Kyle Marvin (li.) und Michael Angelo Covino sind beste Freunde: „The Climb“

© Pandafilm

Kino
08/31/2020

"The Climb": Die Frau meines besten Freundes

Michael Angelo Covino über eine toxische Männerfreundschaft in seiner witzigen Tragikomödie „The Climb“

von Alexandra Seibel

In Zeiten von Corona läuft bekanntlich alles anders ab. Auch Interviewsituationen.

Michael Angelo Covino sitzt beispielsweise im Auto, als unser Gespräch per Video gestartet wird. Der US-Regisseur trägt ein kreischend grünes Halstuch und kurvt gerade hinaus aus New York, um einen Arztbesuch in Connecticut wahrzunehmen.

Aber kein Grund zur Beunruhigung: „Nur Routine. Ich bin kerngesund.“

Wirklich beunruhigend hingegen sind seine fröhlichen Blicke in die Kamera, während er auf die Straße schauen sollte: Hat der Mann eh die anderen Verkehrsteilnehmer im Auge, während er sein Interview gibt?

„Na klar, alles gut. Ich schau nur dann in die Kamera, wenn keine anderen Autos um mich herum sind“, versichert er heiter und schaut in die Kamera.

Offensichtlich ist er ziemlich allein auf der Straße.

Michael Angelo Covino, 36, hat gerade seinen ersten Film gedreht. Gemeinsam mit seinem Kumpel Kyle Marvin schrieb er das Drehbuch von „The Climb“ – und beide übernahmen mit ihren richtigen Namen Mike und Kyle auch gleich die Hauptrollen.

„The Climb“ (ab Freitag im Kino) startet mit lautem Männer-Gekeuche. Gerade, wenn man sich zu fragen beginnt, was die Herren gerade machen, sieht man zwei Freunde auf ihren Rädern den Berg hinauf strampeln. Es sind Mike und Kyle – Covino und Kyle Marvin – die sich da die Anhöhe hinauf quälen.

Das sieht ziemlich anstrengend aus: „Wir haben monatelang im Vorfeld trainiert, um in Form zu kommen“, sagt Covino, der nicht nur Radfahren und spielen, sondern auch Regie führen musste: „Aber am Ende waren wir richtig erschöpft. Doch genau das war die Idee: Dass Kyle körperlich komplett überfordert ist, wenn er die üble Nachricht bekommt.“

Betrug

Gerade dann, als der Schweiß am meisten fließt und Kyle davon schwärmt, wie sehr er sich auf seine bevorstehende Hochzeit freut, lässt sein Freund Mike die Bombe platzen: „Ich habe ein Verhältnis mit deiner Verlobten.“

Während Kyle vor Schreck fast vom Rad fällt, legt Mike noch einen Zahn zu. An diesem Punkt enden üblicherweise Freundschaften – wenn Mann mit der Freundin des besten Freundes schläft.

Warum er seinen Film ausgerechnet am Tiefpunkt, wenn nicht gar Schlusspunkt einer Freundschaft ansetzt, kann Covino gut erklären: „Ich glaube, dass solche Dinge wirklich passieren. Wir werden von Menschen, die uns sehr nahe stehen, tief verletzt. Aber wie gehen wir damit um, wenn wir diese Menschen trotzdem nicht komplett aus unserem Leben verbannen wollen? Wenn wir trotz dieses Betruges diese Beziehung in irgendeiner Form weiterführen wollen?“

Tiefpunkt

In den meisten US-Filmen wäre solch ein Zwischenfall das Ende der Freundschaft und bestenfalls Anlass zur Rache: „Aber uns hat es interessiert, andere Möglichkeiten durchzudenken.“

Er selbst wurde mit der Tatsache konfrontiert, dass einguter Freund von ihm mit seiner Ex-Freundin geschlafen habe, erzählt Covino. Während einer seiner Radtouren hatte er darüber nachgedacht, wie er mit diesem Ereignis umgehen sollte – und genau in dieser Situation sei ihm die Idee zu „The Climb“ gekommen: „Kyle und ich haben beim Schreiben verschiedene private Erfahrungen in das Drehbuch einfließen lassen und dann unsere beiden Hauptfiguren zugespitzt: In Wirklichkeit bin ich nicht so ein Arschloch wie Mike im Film, und auch Kyle ist nicht so eine Lusche.“

Im klassischen Männerfreundschaftsgenre, das gerne auf den Namen „Bromance“ hört – eine Wortmischung aus „Bro“ (Bruder) und „Romance‘ – spielen Frauen meist eine untergeordnete, wenn nicht gar störende Rolle. Sie sind es, die beste Freunde auseinanderbringen oder deren Freundschaft auf den Prüfstand stellt. Auch in „The Climb“ droht das eingeschworene Männer-Ensemble immer wieder an einer Frau zu zerbrechen, der zudem auch noch die Rolle der Spaßbremse zufällt.

Männer zuerst

Doch diesen Einwand will Michael Angelo Covino so nicht stehen lassen: „Ich finde, so einfach ist es nicht. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den Fokus auf die Männerfreundschaft zu legen. Insofern wird die Frau zur Antagonistin, obwohl sie mit ihren Ansprüchen völlig recht hat. Wir wollten nicht behaupten, dass am Ende immer die Männerfreundschaft siegt, sondern dass Familienverhältnisse oft sehr schwierig sind und uns viel abverlangen. Trotzdem aber finden sich glückliche Momente – und diesen Optimismus wollten wir erzählen.“

In einer sehr witzigen Szene führt Kyle einen erotischen Tanz auf und wickelt sich nackt um eine Pool-Stange. Seine Freundin sieht ihm belustigt zu und meint dann lakonisch: „Als du dicker warst, sah es noch sexier aus.“

„Wir haben einen Anlass gesucht, um Kyle nackt zum Tanzen zu bringen“, kichert der Regisseur: „Nein, im Ernst, es war eine herrliche Szene, um die Beziehung der beiden zu erzählen. Außerdem blickt Kyle einmal direkt in die Kamera und erinnert das Publikum daran, dass es im Kino sitzt.“ Michael Angelo Covino blickt ebenfalls in die Kamera – und erinnert uns daran, dass er im Auto sitzt.

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