Kultur
19.11.2017

Thomas Maurer: "Es gibt nicht einmal lautes Nachdenken"

Das neue Solo von Thomas Maurer hat am 14. Dezember im Stadtsaal Wien -Premiere: "Zukunft".

KURIER: Könnte man Ihr Programm "Die neue Selbständigkeit" von 2003 – es wurde mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet – nicht als Remix zur neuen, alten politischen Situation in Österreich wiederbeleben?

Thomas Maurer: Nur ist das Soziotop heute ein anderes. Der Teenager-Glücksritter von damals, der Staatssekretär wird, hätte dann beizeiten in einer Burschenschaft einchecken müssen, so wie es jetzt ausschaut. Eigentlich ist H.C. Strache das letzte verbliebene Haider-Buberl.

Und die Gerichtsverfahren der FP-Funktionäre von damals sind bis heute nicht abgehandelt.

Keineswegs. Es ist auch die Tatsache viel zu wenig reflektiert, dass Strache genau am Höhepunkt der Eurofighter-Geschichte eine GesmbH mit Gernot Rumpold hatte.

Das ist untergegangen.

Wir haben das zwei Mal gebracht in "Wir Staatskünstler" und fanden es lustig, dass das niemand bemerkt hat. Aber wir hatten viel in der Kabarettsendung, wo jetzt in Leitartikeln steht: Wenn man das geahnt hätte …

"Früher konnten die Grünen ihn nicht kontrollieren, heut geht’s Peter Pilz selbst so mit seinen Händen", heißt es in "Zukunft". Wie sehen Sie die aktuelle politische Situation in Österreich?

Also Opposition haben wir in den nächsten fünf Jahren jetzt einmal keine. Es sei denn, Herr Kern findet den Zauberstab und macht aus der SPÖ eine sozialdemokratische Partei. Aber wenigstens ist der Doskozil weg.

Ihr Programm "Zukunft" ...

... ist eine Reaktion auf die Politik der letzten Jahre. Ich habe doch den fundierten Eindruck gewonnen, dass wir an vielen Stellen gleichzeitig vor technologisch-wissenschaftlichen Umwälzungen stehen. Aber in der Politik wird nur darüber geredet, wer welche Flüchtlingsroute wo zusperrt. Wie in Zukunft unser Fetischzustand zur Erwerbsarbeit organisiert sein soll, geschweige denn Gesellschaft, darüber gibt es nicht einmal lautes Nachdenken.

Und was machen all diese neuen Technologien mit uns?

Wir haben uns spätestens mit der Einführung des Smartphones auch psychisch verändert, zumindest jene, die es exzessiv nützen. Es gibt andere Arten, miteinander zu interagieren. Teile, die einmal Allgemeinwissen waren, werden auf den Knopfdruck ausgelagert. Die Welt schickt sich auf vielen Ebenen gerade an, ganz anders zu werden, als wir glauben. Die Reaktionen darauf sind alle eher unbewusst.

Zum Beispiel?

Diese komische Renaissance eines vollkommen fiktiven Trachtenwesens ist eine hochunintelligente Reaktion auf die allgemeine Verunsicherung. Oktoberfest in Wien? Wo samma, dass da alle als Gabalier oder Zabine verkleidet herumlaufen.

Und US-Präsident Trump ...

... ist auch so ein Produkt dieser ganzen Blasenarchitektur in den Social Media.

Die Silicon-Valley-Milliardäre investieren massiv und ernsthaft in die Lebensverlängerung.

Ja, US-Investor Peter Thiel hat überhaupt erklärt, dass er nicht sterben wird. Und in dieses Ziel Lebensverlängerung und Altersprozessumkehrung stecken diese Leute von der Google-Partie unpackbare Summen. Was Science Fiction war, versucht man momentan mit einem hohen Kapital- und Know-how-Einsatz zu realisieren. Elon Musk, PayPal- und Tesla-Gründer, dem auch das private Raumfahrtunternehmen SpaceX gehört, investiert in Richtung Hirn-Maschine-Verschmelzung, und Überleben auf Silicium-Basis.

INFO

Thomas Maurer spielt bereits Vorpremieren von "Zukunft"; Termine auf thomasmaurer.at und stadtsaal.com