© Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Premiere
07/25/2019

"Tannhäuser" in Bayreuth: Ein Meisterstück

Nachtkritik: Die Richard-Wagner-Festspiele starteten mit einer der besten Neuproduktionen seit Jahren.

von Gert Korentschnig

Am Ende gab es Jubel des Premierenpublikums, darunter die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, aber auch zahlreiche Buhs gegen das Dirigat und vor allem gegen die Regie. Aber was kann Besseres passieren, als dass eine Opernpremiere so starke Emotionen hervorruft?

Man kann diesen "Tannhäuser“ mögen oder nicht, das ist freilich subjektiv (Ihr Rezensent liebt ihn und hält ihn sogar für eine der besten Produktionen in den vergangenen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten am Grünen Hügel). Man wird sich aber schwer tun, profunde Einwände dagegen zu formulieren. Hier sind nämlich wirkliche Könner am Werk, die "Tannhäuser" lustig und todtraurig, lyrisch und hochdramatisch, in jeder Phase intensiv und mitreißend interpretieren.

Zunächst der Regisseur: Tobias Kratzer zeigt den Venusberg nicht vordergründig als Sehnsuchtsort der Erotik, sondern als Idee der Befreiung generell. Venus ist ein Hippie wie aus der 70ern, Tannhäuser ihr Clown, dazu gibt es einen Kleinwüchsigen im Blechtrommel-Stil und eine schwarze Drag-Queen. Sie vollführen ihr Spiel sogar in der Pause am und im Teich vor dem Festspielhaus.

Die Wartburg ist diesmal das Festspielhaus selbst, und Kratzer blickt - mit genialen Videos - hinter die Kulissen. Das Finale ist höchstintensiv und im wahrsten Wortsinn zum Weinen, das Plädoyer für freie Liebe, Öffnung der strengen Grenzen des Lebens und Kunst bleibt noch Illusion.

Exzellent ist auch der Dirigent: Valery Gergievs Interpretation ist sensibel, zurückgenommen, völlig uneitel, gegen alle wuchtigen Wagner-Klischees.

Der Tannhäuser ist der zur Zeit wohl denkbar beste Interpret dieser Partie: Stephen Gould, sängerisch und darstellerisch fabelhaft. Lise Davidsen ist eine famose Elisabeth, die gerne wäre wie Venus, jene wird von Elena Zhidkova gesungen, nein gestaltet, wie eine Meisterskulptur gegossen. Markus Eiche könnte als Wolfram etwas facettenreicher singen, Stephen Milling ist ein markanter Landgraf Hermann.

Das eigentliche Zentrum des Abends ist ein alter Citroen, aber mehr dazu in der großen Folge-Kritik.

 

 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.