Die neue, vielseitigere Generation an „Star Wars“-Helden läuft sich warm: Daisy Ridley als Rey – eine Entdeckung! – und John Boyega als desertierter Stormtrooper Finn 

© /Disney

"Star Wars - Das Erwachen der Macht": Kinder an die Macht!
12/17/2015

"Star Wars - Das Erwachen der Macht": Kinder an die Macht!

Ein Weltraummärchen, neu erzählt: Die Episode VII macht erfreulich vieles richtig.

von Georg Leyrer

So mancher " Star Wars"-Fan wird zuletzt ein wenig so geatmet haben wie einst Darth Vader.

Chk-kchhhhh.

Chk-kchhhhh.

Auf die Bronchien schlug sich einerseits die Aufregung: Ein neuer "Star Wars"-Film kommt! Und andererseits die Angst: Ein neuer "Star Wars"-Film kommt!

Die letzten neuen Filme, Episode I bis III, waren nämlich überaus schlecht.

Jetzt aber heißt’s aufatmen, auch für Regisseur J.J. Abrams: Die Episode VII, "Das Erwachen der Macht", ist genau das, was sich der Fan erhoffen würde. Ein frisch belebter Bubentraum, ein wunderbar wohliges Nostalgiebad, nein, ein gefühlt mehrwöchiger Aufenthalt im Fünf-Sterne-Nostalgiehotel. Wellness mit Weltraumschlacht.

Es gibt alles, was sich der längst gut im Erwerbsleben stehende Fan von damals von einer neuen Episode wünscht. Drama, Lichtschwerter, Chewbacca, Harrison Ford, Humor und Familienkonflikte (insofern ist es der ideale Weihnachtsfilm!). Das Einzige, das fehlt, ist eine neue Story. Das "Erwachen der Macht" ist über weite Strecken ein flott, gescheit und geschmackvoll gemachtes Remake all dessen, was man an "Star Wars" liebt. Mit sanfter Auffrischung.

Es kämpft wieder die dunkle gegen die helle Seite der Macht; dieser Konflikt stellt sich zwischen Vater und Sohn und Tochter; die Jedis müssen die Welt retten und die Bösen gehen mit äußerster Brutalität vor. Es gibt einen neuen Fiesling mit schwarzer Maske (Adam Driver als eleganter, selbstzweifelnder Kylo Ren). Und auch der Satz "Ich bin dein Vater" fällt wieder. Das Sympathische daran: Der Film ist sich seines Erbes bewusst – und spielt damit: So darf der draufgängerische Rebellen-Pilot Poe Dameron (quasi der neue Han Solo, gespielt von Oscar Isaac) wie ein Fan jauchzen, wenn er im X-Fighter versucht, die übermächtige Waffe der Bösen zu zerstören.

Nächste Generation

Das alles wird sehr gerade, für die an komplexe TV-Serien gewöhnte neue Zusehergeneration wohl sogar zu gerade heruntererzählt. Überraschungen stören bei den schönen Erinnerungen.

Ein Mal wird man übrigens trotzdem schwer schlucken müssen. Dass man ansonsten weit mehr als zwei Stunden lang einer Neu- statt einer Weiterzählung zusieht, ist die größte Schwäche eines ansonsten perfekten Kulturunterhaltungsproduktes. Der Rest nämlich wird punktgenau getroffen: Die zeitlose Optik – jö, der Millennium Falcon fliegt wieder! Das Verhältnis von Drama zu Action zu Hintergrundstory. Insbesondere der neue Cast – vor allem Daisy Ridley als Rey und John Boyega als Finn – ist ein Versprechen an die Zukunft der Marke "Star Wars". Gut ge-Macht!

INFO: USA 2015. 135 Min. Von J. J. Abrams. Mit Harrison Ford, Daisy Ridley.

KURIER-Wertung:

Brennende Blickwechsel beim Weihnachtseinkauf

Todd Haynes bewegt sich im Melodramenland der 50er-Jahre wie ein Fisch im Wasser. Nach seinem Glanzstück "Far from Heaven" und der TV-Serie "Mildred Pierce" inszenierte er auch "Carol" mit umwerfender Souveränität. Die Liebe zwischen zwei Frauen im New York von 1952 inszenierte er mit meisterlicher Kompetenz, blendender Ausstattung und hingebungsvollen Darstellerinnen. Cate Blanchett als unglückliche Upper-Class-Lady Carol im beigen Nerz treibt ihr eigenes Schauspiel an den Rand der Selbstparodie. Ihr unterdrücktes lesbisches Begehren artikuliert sich in übergenauer Formvollendung – sowohl was Eleganz als auch Umgangsformen betrifft. Carol wirft ihren brennenden Blick während eines Weihnachtseinkaufs auf die Kaufhausangestellte Therese und entflammt in ihr eine Verwirrung der Gefühle.

Rooney Mara als Therese erinnert in ihrer Erscheinung frappant an die junge Audrey Hepburn und lässt sich in ungekanntes Liebesterrain entführen. Sie verabredet sich mit der betörenden Kundin und lernt deren Familie kennen. Wie sich herausstellt, steht Carol unter großem Druck, weil sie sich in Scheidung befindet und ihr Mann droht, das Besuchsrecht für die Tochter aus "moralischen Gründen" zu verweigern.

Die exquisiten Bilder von Ed Lachman fließen in gedeckten Farben zu feinsinnig komponierten Tableaus zusammen. Besonders das wortlose Ende lässt beim Zusehen noch einmal den Herzschlag aussetzen. Doch so beeindruckend "Carol" in seiner Pracht auch sein mag, er ist einen Hauch zu schön, zu klassizistisch, zu luftdicht abgerundet. Seine Makellosigkeit ringt größte Bewunderung ab, nicht aber leidenschaftliche Begeisterung.

Text: Alexandra Seibel

INFO: USA/GB 2015. 118 Min. Von Todd Haynes. Mit Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler.

KURIER-Wertung:

Der Wunsch, auf seine Lehrerin herabzusehen

Die Möglichkeit im Kino jemanden mithilfe von Tricktechnik und Spezialeffekten „schrumpfen“ zu lassen, scheint eine ganz besondere Faszination auf Filmemacher auszuüben. Seit „The Incredible Shrinking Man“ aus der Hollywood-Traumfabrik der 1950er Jahre wurden immer wieder Kinohelden – wie zuletzt in „Ant-Man“ – Menschen auf Insekten„größe“ minimiert.

Der neueste Film zum Thema „Downsizing“ kommt aus Deutschland und handelt von der Verwirklichung eines Bubentraums. Nachdem der elfjährige Felix (Oskar Keymer) bereits von mehreren Schulen geflogen ist, bekommt er noch eine letzte Chance. Um von den neuen Mitschülern akzeptiert zu werden, soll er als Mutprobe am Abend in die Schule einbrechen. Dabei erwischt ihn ausgerechnet seine Mathematiklehrerin (Anja Kling), auf die er wegen einer schlechten Note ohnehin schlecht zu sprechen ist. Während ihrer Standpauke wünscht er sich insgeheim, ihr einmal so richtig „von oben herab“ die Meinung sagen können. Der Wunsch geht in Erfüllung: Frau Schmitt-Gössenwein, alias „Schmitti“, schrumpft auf eine Größe von 15, 3 cm. Was nun? Er nimmt sie mit nach Hause, um sie dort zu verstecken. Von da an liegt ihm „Schmitti“ auf der (Schul-)Tasche – oder besser: sie sitzt in derselben und will verpflegt werden und schimpft dabei noch immer! Als wäre das nicht schlimm genug, leben seine Eltern auch noch getrennt.

Viele junge Zuschauer werden ähnliche Situationen aus ihrem eigenen Alltag kennen – zumindest eine blöde Lehrerin hat wohl jeder schon einmal erlebt! Auf diese Weise schafft der Film zwar ein hohes Identifikations-Potential, bleibt aber bei der Schilderung der Eltern-Kind-Beziehung zu sehr an der Oberfläche und verliert sich auch bei der Schrulligkeit des geschrumpften „Lehrkörpers“ zu sehr in Klischees. Ein kindliches Publikum wird aber auf seine Rechnung kommen – vor allem bei der Suche nach einer Lösung, die "Schmitti" wieder groß zu kriegen. Lehrerin und Schüler raufen sich zusammen und stoßen auf ein Geheimnis der Schulgeschichte. Entstanden ist der Film nach dem erfolgreichen Kinderbuch von Sabine Ludwig.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D/Ö 2015. 101 Min. Von Sven Unterwaldt Jr. Mit Oskar Keymar.

KURIER-Wertung:

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