Tatort: "Wehrlos" - einmal Abgrund und zurück

Tatort
Foto: ORF/Hubert Mican Die frischgebackene ROMY-Gewinnerin Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer.

Harald Krassnitzer bewältigt seinen 40. Fall entspannt, aber nachdenklich. Schwer hat’s Adele Neuhauser.

Der Chef der Polizisten-Ausbildung und dessen Frau werden tot zu Hause aufgefunden. War es ein Eifersuchtsdrama, ein Einbrecher? Harald Krassnitzers 40. Fall als Moritz Eisner, der "Tatort: Wehrlos", stellt sich als verzwickt heraus und bringt vor allem Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) hart an ihre Grenzen (20.15, ORF2).

"Mir geht es mit diesem Jubiläum nicht anders als mit meinem Geburtstag – der mir ziemlich egal ist", meint der 56-jährige Krassnitzer zum KURIER. Ihn interessiert vielmehr das Hier und Jetzt. Gesellschaftlich wie politisch. "Es gibt im Moment wohl niemanden, der sich nicht fragt, was da gerade alles los ist. Das ist bei mir nur etwas ausgeprägter, weil es mit meinem Beruf zu tun hat, wahrzunehmen, was wie passiert."

Nachdenken

Den Kommissar Eisner verkörpert der Schauspieler seit nunmehr 19 Jahren. Seine Figur sei gereift, gelassener, aber manchmal immer noch sehr emotional und dann auch ungerecht. "Er muss sich zudem fragen, ob er als Vater präsent war oder ob er nur in seinem Beruf aufgegangen ist – durchaus mit Bibi als weibliches Pendant. Ich finde das spannend."

Das Reflektieren geht über Rollen-Charaktere hinaus. "Wir haben zuletzt öfter darüber nachgedacht, wie oft Eisner und Fellner die Dienstwaffe gebraucht haben, ohne dass das bei ihnen psychische Spuren hinterlassen hätte. Was überhaupt nicht der Realität entspricht." Auch das im "Tatort"-Erstling von Regisseur Christopher Schier behandelte Thema des Missbrauchs in der Polizeischule beschäftigt. "Wir fragen uns schon, ob wir damit etwas beschädigen. Aber da knie ich vor Autor Uli Brée, der das nicht zum Polizei-Bashing verkommen lässt, sondern es wird sehr menschlich."

Das betrifft vor allem Vielfach-ROMY-Gewinnerin Adele Neuhauser. Ihre Bibi sucht in "Wehrlos" ein wenig privates Glück und muss gleichzeitig undercover in der Polizeischule ermitteln. Ihr von Simon Hatzl schön fies gespielter Gegner weiß um ihre Schwächen, auch von der früheren Alkoholsucht, und nutzt das. "Es ist ein bedrückender ,Tatort‘", sagt Neuhauser. "Die Situationen, in die Bibi gerät, sind einzigartig. Das dockt ein wenig an die Anfangszeiten an." Und das bringt Bibi wieder ihren eigenen Abgründen nahe.

(kurier) Erstellt am
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