Medea im Burgtheater, veröffentlichte auf Instagram eine Balkengrafik. Was diese genau darstellt, ist nicht klar. Vielleicht die Zahl der Cluster? In Deutschland? Aber die Grafik ist zumindest eindrucksvoll: An erster Stelle steht der „eigene Haushalt“ mit der Zahl 128. Auf den Plätzen folgen „im Haushalt von Freunden / Familie“ (39), „Arbeitsplatz“ sowie „Club / Bar“ (je 25).

Das Schlusslicht bildet die Kategorie „Kino / Theater / Konzert“: als einzige mit der Zahl 0. Die Schlussfolgerung von Peters liegt auf der Hand: „Bleiben Sie im Theater! Zu Hause ist es zu gefährlich.“

Die Argumente liegen auf der Hand: Es gibt ausgefeilteste Sicherheitskonzepte, reduzierte Saalbelegungen, Hygienemaßnahmen ohne Ende. Und die Mitarbeiter – zumindest in den großen Häusern – werden kontinuierlich getestet. Jeder Theaterdirektor beteuert, dass die Gefahr, sich während einer Vorstellung anzustecken, minimal sei. Beziehungsweise: Dass sie gar nicht existiere. Es gab zwar den „Operettencluster“, der von der Wiener Musik und Kunst Privatuniversität hinter oder auf der Bühne ausgelöst wurde; aber bisher sei kein einziger Fall einer Infektion im Zuschauersaal bekannt. Das klingt doch gut.

Ihr Tratschpartner wollte es aber genauer wissen. Am 16. Oktober fragte ich beim Pressemanagement der AGES an, ob es, eben abgesehen vom MUK, noch weitere Cluster im Kulturbereich gegeben habe. Erst auf nochmaliges Nachfragen (am 20. Oktober) erhielt ich die lapidare Antwort: „Eine spezielle Auswertung zu Clustern im Kulturbereich gibt es nicht.“ Ich war ein wenig erstaunt. Es könnte also, so meine Schlussfolgerung, durchaus Cluster im Kulturbereich geben; es gibt halt nur keine Auswertung.

Ich fragte nochmals nach. Die AGES empfahl mir, „direkt mit den Contact Tracern der Stadt Wien Kontakt aufzunehmen“. Ansprechpartner bei Medienanfragen sei die Person XY im Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Ich befolgte den Rat.

Parallel dazu wandte ich mich an mehrere Veranstalter. Wenn eine positiv getestete Person gegenüber den Gesundheitsbehörden angegeben hätte, im Theater gewesen zu sein, dann hätte dieses aufgrund der personalisierten Tickets alle Personen nennen können, die im Umkreis saßen. Doch egal, wo ich anrief: Die Antwort lautete, dass die Contact Tracer der Stadt Wien nie Kontaktdaten erbeten hätten. Man sehe daher, wie sicher die Theater seien.

Aber allein die Staatsoper hatte seit Saisonbeginn an die 50.000 Besucher. Und es ist, zumindest für mich, kaum vorstellbar, dass infektiöse Personen überall sind – allerdings nie im Theater (was natürlich sehr schön wäre).

Meine am 22. Oktober übermittelten Fragen an Hackers Büro lauteten: „Haben die Contact Tracer Informationen erhalten, dass eine infizierte Person zum Beispiel ein Theater- oder Opernhaus besucht hat? Und wenn ja: Wurde in der betreffenden Veranstaltungsstätte der Covid-Beauftragte kontaktiert, damit die Personen, die rund um die infizierte Person saßen, informiert werden? Und wenn ja: Wie oft ist das vorgekommen? Und in welchen Veranstaltungsstätten?“

Eine Antwort blieb bis dato aus. Und so bleibt es dabei, was die APA berichtete: „Größere von Kulturevents ausgehende Cluster sind der Staatssekretärin vorerst nicht bekannt.“ Übrigens auch kleinere nicht. Mithin frage ich auch Sie: Dient der mönströse Aufwand nur dazu, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit vorzugaukeln? Oder sind die Tracer einfach überfordert?

thomas.trenkler

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