Kultur
26.01.2018

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri": Polizeitrottel auf dem Weg zur Besserung

Frances McDormand und Woody Harrelson in pointenreicher Tragikomödie.

Sieben Oscarnominierungen für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" bestätigen die Karriere eine Films, der einen Triumpfzug bei Kritikern und Publikum feierte. Bis es zum Backlash kam. Vor allem die Figur eines rassistischen Polizisten, der sich zum netten Typen verbessern darf, fuhr Widerspruch ein. Einigkeit herrscht über die Exzellenz des Schauspieler-Ensembles: Frances McDormand spielt furios Mildred Hayes, die Mutter einer ermordeten Teenagerin. Wütend darüber, dass die lokale Polizei keine Fortschritte bei der Verbrechensaufklärung macht, mietet sie drei Anzeigetafeln "Gestorben, während sie vergewaltigt wurde", steht zu lesen, und: "Warum wurde noch niemand verhaftet?" Die Frage richtet sich an den Polizeichef, den Woody Harrelson mit Gusto zum Schillern bringt. Ihn will Mildred zum Handeln zwingen und zieht sich den Hass der Bevölkerung zu.

Keine besonders lustige Ausgangssituation, möchte man meinen, doch der irische Dramatiker und Drehbuchautor Martin McDonagh ("Brügge sehen ... und sterben?") spitzt seine Extrem-Handlung zu scharfen Pointen zu, die er auf das Herz der US-Provinz richtet. Rassismus, Sexismus, Gewalt und Schwulendfeindlichkeit stehen auf seiner Anklageliste.

Der Polizeitrottel – Sam Rockwell in einer Paraderolle – ist beispielsweise berühmt für seine Foltermethoden von Schwarzen, besteht aber auf korrekter Sprechweise: "Es heißt nicht mehr ,Nigger-Torturing‘, sondern ,People-of-Color-Torturing‘".

Oberschlau

Es sind Witze wie diese, mit denen McDonagh leichte Beute im Terrain der Political-Correctness-Satire macht, und man spürt förmlich, wie schlau er sich dabei vorkommt. Auf ihrem Rachefeldzug sticht Mildred dem Zahnarzt im Tarantino-Style mit dem Bohrer durch den Daumen und tritt Teenagern zwischen die Beine. Auch so ein Markenzeichen des Regisseurs, der gerne zwischen Gewalt und Witz changiert, sein Publikum im Wechselbad der Gefühle fesselt und dabei angestrengt die Handlungsfäden zieht.

"Three Billboards" ist über weite Strecken vergnüglich, doch im Grunde interessiert sich McDonagh wenig für gesellschaftliche Verhältnisse, und auch für seine Figuren nur in so weit, als sie ihm Potenzial für effektvolle Gewaltausbrüche oder krasse Komik in bester Sitcom-Manier liefern. Dass sich trotzdem tief empfundene Momente von Schmerz oder Humor einstellen, verdankt der Regisseur seinen Schauspielern, nicht seinem Kalkulierspiel.

INFO: USA/UkK 2017. 115 Min. Von Martin McDonagh. Mit Woody Harrelson, Frances McDormand, Sam Rockwell.

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