Kultur
09.04.2017

Tini in Wien: Disney-Star wird Popprinzessin

Martina Stoessel wurde als "Violetta" berühmt und spielte nun als Tini in Wien.

Es sind die unsichersten und dunkelsten Momente für uns Klatschspaltenleser, wenn es einen ehemaligen Kinderstar aus dem Disney-Channel beim Erwachsenwerden aus der Kurve haut.

So hat etwa Hannah Montana irgendwann die Kontrolle über Zunge, Körperbewegungen und Kleidungsauswahl verloren und war plötzlich Miley Cyrus.

Über Britney Spears wollen wir jetzt gar nicht reden.

Mit großer Sorge also könnte man derzeit den Blick nach Südamerika wenden, aber hurra – "Violetta", dortige Ausformung des Kinderserien-Superstars, hat sich beim Überschreiten der 20-Jahr-Grenze lediglich in Tini verwandelt, eine supersaubere Popsängerin, die zu allgemein verträglichen Songs Textvorschläge für das Stammbuch singt.

Was hat sie als Serien-Violetta nicht alles erlebt, heimliche Tanzkarriere, Vatersorge, Buben, zwischen denen sie sich nicht entscheiden konnte, Sie kennen das.

Jetzt aber kommt, mit dem ersten eigenen Album im Gepäck, die Popkarriere für Martina "Tini" Stoessel; und das ist eine Kennenlernsituation für alle Beteiligten: Tini erstmals als sie selbst auf der Wiener Bühne (als Violetta war sie schon da). Und im Publikum viele ganz junge und fast ausschließlich weibliche Fans der Serie, die gerade den Schritt vom "Frozen"-Mitsingen zum Interesse am Konzertbesuch vollziehen; also erstmals in der ganz großen Gruppe gemeinsam einen Star ankreischen.

Das ist gut für Tini – die spielte am Sonntag zwei Mal in der Stadthalle, vor insgesamt 15.000 Besuchern; gut für die Nachwuchs-Popfans; und vielleicht nur mittelgut für die begleitenden Eltern.

Die Liebe der Kinder in T-Shirt-Form (Glitzer! Auf Rosa!) zu erkaufen kostet hier wohlfeile 35 Euro.

Und es gibt schwierige Fragen zu beantworten.

Papa, warum hat sie nur einen Glitzerbadeanzug an?

Weißt du, Kind, in Südamerika ist es oft heiß.

Papa, warum schaust du so genau hin?

Ich schau nur, dass sie sich nicht verkühlt.

Alles gut

Aber man kann sich beruhigt zurücklehnen. Bei Tini passiert all das, was passieren soll, schon die kleinsten Tini-Fans singen wie selbstverständlich Liedtexte auf Spanisch mit, halten selbst gebastelte Plakate hoch, schwingen ihr Leuchtstäbe oder, die Älteren, schon die Smartphones, wenn es romantisch wird.

Und die ganz Mutigen laufen nach vorne und machen ein Selfie, bevor sie vom Saalpersonal wieder auf ihre Plätze zurückgescheucht werden. Pop ist Revolution.

Tini zeigt Videos von ihren ersten Castings und natürlich aus "Violetta", macht auch ein Selfie mit den Fans und bietet ansonsten eine Popshow, die alles präsentiert, was das Business so kann, mit Licht, lautem Sound und Tanzbewegungen. Man lernt: Schon kleine Kinder klatschen auf eins und drei, nicht zwei und vier. Elternversagen, mal anders.

Papa, warum schaust du so komisch?

Weißt du, nebenan spielt Bonnie Tyler, die war so etwas wie unsere "Tini". Damals sagten wir: Nix ist geiler wie Bonnie Tyler.

Papa! Das heißt "als".