Thomas Maurer im Wiener Stadtsaal

© Stadtsaal

Thomas Maurer: Pallawatsch schmähohne
10/15/2013

Thomas Maurer: Pallawatsch schmähohne

Thomas Maurers "Neues Programm" im Stadtsaal: Jubel trotz vieler Schwächen.

von Werner Rosenberger

Es gibt B-Movies – zweitklassige, billig produzierte Filme mit meist niedrigem künstlerischen Anspruch. Jetzt gibt es auch B-Kabarett. Thomas Maurer nennt sein neues Programm sinnigerweise „Neues Programm“. Auch sonst ist der Ideen-Input sehr überschaubar. Ein Durchhänger ist die erste Dreiviertelstunde, die Inhaltsleere offenbar Programm, oszillierend um die Links-Linken, Political Correctness, die Eleganz des englischen Wortes Subwoofer und die Unübersetzbarkeit von Worten wie „Blockbuster“ ins Deutsche: Bunkerknacker?

Wenig elegant auch die Übersetzung von „One Night Stand“: Rauschpudern. Und: „Oasch und Scheiße ist nicht Fuck.“ Damit ist etwa der aktuelle verbale Aktionsradius des Mannes abgesteckt, dem mit „Die neue Selbstständigkeit“ (2003) ein kabarettistischer Geniestreich gelungen ist. Und der mit „Àodìlì“ (2009) und dem Quasi-Best-of„Out of the Dark“(2011) noch durchaus Passables abgeliefert hat.

Viel Leerlauf

Aber diesmal ist der Weg lang bis zur nächsten lauen Pointe. Fuck, um in Maurers Jargon zu bleiben: Diesmal ist ihm der Schmäh schon vor der Pause ausgegangen.

Was Maurer über den Subprime-Pallawatsch, die Ursachen für die Finanzkrise von 2008, die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, das Entlarven großer Teile der internationalen Finanzbranche als kriminelle Vereinigung, die „Trottelgfraster“ und die Kreditkarten-Negeranten erzählt, kann mittlerweile als Allgemeinwissen vorausgesetzt werden. Das lässt nur noch jene, „die von Wirtschaft einen Scheißdreck einer Ahnung haben“, so Maurer, müde lachen. Aber das Thema kommt in jedem Fall um Jahre zu spät ins Kabarett.

Über viel Leerlauf kann auch der selbstironische Einwurf Maurers nicht hinwegtäuschen, er sei mit dem Programm nicht fertig geworden. Man glaubt’s ihm aufs Wort. Und das ist auch keine Pointe.

Schließlich erzählt er Kino im Kabarett, und das ist phasenweise sehr halb lustig, um schließlich Action-Film à la „Rambo 3“ zu spielen im Kabarett – mit viel künstlich produziertem Remmidemmi durch Special Effects.

Zum Kabarettisten fehlt Maurer derzeit die Substanz. Und zum Comedian die Wuchtel-Dichte.

KURIER-Wertung:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.