Kultur
05.09.2017

Streaming-Fernsehen: Sommer ohne Serienhit

Resümee nach dem "Twin Peaks"-Finale: Aus dem Serienhype ist etwas die Luft draußen.

Die "Twin Peaks"-Neuauflage ist vollendet: Die mit der meisten Spannung erwartete Serie des Sommers endete mit einem Schrei; obwohl es sonst in den vergangenen zwei Monaten verdächtig still war um das zuletzt so gehypte Streamingfernsehen.

Dass Kultregisseur David Lynch für eine dritte Staffel zu jenem Stoff zurückkehren sollte, mit dem er vor einem Vierteljahrhundert das Fernsehen revolutionierte, sorgte vor dem Sommer für ordentliches Aufsehen. Kaum war die Serie aber angelaufen, wurde es ruhig um "Twin Peaks". Was zu einem Teil daran liegt, dass sich Lynchs absurde Zwischenwelten herzlich wenig für reguläre Fernsehkritiken oder auch begleitende Social-Media-Aktivität eignen.

Es liegt aber auch daran, dass diesen Sommer die Luft draußen war aus jenem Hype, der die Medienwelt zuletzt bewegte: Das schöne neue Serien-Fernsehen, das zuletzt die fernseharmen heißen Monate mit zumindest einer herausragenden Produktion verkürzte, hatte keinen Sommerhit zu bieten, und das war doch erstaunlich. Vor allem angesichts der Summen, die investiert werden: Sechs Milliarden Dollar etwa gibt Netflix heuer für die Contentproduktion aus. Für diesen Sommer hat sich das nicht ausgezahlt: Am ehesten noch sorgte die Frauenwrestling-Serie "Glow" für Interesse, das aber verhalten blieb (und dann noch abebbte).

Wie überhaupt die Uraufführungen weniger einschlugen als der Repertoire-Betrieb: Das TV-Serienevent des Sommers war das Finale der auch schon siebenten Staffel von "Game of Thrones". Hier war etwas von der breiteren Aufregung spürbar, die dem Fernsehen popkulturelle Wichtigkeit verleiht.

Zu erfolgreich

Dass diese Aufregung sonst ausblieb, unterstreicht eine Gefahr, die leicht absurd anmutet: Der Erfolg des Serienfernsehens an sich gefährdet den Erfolg einzelner Serien. Denn das überbreite Angebot sorgt im übersättigten, aber kleinen Markt der Streamingkunden – im Vergleich zum regulären Fernsehen sind das immer noch wenige – für weitere Zersplitterung. Wenn daher keine einzelne Serie zum Gesprächsstoff ausreichend vieler Seher wird, fällt die ganze Branche in der Aufmerksamkeit zurück.

Der letzte Serienneuzugang, der wirklich einen Nerv traf und dementsprechend ausführlich diskutiert wurde, war schon vor dem Sommer gelandet: "The Handmaid’s Tale" (zu deutsch: "Der Report der Magd") nach dem Buch von Margaret Atwood zeigt die Vision eines Amerikas, das zum frauenfeindlichen Gottesstaat wird.

Bekannte Stoffe

Aber die Adaption des Buches verweist auf einen neuen Trend: Die Aufbereitung bekannter Stoffe als Serie. So versucht der Serienherbst, mit neuen Staffeln erfolgreicher Serien (" Narcos", " Stranger Things", "The Crown") und mit Adaptionen bekannter Bücher (u. a. von Stephen King und Philip K. Dick) zu punkten. Das kennt man bereits vom Kino, und weil man das kennt, darf man beunruhigt sein: Der Fortsetzungs- und Neuerzählungstrend, der jetzt das Serienfernsehen erfasst, hat sich im Kino schon längst totgelaufen.