The Schlechtest of 2010: Grauen im Kino

Den Kinobesuch bereute man heuer vor allem bei Komödien vom Reißbrett Hollywoods. Auch so manche picksüße Romanze war schwer verdaulich.

2010 servierte uns Jennifer Lopez ihren "Plan B für die Liebe". Hoffentlich belästigt sie uns nicht so bald mit Plan C. Der KURIER teilte die Höchststrafe aus (ein halber Stern von fünf möglichen) und befand: 

"Frauen sind im Kinopublikum extrem in der Überzahl. Darum treiben es schamlose Anbiederungsversuche an diese Garantie-Gruppe für überdurchschnittliche Kinokassen-Einnahmen manchmal schlicht zu weit. Aber bisher kam kaum ein Film so weit ins Verblödete wie "Plan B für die Liebe". [...] Eine alternative Hausgeburt im Gummiplanschbecken, inszeniert als Hexenbeschwörung, Horrortrip und Weiberfastnacht markiert nur einen von etlichen Tiefstpunkten dieser Spottversion einer Beziehungskomödie." (RJ)

Klicken Sie sich durch die weiteren verzichtbaren Kinomomente des Jahres und stimmen Sie danach ab. ... Ha, ha, was haben wir gelacht. "Kindsköpfe" war der KURIER-Kinoredaktion auch nur 2 1/2 Sterne wert. Begründung: 

"Dennis Dugans "Fünf Freunde sind ja ach so komisch"-Klamotte ist eine von geschätzten zwei Millionen Komödien vom Reißbrett Hollywoods, bei der man ab und zu lachen, aber die meiste Zeit weinen möchte. Zu banal sind die Gags, zu seicht die Dialoge. Dass der Film dennoch sein Publikum finden wird, dafür sorgen US-Komikstars wie Adam Sandler, Kevin James, Chris Rock und Salma Hayek als zickige Mrs. Feder." (SL) "Cats & Dogs – Die Rache der Kitty Kahlohr" (2 1/2 Sterne):

Wenn hier echte Hunde mit realistischen Lefzenbewegungen sprechen können, ist das ein Triumph digitaler Filmtricks. Doch scheint dies noch das Beste an dieser Tierdressur durch Computer, in der eine böse Katze mit Maus als Kuscheltier die Weltherrschaft anstrebt. Der Rest: Menschenquälerei. (RJ) "Die Legende von Aang" (2 1/2 Sterne):

Der Erlöser in Gestalt eines händeringenden Kindmönchs für eine vom bösen Feuerkönig bedrohte Mystery-Welt der Erde-Wasser-Luft-Völker. Esoterischer Nonsense, zu 3-D-Action mit schlechten Fantasy-Tricks aufgebauscht. (RJ) "Zeiten Ändern Dich"

"Zeiten Ändern Dich" zeigt Bushidos Lebensweg als klischeegepflastertes Biopic, das zum Fremdschämen taugt, wenn Bushido versucht, sich selbst zu spielen. Der erfolgsverwöhnte Mainstream-Produzent Bernd Eichinger hat seinem neuen Kumpel Bushido hier keinen Freundschaftsdienst erwiesen. Auf der Filmseite IMDb gibt es für den Film gerade einmal 2,3 von 10 Sternen. (mich) "Kottan ermittelt: Rien ne va plus" (2 Sterne):

Schon der Ansatz ist ein Irrtum: Man setzte dort fort, wo die TV-Serie bereits in den letzten Zügen lag, der Schmäh sich längst selbst umzingelt hatte, die Zitate zum Selbstläufer geworden waren. Bei Surrealismus (Möpse im Himmel), bei Cartoon-Kakerlaken und einem Kaffeeautomaten, der nun zu einem Polizeiapparat-Computer wurde und aussieht, als wäre er dem Fundus von "Tom Turbo" entlehnt. War der frühe Kottan mutig und sozialkritisch erdacht – als böser, grantiger, ausländerfeindlicher Polizist, der nicht einmal seinen Fall lösen kann (Für Kottanologen: Peter Vogel, später Franz Buchrieser) – so ist er nun ein gemütlicher, patscherter, musizierender Wiener, der Schwarze am Würstelstand mag. 
Die wenigen politischen Pointen sind entweder alt ("Die Österreicher sind wie Punschkrapferln. Außen rosa, innen braun") oder als Anspielungen auf Haider-Tod und Arigona derart platt, dass man sie blind erkennt. (VF) "Eat Pray Love" (1 1/2 Sterne):

Humor: null
Spannung: null
Binsenweisheit: 10 auf der Stammbuch-Skala. 
Das muss man erst einmal schaffen mit einem Film, der auf einem Bestseller von Elizabeth Gilbert beruht und der wiederum beruht angeblich auf dem wahren Leben. 
Eines steht fest: So kann es nicht gewesen sein. (VF) "Duell der Magier" (2 1/2 Sterne):

Zielgruppe Kinder? Da müsste man fast von geschmacklicher Kindesmisshandlung sprechen! Goethes "Zauberlehrling" und dessen wunderbare Besenvermehrung lieblos als Klamaukeinlage vergeudet – für diesen aus dem Hollywood-Fundus zusammengeklaubten Affenzirkus. (RJ)

Bild: Nicolas Cage und Alfred Molina "Alice im Wunderland" (3 Sterne):

Eine farbenfrohe Bildorgie, ein Spektakel mit Schwammerl im Designrausch hat Tim Burton hier geschaffen. Doch steht für das Buch der Satz: "Glaub an deine Träume, auch wenn sie nirgends hinführen", dann gilt für den Film höchstens: "Glaub an deine Träume, solange was Verwertbares dabei herauskommt". Nur noch Versatzstücke sind vom Buch geblieben, kaum Gedanken oder Emotionen. Burton hat aus dem Wunderland ein Unterland gemacht und recht düster in Szene gesetzt: mit wolkenschwangeren Bildern wie vom britischen Maler William Turner. Zumindest diese blaugraue Düsternis ist Burtons Handschrift. Der Rest ist Disney. (VF) "Valentinstag" (3 Sterne):

Ashton Kutcher als Loverboy in zartem Babyrosa-Shirt; Shirley McLaine, auf dem Friedhof schmusend; Julia Roberts, turtelnd im Soldatinnen-Outfit; und Jamie Foxx als heiratsresistenter Sportreporter. 
Es ist eine Riesenschüssel Kitsch, die "Pretty Woman"-Regisseur Garry Marshall hier angerührt hat. Ein mit Star-Sahnehäubchen garnierter, picksüßer Valentinstags-Pudding, der satt macht wie drei ganze Hollywood-Schinken. Zum Verdauen braucht man einen Schnaps. Einen großen. (SL) "Date Night" (2 1/2 Sterne):

In die Zwangsjacke einer völlig biederen Komödie gesteckt, können auch die talentierten Komödianten Tina Fey und Steve Carell nur ambitioniert vor sich hin hampeln. Dafür, dass sich die "Botschaft" des Films an verheiratete Paare wendet, die doch mal die Kinder zu Hause und die Puppen tanzen lassen sollen, bleibt "Date Night" reichlich inkonsequent: für diesen Film braucht man sich keinen Babysitter zu leisten. Da kann getrost die ganze Familie mit rein. (AS) "Todespolka" (1 Stern):

Niemand versucht ungestraft Realsatiren österreichischer Innenpolitik durch kabarettistische Überspitzung zu übertrumpfen. Auf jenem spiegelglatten Terrain, das selbst Größen wie Stermann & Grissemann oder Alfred Dorfer schon ins Schleudern geraten ließ, bricht sich dieses Kinobubenstück gleich das sozialkritische Genick. Eine wahre Vergeudung der gezeigten jungschauspielerischen Kabinettstücke. (RJ) "Auftrag Rache" (2 1/2 Sterne): 

Der Anfang ist viel versprechend: Drei Leichen poppen im Fluss auf. Mel Gibson holt seine Tochter vom Bahnhof ab. Schüsse fallen. Flott und kompakt, so lobt man sich ein B-Movie. Doch dann beginnt die große Verzettelung. Nukleare Waffen, nationale Sicherheit ... ein Episödchen hier, eines da, und der Spannungsbogen zerbröselt zusehends. 
Immerhin spielt Mel Gibson nach sieben Jahren wieder eine Hauptrolle. Als trauernder Vater nimmt er mit zerfurchter Miene und Rambo-Mentalität Rache, und das absolut humorfrei. Außer man findet es lustig, wenn er einer Journalistin, die ihn nächtens vor seinem Haus auflauert, allen Ernstes mitteilt: "Um diese Uhrzeit sollte eine junge Frau wie Sie längst zu Hause sein." Ja, Papa. (AS) "Der Kautionscop" (2 1/2 Sterne)

Liebe Jennifer Aniston, dauernd mit den Haaren spielen bedeutet nicht schauspielen. Es ist einfach nur: mit den Haaren spielen. Und Gerard Butler: Toll, wie authentisch ihm der Speichel beim Schlafen aus dem Mund rinnt, aber so viel Realismus in einer ansonsten völlig unrealistischen, weil romantischen Komödie – da bleibt einem glatt die Spucke weg. Doch an den Stars liegt es gar nicht, dass "Der Kautionscop" (Bounty Hunter) so flau ist wie sein Titel. (VF) "Sex and the City 2" (3 Sterne):

Wenn man zuschauen muss, wie sie sich auf unglücklich blickenden Kamelen durch eine Wüste auch an Handlungswitz quälen müssen, hofft man bald, dass die einst so wunderbar abwechslungsreich geliebt, gelebt und gelitten habenden New Yorkerinnen Heimweh bekommen – Heimweh nach dem Fernsehen und dem angestammten Platz in der Serie. Die meiste Zeit glaubt man sich aber ohnehin in einen Wettbewerb der Modeschöpfer versetzt, so ausdauernd wechseln die Damen unentwegt Fummel, Wäsche, Schmuck und Accessoires. "Splice" (2 Sterne):

Nicht selten liegt der eigentliche Schrecken eines Horrorfilms in dessen unbeholfen dümmlicher Umsetzung. Wie bei dieser sich in die nahe Zukunft vorbeugenden Variante des Frankenstein-Themas: Wissenschaftler-Pärchen zeugt per Genmanipulation bisexuelles Monsterwesen. Star Adrien Brody macht dazu ein noch längeres Gesicht als sonst. (RJ) "Legion" (1 1/2 Sterne)

"Ich glaube nicht an Gott" – "Macht nichts, er auch nicht an dich." Unfreiwillig lustiger wird’s nimmer, wenn Gott über die Menschen die Apokalypse verhängt, aber ein Erzengel rebelliert und in einer einsamen Tankstelle den neuen Erlöser findet. (VF) "Zahnfee auf Bewährung" (1 Stern):

Eishockey-Star Derek – bekannt dafür, jedem Gegner die Zähne auszuschlagen – wird von der Zahnfee im Himmel zum Abholen ausgefallener Kinderzähne verdonnert. Mit Ballettröckchen, Engelsflügeln und Zauberstab pirscht er sich in die Kinderzimmer und stellt sich dabei furchtbar dämlich an. Apropos: Selten so etwas Dämliches gesehen. (SL) "`Marmaduke` ...und noch ein Highschool-Film. Diesmal spielen allerdings – welch Genrevariation! – keine Menschen. Nein, auch keine Vampire, sondern: Hunde. Sprechende natürlich. Allen voran eine flotte dänische Dogge. 
Die ideenlose Comicverfilmung ohne jeglichen Biss ist zum ... äh... Ans-Eck-Pinkeln. So lustig."

So lustig, dass er zwei KURIER-Sterne bekam. Die türkische Komödie "Kutsal Damacana 2":  

"In Indien gestrandeter Matrose kehrt zurück in die Türkei und sieht dort Werwölfe. Noch Fragen?" (S.L.)

Ob der Herr rechts im Bild gleich Sterne sieht? Vom KURIER gab`s jedenfalls nur einen. "Kampf der Titanen" (2 1/2 Sterne)

Beim Remake des Fantasy Klassikers "Kampf der Titanen" ging so einiges schief. Dabei ist es eigentlich ein kleines Kunststück, diese spannende und unterhaltsame Geschichte von der Auflehnung Perseus gegen die griechische Götterwelt derart schlecht umzusetzen. Die Charaktere haben keine Tiefe, die 3D-Animationen sind teilweise fast schlechter als in Computerspielen der 90er Jahre. Da hilft auch die Starbesetzung (Ralph Fiennes, Sam Worthington) nicht. Am besten, man sieht sich das Original aus den 80er Jahren an. Das hatte nämlich viel Charme und Unterhaltungswert. (rot)

Nachdem Sie nun das Schlimmste überstanden haben: Was war Ihr schlimmstes Kino-Erlebnis in diesem Jahr? Stimmen Sie ab (siehe Link unten)!
(KURIER.at / mich, tem) Erstellt am
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