© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Staatsoper Kritik
02/14/2013

Angela Denoke berührt mit Weill

Angela Denoke präsentierte Kurt Weills abwechslungsreiches musikalisches Schaffen in der Wiener Staatsoper.

von Georg Leyrer

Liebeslied und Liebesleid, Politik, Macht und sexuelle Hörigkeit: Viele der großen Themen, die auch sonst in der Oper verhandelt werden, waren da – auch wenn es „nur“ ein Solistenabend war. Kurt Weills abwechslungsreiches musikalisches Schaffen, von Liedern über die „Dreigroschenoper“ bis hin zum Broadway, hat Angela Denoke am Mittwochabend in der Wiener Staatsoper als das präsentiert, was es ist: essenzielle Musik des 20. Jahrhunderts.

Wie intensiv Denoke diese Lieder, Melodien, Worte wirken lassen kann, hat sie schon nachdrücklich auf CD bewiesen. In der Staatsoper nun ergänzt sie ihre Gesangs- um feine Entertainerqualitäten: Sie lebt sichtlich mit Weills Melodien, lässt ihren Mitmusikern Raum – und ergänzt dies alles mit kurzen Lesungen aus ausgewählten Texten, die die originelle, lebenslange, schwierige Beziehung Weills zu Lotte Lenya dokumentieren.

Zu viel Raum

Doch hier zeigte sich am deutlichsten das zarte, aber doch nachhaltige Problem des Abends: Die Staatsoper, die mit musikalischen Großangriffen in Riesenbesetzung souverän umzugehen weiß, war ausgerechnet bei den feinsten Momenten des Solistenabends ein allzu hungriges Gegenüber. Und verschluckte, im übergroßen, letztlich für diese Zwecke ungeeigneten Raum, so manche Text-Pointe und so manche stimmliche Finesse.

Schade, denn Denoke – die selbst auf die Stimmfolgen einer abgeklungenen Verkühlung hinwies – bot eigentlich einen hochemotionalen, berührenden Abend.

Nach der Pause, beim amerikanischen Weill, hat’s zwar phasenweise allzu brav geswingt und gejazzelt. Aber das Publikum war sichtlich entzückt und spendierte herzlichen, emotionalen Applaus.

KURIER-Wertung: **** von *****