© Julia Brokaw

Gespräch
02/10/2021

Steven Spielbergs Tochter Sasha nützt statt Papas Ruhm Omas Talent

Unter dem Pseudonym Buzzy Lee startet die Tochter des Star-Regisseurs in die musikalische Solo-Karriere

von Brigitte Schokarth

„Totally Forgotten“, das weiß Sasha Spielberg noch, hieß der erste Song, den sie je geschrieben hat. Damals war die Tochter von Hollywood-Schwergewicht Steven Spielberg und der Schauspielerin Kate Capshaw acht Jahre alt. „Es ging darum, dass meine Geschwister zum Spielen rausgegangen waren, und mich daheim vergessen hatten“, erzählt die 30-Jährige im KURIER-Interview. „Ich hab noch ein Video davon, wie ich das singe und am Klavier spiele.“

Seit damals wollte Spielberg Musikerin werden. Doch erst jetzt, nachdem sie sich mit ihrem Bruder Theo im Duo Wardell einen Namen in der amerikanischen Indie-Szene machen konnte, startet sie als Buzzy Lee solo. „Spoiled Love“ heißt das eben erschienene, beachtenswerte Debüt-Album. Mit Indie-Produzent Nicolas Jaar hat die Amerikanerin neun melancholische Klavierstücke aufgenommen. Jaar gibt ihnen mit spartanischen, raffiniert gesetzten elektronischen Elementen dichte Atmosphäre, während Spielbergs samtige Stimme die Sehnsucht und Verletzung nach einer zerbrochenen Beziehung spürbar macht.

„Ich tendiere dazu, nach einer Trennung immer dem Ex die Schuld daran zu geben, dass es nicht funktioniert hat. In diesen Songs geht es aber darum, dass ich erkannt habe, was mein Anteil daran war, was ich falsch gemacht hatte. Und, dass wir uns beide verstellt haben, um für den anderen zu sein, was der wollte.“

Dabei hat Spielberg in jedem Text Erinnerungen an ihre Kindheit eingebracht. „Ich finde, man kann die Gegenwart nur aufarbeiten, wenn man sich auch die kleinen Probleme der Vergangenheit anschaut. Meine Kindheit war glücklich, keine Frage. Meine Eltern waren zwar streng, was Schulerfolge betraf. Aber ich habe drei Schwestern, zwei Brüder und noch zwei Halbgeschwister, da war immer viel los. Deshalb geht es in den Songs dann eben um solche Dinge, wie beim Spielen vergessen worden zu sein. Oder darum, dass dir eine Freundin einen Streich gespielt oder ein Spielzeug weggenommen hat, weil dich das als Kind sehr verletzt hat.“

Als Musikerin nennt sich Spielberg Lee, weil ihre Piano spielenden Oma so hieß. Unter dem Taufnamen arbeitet sie aber auch als Schauspielerin, hatte Rollen in Filmen ihres Vaters oder den cineastischen Projekten von Freunden. „Das habe ich angefangen, weil meine Mutter und meine ältere Schwester Schauspielerinnen waren, und ich wie sie sein wollte. Ich wollte auch mal Tänzerin oder Designerin werden. Gesungen und auf dem Klavier in unserem Haus gespielt habe ich aber, seit ich vier Jahre alt war. Ich habe Filmmusik geliebt und als mich meine Eltern fragten, ob ich Klavierstunden haben will, sagte ich: ,Darf ich dabei die Songs von ,Titanic‘ spielen?‘“

Vorurteile, sie sei nur aufgrund der Beziehungen ihres Vaters ins Musikbusiness gekommen, sagt sie, gab es kaum. Aber: „Als mein Bruder und ich anfingen, wurden wir in Interviews nur nach Papa gefragt. Jetzt habe ich akzeptiert, dass das dazugehört. Damals hat mich das aber gestört. Wir wollten, dass es um die Musik geht, und es gab viele Vorurteile über unsere Kindheit. Zum Beispiel dachten alle, dass unser Vater nie zu Hause war. Das stimmt aber nicht. Auf längere Drehs im Ausland hat er uns immer mitgenommen.“

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