"Terror" von Ferdinand von Schirachs. Ein  Justizdrama als interaktives Medienereignis.

© ARD Degeto/RBB/Julia Terjung

TV
08/02/2016

"Terror" sorgt für erste Diskussionen

FDP-Politiker wollen die geplante Ausstrahlung des Justizdramas "Terror" (ORF/ARD) verhindern.

Ferdinand von Schirachs Justizdrama "Terror", das im Oktober als großes TV-Event im ORF und in der ARD läuft, sorgt in Deutschland für Diskussionen. Ehemalige FPD-Politiker forderten die ARD auf, das Stück im Fernsehen abzusagen, weil es bei Themen wie der Menschenwürde und der Wahrung der Grundrechte um "Effekthascherei" gehe. Das Erste will an der Ausstrahlung aber festhalten.

Darf man 164 Menschen töten, um 70.000 zu retten? Das ist die Kernfrage in Schirachs Theaterstück " Terror", das vom Produzenten Oliver Berben gemeinsam mit der ARD Degeto und dem rbb in hochkarätiger Besetzung mit Martina Gedeck, Burkhart Klaußner und Florian David Fitz für das Fernsehen verfilmt wurde. Ein Terrorist entführt eine Passagiermaschine und nimmt Kurs auf ein voll besetztes Fußballstadion. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug in letzter Minute ab, die Passagiere sterben. Der Pilot muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Die Zuschauer sind die Richter und urteilen über Schuld oder Unschuld.

Emotionale Herausforderung

Der ORF hat sich die Ausstrahlungsrechte für das Fernsehereignis gesichert und plant dazu im Oktober zeitgleich mit der ARD einen multimedialen Themenabend. Peter Resetarits wird den Zuschauern dann live die Frage stellen - "schuldig oder nicht schuldig". Nach dem Voting des Fernsehpublikums und der Urteilsverkündung steht eine Diskussion mit Experten auf dem Programm. ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner sprach schon im Frühjahr nach dem Kauf der TV-Rechte von einer "emotionalen Herausforderung für die Psyche, den Instinkt und für unsere Gesellschaft". Es sei wichtig, dieses Thema dem Publikum auch in fiktionaler Form nahezubringen und so eine thematische Auseinandersetzung über Recht und Gerechtigkeit in Gang zu setzen. "Leider zeigt dieses Werk auch, wie realistisch eine solche Situation in unserer Welt geworden ist", so Zechner.

In Deutschland haben der ehemalige Bundestags-Vizepräsident Burkhard Hirsch und Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum der ARD nun von einer Ausstrahlung abgeraten. "Lassen Sie das!", meinte Baum am Wochenende in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Schirach bringe die Leute dazu, eine falsche Entscheidung zu treffen, die Zuschauer würden aufgefordert, über das Grundgesetz abzustimmen, sagte Baum.

Bei der ARD versteht man die Aufregung nicht. Volker Herres, Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, hält Schirachs Werk weder für fragwürdig noch für populistisch. Die kritischen Fragen zum Filmereignis seien aber hoch spannend und ein bereichernder Beitrag zur Diskussion. Das Erste werde die Verfilmung eng mit der Diskussionssendung "hart aber fair" verknüpfen und dort die Grundlagen des Stücks, die Hintergründe und das Zuschauervotum aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, so Herres.

Bei den bisherigen Theateraufführungen des Stücks haben 59,4 Prozent der Besucher auf Freispruch plädiert. In Österreich gab es bei 17 von 18 Theatervorstellungen Freisprüche für den Piloten.

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