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Interview
07/19/2013

"Der Jedermann ist ein 'Trotzdem-Stück'"

Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf über den "Jedermann" und die beginnenden Salzburger Festspiele.

von Guido Tartarotti

Ein per Mail geführtes Gespräch über die Arbeit im Kultur-"Maschinenraum" der Salzburger Festspiele, "Jedermann" und Nestroy und das weite Land zwischen Hamburg, Regensburg und dem Amazonas.

KURIER: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die heurige Schauspiel-Saison?
Sven-Eric Bechtolf: Ich erwarte viel Arbeit, und diese Erwartung hat sich bislang schon ausreichend erfüllt. Zu diesem Zeitpunkt der Festspiele lässt man alle Hoffnung fahren und konzentriert sich auf das nächstliegende. Im Moment sind wir sind im Maschinenraum, schuften und schwitzen und hoffen, dass wir das Publikum in die Karibik bringen können. Wenn wir im September von Kohlenstaub schwarz aufs Deck zurückkehren, werden wir uns dann auch nach Palmen umsehen. Jetzt heißt aber es erst mal schaufeln.
Sie gehen das Wagnis eines neuen „Jedermann“ ein. Die ersten Foto- und Filmaufnahmen sorgen für heftige Diskussionen. Freut Sie das?
Ich habe eine gegenteilige Wahrnehmung: Die Fotos wurden nicht kontrovers diskutiert, sondern ziemlich einhellig von positiven Kommentaren begleitet. Ich hoffe, dass der „Jedermann“ möglichst vielen Menschen gefällt – dass er bei allen gut davonkommt ist unmöglich. Wenn man sich die Rezensionen der letzten 90 Jahre durchsieht, ist es augenfällig, wie divergent sich der Erfolg des Stückes zu der erfolgten Kritikerschelte verhält. Der Jedermann ist ein „Trotzdem-Stück“ – es hat sich gegen alle Widerstände erhalten und durchgesetzt und wird das auch sicher weiterhin tun.
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Erste Eindrücke vom neuen "Jedermann"

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Actress Hobmeier as Buhlschaft performs on stage d

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Actor Obonya as Jedermann performs on stage during

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Actors Lohmeyer and Obonya perform on stage during

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Actors Lohmeyer and Obonya perform on stage during

SALZBURGER FESTSPIELE 2013: FOTOPROBE "JEDERMANN"

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Salzburger Festspiele 2013 Fotoprobe zum Stück "J…

Jedermann

Mit „Lumpazivagabundus“ und „Jungfrau von Orleans“ haben Sie heuer zwei Edel-Produktionen im Repertoire – einmal Schiller, einmal Nestroy, prominente Regisseure, sehr prominente Besetzungen. Die Freunde von „klassischem“ Theater werden begeistert sein, die Vertreter der mehr am Zeitgenössischen orientierten Fraktion werden herummäkeln. Denken Sie beim Programmieren auch darüber nach, ob die Produktionen als „konservativ“ oder „modern“ wahrgenommen werden?
Nein. Wenn Sie sich sehr nahe vor eine Weltkarte stellen, sehen sie nur Regensburg. Ein paar Schritte zurück tun der Übersicht gut. Da kommt eventuell sogar der Amazonas zum Vorschein. Mit den Klassikern verhält es sich ähnlich, Distanz kann fruchtbar sein.
Wie soll man mit Nestroy umgehen? Es besteht ja immer einerseits die Gefahr der rüschigen Verniedlichung, andererseits die, das Stück durch Modernisierungen zu meucheln.
Ich bin kein Nestroy-Spezialist. Ich komme in vielerlei Hinsicht aus Hamburg. Aber Matthias Hartmann hat einen wirkungssicheren, anarchischen Instinkt. Er hat nicht nur viel Humor, sondern genügend Widersprüchlichkeiten im Hirn, um diesem Stück gerecht zu werden. Ich freue mich schon sehr auf seine Inszenierung und die wunderbare Besetzung!

"Vieles ist gelungen, manches nicht"

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KURIER /gruber franz

Sie haben sich zur „Polyphonie“, zur Vielstimmigkeit bekannt, unterschiedliche Stile, Richtungen usw. sollten zu sehen sein. Wie sind Sie selbst mit Ihrer ersten Spielzeit zufrieden gewesen, was wollten Sie bei der zweiten bewusst anders machen?
Ich resümiere nicht. Nie. Ich bin aber selten mit dem zufrieden, was ich selber angerichtet habe. Ich hadere spätestens nach einer Woche auch mit der angeblich gelungensten Rolle oder Inszenierung. Es ist also ein bisschen unfair, mich das zu fragen. Wenn ich versuche, mich ein paar Sekunden zu objektivieren, würde ich sagen: Vieles ist gelungen, manches nicht. Das ist aber die Regel im Leben und im Theater, nicht die Ausnahme.
Die Frage lässt sich nicht vermeiden: Es gibt heuer keine Uraufführung – warum?
Ich hatte einen Auftrag vergeben, der sich nicht realisieren ließ, aber ich versuche es weiter.
Spannend ist der „Sommernachtstraum“: Schauspiel, Musik, Tanz - interessiert Sie die Idee des Gesamtkunstwerks?
Ach, dass ist auch nur so ein Wort, „Gesamtkunstwerk“, dafür bin ich zu prosaisch. Aber ich bin wirkungsversessen, das muss ich gestehen. Schauspiel, Musik, Tanz, Gesang und das alles zusammen kann im Theater einfach hinreißend schön sein.
Mit „Schneewittchen“ bieten Sie heuer auch ein Stück für Kinder an. Wie wichtig sind Ihnen die Kinder als Publikum? Sie werden ja oft vernachlässigt auf dem Theater.
Ich werde jetzt nicht sagen: „Kinder sind das Publikum von Morgen“ Mein Interesse am Theater für Kinder ist keine Rekrutierungsmaßnahme. Ich glaube, dass Spielen, Lesen und Theaterschauen elementare Bestandteile der Kindheit sein sollten. Phantasie, Geborgenheit, Mut, Empathie, soziale Kompetenz und schöpferische Begabung werden in uns angelegt, wenn wir Kinder sind. Das Theater kann dabei sehr hilfreich sein.
Schneewittchen kommt ganz ohne Worte aus - ein ungewöhnlicher Zugang!
Ja. Die Kinder kennen ja zum großen Teil das Märchen und dichten und denken mit. Außerdem ist es dadurch unheimlich. Das ist bei Märchen äußerst wichtig. Die Kinder wollen und sollen durch Märchen ja aufgewühlt und beteiligt werden.

"Das Publikum in Salzburg ist sehr kundig und interessiert"

Sehr ungewöhnlich ist auch die Produktion „Sans Objet“ – ein Fertigungsarm als Hauptdarsteller. Eine Herausforderung für das traditionelle Festspielpublikum!
Da unterschätzen Sie aber unser Publikum. Das ist in Salzburg sehr kundig und interessiert.
Sie inszenieren heuer „Cosi“. Was interessiert Sie gerade an dieser Oper?
Die drei Da Pontes sind ein großzügiges Angebot von Alexander Pereira an mich. Aber ich gebe zu, dass ich mir diese drei Opern im Traum vermutlich auch selbst ausgesucht hätte. Es ist gewissermaßen lächerlich, sich angesichts dieser Werke in eine Legitimationsposition zu bewegen. Diese Stücke DARF man inszenieren. Sie gehören zum großartigsten, was Menschen je geschrieben, gedacht und komponiert haben. Man fragt sich im Gegenteil, ob man der Sache gewachsen ist. Ob man diese Stücke wirklich verdient hat. Mein Interesse ergibt sich also von selbst.
Planen Sie, in Salzburg auch einmal Schauspiel zu inszenieren?
Im Augenblick nicht.
Wie steht es um das Wallenstein-Projekt mit Andrea Breth und Ihnen?
Dieses Projekt existiert gar nicht. Daher steht es auch nicht um es. Es ist lustig, dass durch fortdauernde Wiederholung in der Presse, eine Sache zur Realität wird, der gegenüber man dann sogar Rechenschaftspflichtig wird.

Sie werden künftig interimistisch die Gesamtleitung des Festivals innehaben: Haben Sie vor, in dieser Zeit eigene Akzente zu setzen oder ist die Planung bereits abgeschlossen?
Wir müssen sichten, rechnen und dann planen was möglich ist. Zu gegebener Zeit werden wir dann sagen, was passiert. Noch ist es nicht soweit.

Das "Who’s who" auf dem Domplatz

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