© Kurier/Franz Gruber

Kultur
07/17/2019

Tash Sultana im KURIER-Interview: „Nennt mich beim Namen“

Die australische Multiinstrumentalisten spricht über den Hass auf Worte wie Miss und Lady und ihre harte Teenie-Zeit.

Weihnachten 1997, Melbourne. Die zweieinhalbjährige Tash Sultana packt Geschenke aus. Ein kleines Keyboard, eine Ukulele. Es kann ihr gar nicht schnell genug gehen, dass alles Papier weggerissen ist und sie beginnen kann, damit zu spielen.

 

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Videos davon hat die Multiinstrumentalistin kürzlich auf Instagram geteilt. „Ich wusste schon damals genau, wie ich mir mein Leben mit Musik vorstelle“, erzählt sie backstage in der Wiener Arena im KURIER-Interview. „Jetzt ist alles genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe einen Weg gefunden, wie ich glücklich sein kann.“

Leicht war das nicht. Nachdem sie bis zum 13. Lebensjahr Gitarre-Unterricht hatte, wurde sie süchtig und kam erst davon los, als sie mit 17 in eine drogenbedingte Psychose fiel .

 

Neun Monate war sie danach in Therapie. Wie sie da hineingeraten ist, sagt sie nicht. Nur: „Das war eine extrem furchterregende Erfahrung. Deshalb nehme ich jetzt keine Drogen mehr und trinke auch nichts.“

Offen spricht sie aber über ihr Problem mit der Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter, die unsere westliche Gesellschaft anerkennt:

„Seit ich denken kann, fühlte ich mich im falschen Körper. Ich konnte nicht verstehen, warum ich kein Bub war. Mein Körper ist weiblich, aber nicht meine Seele. Es gibt viele indigene Kulturen, die so viele Spielarten zwischen Er und Sie anerkennen. Intersexuelle Leute fallen in keine dieser Kategorien. Im Westen müssen sie sich trotzdem für ihre Reisepässe und Einwohner-Meldungen für eine der beiden entscheiden. Ich frage, warum? Auch unsere westliche Sprache lässt nur Er oder Sie zu. Deshalb hasse ich es, Miss, Lady oder Madam genannt zu werden. Nennt mich einfach bei meinem Namen!“

Den hat die 24-Jährige offiziell von Natascha in das indische Wort Taj ändern lassen. „Dabei ging es aber nicht darum, dass ich mich nicht als Frau fühle. Es war einfach nicht mein Name. Wenn mich in der Schule jemand so gerufen hat, habe ich nicht reagiert.“

Oft wird Sultana in den sozialen Medien für ihre Meinungen zum Gender-Thema angefeindet. Deshalb liest sie das jetzt nicht mehr: „Warum soll ich mich beschissen fühlen, weil jemand, der mich nicht kennt und mich nie getroffen hat, etwas Gemeines über mich sagt? Jeder hat ein Recht auf seine Meinung, aber ich muss sie nicht lesen. Ich persönlich muss auch nicht jedem, den ich nicht mag, das deutlich sagen. Denn ich weiß, wie es sich anfühlt, weil Leute das mit mir gemacht haben. Ich will lieber eine positive Spur in der Welt hinterlassen.“

 

Schon arbeitet Sultana am zweiten Album. Das wird aber nicht mehr viel mit der Looping-Arbeitsweise zu tun haben, die sie berühmt gemacht hat. „Ich habe mit dem Looping mit 18 Jahren angefangen, weil ich durch meine Art, bei Auftritten Gitarre zu spielen, eine Nervenentzündung in der Hand bekommen hatte und weniger spielen musste. Aber meine ersten Songs habe ich nur mit Gitarre und Singstimme geschrieben. Dahin kehre ich jetzt zurück. Vielleicht nicht für jeden Song, aber ich will mir keine Grenzen setzen und eine etwas andere Story erzählen.“

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