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Kultur
06/25/2019

Jacksons Session-Gitarrist im Interview: Ich lachte über "Beat It"

Steve Lukather (o. li.), der als Studio-Musiker und mit Toto Furore machte, spricht über den Hit "Africa", Jackson und Dylan.

Irgendwo in Afrikas Namib-Wüste stehen sieben weiße Säulen im Sand. Sechs mit Lautsprechern, eine mit einem MP3-Player, der nur einen Track drauf hat: „Africa“ von Toto. Die Installation des Künstlers Max Siedentopf ist solarbetrieben und spielt den ikonischen Song in einer Schleife rund um die Uhr ab.

Vor den Toto-Auftritten in Österreich erzählt Gitarrist Steve Lukather, der gefragteste Session-Musiker der 80er- und 90er-Jahre, was er von der Installation hält. Aber auch, warum der 61-Jährige, der auf 1000 Aufnahmen von Stars gespielt hat und damit auf 500 Millionen verkauften Tonträgern zu hören ist, warum er diese unbedankte Arbeit für Leute wie Michael Jackson, Eric Clapton, Elton John und Paul McCartney geliebt hat.

KURIER: Was haben Sie gedacht, als Sie von Siedentopfs Installation hörten?

Steve Lukather: Das ist verrückt! Der dumme, kleine Song, den wir 1981 geschrieben haben, geht in den letzten Jahren durch die Decke. Er war 1983 Nummer eins. Und jetzt, all die Jahre danach, haben wir Millionen von Streams und Leute covern „Africa“. Das ist großartig fürs Business, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht schon genug von dem Song habe.

Aber Sie werden ihn bei den Österreich-Konzerten spielen?

Natürlich! Auch wenn ich finde, dass „Africa“ am wenigsten nach Toto klingt, die Leute lieben den Song und spielen verrückt, wenn wir das anstimmen. Das macht auch uns Spaß. Wir spielen eine ausgedehnte Version davon – und ansonsten unsere anderen Hits, „Rosanna“, „Hold The Line“ und alles, was alle hören wollen.

Warum klingt „Africa“ am wenigsten nach Toto?

Ich wollte damit sagen, dass ich keine Ahnung habe, was ein Hit ist. Ich habe als Session-Musiker auf einigen der größten Hits gespielt, aber sie nie erkannt. Ich hörte „Beat It“, bevor ich meinen Part einspielte, und habe gelacht. Genauso bei „Let’s Get Physical“. Ich dachte: „Das kann nicht euer Ernst sein!“

Das „Thriller“-Album ist eines der wenigen, bei dem Sie auch in den Credits aufscheinen. Kommt da noch Geld rein?

Oh Gott, nein! Wenn dem so wäre, würde ich jetzt von meinem Space-Shuttle aus mit Ihnen telefonieren. Wir haben eine normale Session-Musiker-Rate bekommen und aus. Das ist okay, aber eigentlich haben sie unsere Dienste sehr, sehr billig bekommen. Denn oft – auch bei „Thriller“ – haben wir manche Songs umarrangiert, ihnen neue Ideen und Hooks dafür gegeben. Dann wurde das so ein Welt-Hit, und jetzt kassieren andere ab.

Ärgert Sie das?

Nein, das waren eben die Anforderungen des Jobs. Ich wollte immer ein toller Session-Musiker werden und habe meinen Traum gelebt. Und wir hatten ja auch viel Spaß dabei. Ich hatte dadurch eine viel spannendere Karriere als ein normaler Rock-Gitarrist, konnte R&B, Soul, Pop und Jazz für die großartigsten Künstler der Welt spielen. Mich ärgert nur, dass man Toto nicht ernst nimmt, weil wir auch diese Studio-Karrieren hatten.

Und dabei waren Sie High-School-Freunde und hatten die Band schon vor den Session-Musiker-Karrieren . . .

Genau! Und Sessions spielen kann auch nicht jeder. Da kommst du ins Studio, weißt häufig nicht, für welchen Künstler du an dem Tag spielst, oder um welchen Stil es gehen soll. Dann schieben sie dir ein Blatt mit ein paar Akkorden vor die Nase, zählen den Song ein, sagen, wir nehmen auf, und du musst ohne je geprobt zu haben abliefern: perfekt im Timing, passend zum Stil des Songs. Das ist ein wahnsinniger Druck. Ich konnte damit umgehen, weil ich hunderte Ideen habe, was ich zu einem F-Akkord spielen kann. Auch die anderen von Toto hatten dieses Talent. Deshalb wurden wir immer wieder für Sessions gebucht.

Oft wurden Sie auch gebucht, um die Unzulänglichkeiten anderer Musiker zu kaschieren.

Ja, das ist vorgekommen. Manchmal wurde ich sogar gebeten, schlechter zu spielen, als ich das kann. Sie sagten: Dieser Typ kann keine Rhythmus-Gitarre spielen, du musst das reparieren. Wir werden ihm aber nicht sagen, dass du das gespielt hast. Spiel so, dass er glaubt, er hat es gespielt.

Wer war das?

Das darf ich nicht sagen. Ich habe Schweige-Abkommen unterschrieben und kann bis an mein Lebensende verklagt werden, wenn ich so etwas ausplaudere. Aber es gibt eine Menge Leute, die die Lorbeeren für Arbeit kassiert haben, die ich gemacht habe. Nicht alle, es gab schon auch viele Talente. Aber halt auch einige, die nur gut ausgeschaut haben. Heute kaschiert man das mit Computern. Aber damals haben wir das gemacht.

Wie war es, mit Bob Dylan zu spielen?

Mit dem habe ich nur gejammt, nie in seiner Band gespielt, so wie jetzt mit Ringo Starr. George Harrison hatte mich zum Dinner eingeladen. Es war im Haus von Jeff Lynne von ELO, und nach dem Essen haben wir gejammt. Bob war wirklich nett zu mir – na ja, soweit er das halt kann. Er ist eben kein Mann der vielen Worte. Wir haben über Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. gesprochen, weil wir beide auf diese Musik stehen. Wir hatten aber nie ein tiefgründiges Gespräch, wir sind keine Freunde.

INFO

Toto sind Ende der Woche die Headliner auf folgenden Festivals:

28. 6. Clam-Rock auf der Burg Clam in Oberösterreich

29. 6.  Lovely Days  in Eisenstadt im Schlosspark Esterházy