© Ascot Elite Filmverleih

Terence Stamp im Interview
03/16/2013

"Besser wirklich gute Sachen machen und dafür mit weniger Geld auskommen"

Der Brite mit dem markanten Gesicht hat mit Fellini, Ustinov und Steven Soderbergh gedreht. Nun ist er an der Seite Vanessa Redgraves zu sehen.

von Susanne Lintl

Die Bedingungen für das Gespräch stellt er auf: Keine Weitergabe seiner Telefonnummer, Kontaktaufnahme in London nur durch eine Vertrauensperson vom zuständigen Verleiher: „Nein, den mürrischen alten Mann zu spielen, das ist mir nicht sehr schwer gefallen“, gibt Terence Stamp zu. „Ich denke, das ist Teil meiner Natur.“ Er muss lachen: „Obwohl mir das selber noch nicht so aufgefallen ist.“

In über 60 Filmen hat der 75-jährige Londoner in seiner langen Karriere gespielt, durfte cool, brutal , überdreht und lasziv sein. „Mein Gott, war ich schön und naiv, als ich in den Sechziger Jahren mit Pasolini arbeitete“, blickt er etwas wehmütig zurück. „In ,Teorema’ durfte ich den schönen Bisexuellen spielen.“

Stolz ist er aber auf anderes: Auf seine Oscarnominierung für „Billy Budd“ 1962 („Die hat mein Leben komplett verändert“). Auf „Der Fänger“, seinen ersten Film in Hollywood. Auf „meine italienische Zeit mit Fellini und auf meine moderne Phase mit ,Priscilla – Königin der Wüste’ oder Steven Soderberghs formidablem Thriller ,The Limey’.“

Erstmals singt er

Nun ist Stamp wieder zurück und zeigt, dass er es immer noch kann. In „Song for Marion“ (seit Freitag im Kino) spielt er Arthur, den Mann von Vanessa Redgrave. Einen alten Griesgram, der nur weich wird, wenn keiner zusieht, sprich: wenn er mit seiner schwer kranken Marion daheim ist.

„Als ich das Script las, dachte ich zuerst, das kann es doch nicht geben: So eine Verbindung, die über den Tod hinaus andauert. Doch dann habe ich an meine Eltern gedacht, die auch so eine symbiotische Beziehung hatten. Sie waren nie untreu, sie wollten keine anderen Partner. Ich bin ihnen in dem Punkt leider nicht nachgeraten.“ Nach mehr als 50 Jahren im Business gab es für Stamp bei „Song for Marion“ eine Premiere: Er musste live vor Publikum singen. „Es ließ sich nicht vermeiden, weil ich ja im Film Teil eines Chors bin. Gott sei Dank hatte ich nicht viel Zeit darüber nachzudenken, wie ich singe, sonst hätte ich es wohl nicht gemacht. Ich hatte nur einen Take, weil wir nicht viel Geld hatten: Ich legte also los und es klappte ganz gut.“

Ist es schwer, als älterer Schauspieler interessante Rollen zu bekommen? „Was soll ich dazu sagen? Für mich war es immer schwierig, ein gutes Script zu finden. Das ist keine Frage des Alters. Mein Prinzip war immer, auch, als ich noch ganz jung war: Ich möchte wirklich gute Sachen machen und komme dafür mit weniger Geld aus. Das stellte für mich kein Problem dar, denn das Wichtigste war für mich immer, das Beste geben zu können. Wissen Sie, wenn man liebt, was man tut, dann sind immer einer Extraportion Herzblut und Ehrgeiz dabei. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich zufrieden. Und ich spiele auch heute noch alles, was mich fordert. Ich passe mich an, aber die Qualität muss stimmen“.

Der Trailer zu "Song for Marion"

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