© Theater in der Josefstadt/Moritz Schell

Kritik
10/03/2021

"The Parisian Woman“ in den Kammerspielen: Die Politik ist ein Kartenhaus

Autor von "House of Cards" schrieb Stück, Premiere, Maria Köstlinger erstklassig.

von Peter Jarolin

Nehmen wir einmal an: Im Weißen Haus sitzt ein – höflich formuliert – verhaltensauffälliger Präsident. Doch es sind Posten zu besetzen. Wichtige Posten, die Macht, Geld und Einfluss garantieren – und zwar auf Lebenszeit. Ein Richteramt etwa, für das es jede Menge Kandidaten gibt. Einer davon ist Tom, der zwar in seiner innersten Überzeugung (sollte es so etwas in der Politik geben) Demokrat ist, jedoch auch mit den Republikanern zu Pakten bereit ist. Denn die Politik ist bekanntlich auch ein Kartenhaus, ein mörderisches Spiel, dessen Regeln sich permanent verändern. Und genau dies nützt Toms Frau Chloe aus, um die Karriere ihres Mannes mit allen Mitteln zu befördern.

House of Cards

Die Story kommt Ihnen bekannt vor? Richtig. Denn ihr Schöpfer heißt Beau Willimon, der etwa die Erfolgsserie „House of Cards“, aber auch den Politthriller „The Ides of March“ (mit George Clooney) kreierte und ein amerikanischer Polit-Insider ist. Immerhin war Willimon Kampagnenberater für Hillary Clinton bei deren Wahl in den US-Senat; auch Präsidentschaftskandidaten beriet der Erfolgsautor.

Warum diese lange Vorbemerkung? Weil sie nötig ist, um zu verstehen, wie aktuell, wie realitätsnah Willimons Stück „The Parisian Woman“ ist, das in den Kammerspielen der Josefstadt seine bejubelte deutschsprachige Erstaufführung feierte. Waren es in „House of Cards“ noch Frank Underwood und seine Frau Claire, die als zu allem fähige Strippenzieher den Ton angaben, so sind es hier eben Tom und Chloe.

Wobei Willimon den Plot gut variiert hat. Denn diese Chloe, diese Frau aus Paris, die mit Toms Wissen ein Verhältnis mit dem Lobbyisten Peter hat, aber auch mit der Tochter einer machtbewussten Republikanerin ins Bett geht, ist entwaffnend ehrlich. Liebe ist Liebe, Sex ist Sex und Macht ist Macht. Und eigentlich will sie doch nur das Beste für alle . . .

Es ist vor allem der in jeder Phase und in jeder Szene hinreißenden Maria Köstlinger zu verdanken, dass dieses Fünfpersonenstück in der sehr präzisen Regie von Michael Gampe (toll auch das coole Bühnenbild von Walter Vogelweider) exzellent funktioniert. Wie Köstlinger die Ambivalenz ihres Charakters ausspielt, wie sie zwischen purer Berechnung und Freiheitswillen changiert, ist einfach erstklassig. Bravo!

Mit Herbert Föttinger als äußerlich harten, aber innerlich unsicheren Tom hat sie einen genialen Partner. Grandios auch Michael Dangl als charmant-aufgeblasener Peter, Katharina Klar als lesbische Rebecca und die optisch sehr auf Hillary Clinton getrimmte Susa Meyer als Jeanette. Diesem Quintett sieht und hört man gerne zu. Ach ja, der Name Trump fällt beiläufig auch.

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