APA13619328 - 09072013 - ST. MARGARETHEN - ÖSTERREICH: Marianne Fiset als "Mimi" und Merunas Vitulskis als "Rudolfo" am Montag, 08. Juli 2013, während der Generalprobe zu "La Boheme" im Rahmen der Opernfestspiele St. Margarethen im Römersteinbruch. Die Oper "La Boheme" feiert am 10. Juli Premiere. APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH

© APA/GEORG HOCHMUTH

Kritik St. Margarethen
07/11/2013

"La Bohème": Alles in Cinemascope

Dornhelm inszenierte Puccinis "La Bohème" bei den Opernfestspielen St. Margarethen.

von Peter Jarolin

Vom Film in den Steinbruch – mit einem prominenten Namen können die Opernfestspiele im burgenländischen St. Margarethen heuer aufwarten. Ja, Top-Regisseur Robert Dornhelm hat bei Giacomo Puccinis „La Bohème“ sein Debüt auf einer Opernbühne, also im Römersteinbruch, gegeben. Und Dornhelm wurde – wie alle Mitwirkenden – entsprechend bejubelt. Zu Recht, denn Puccinis Klassiker, den Dornhelm einst mit Stars wie Anna Netrebko und Rolando Villazón für das Kino aufbereitet hat, funktioniert tadellos.

Filmische Close-Ups

Auch und wegen Manfred Waba, der den Römersteinbruch in- und auswendig kennt, der mit seinem Bühnenbild ein wesentlicher Erfolgsgarant ist. Halb Paris ist da auf den Beinen, etliche Statisten (Stelzengeher inklusive) beleben das kammerspielartige, weil meist in geschlossen Räumen spielende Werk. Rodolfo liebt Mimì, Mimì liebt Rodolfo – am Ende stirbt sie in seinen Armen und in einem Close-Up. Denn Dornhelm projiziert die intimen Szenen auf eine Leinwand, die auch als Mansarde dient. Große Gefühle und großes Kino im (über-)lebensgroßen Cinemascope-Format und in altbewährter Manier.

Szenenfotos von "La Bohème"

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Kein letales Feuerwerk

Die besten Szenen sind dennoch jene, in denen Wabas historisierendes Bühnenbild perfekt zur Geltung kommt. Alles ist da in Bewegung, alles rotiert und flirrt. Ein grandioses Café Momus im zweiten Akt führt direkt zum obligaten Feuerwerk. Denn ein solches wäre nach Mimìs Tod wohl eher unpassend.

Sensationell ist die Liebe zum Detail in der Bühnenarchitektur und in den prunkvollen oder teils auch ganz schlichten Kostümen (Barbara Langbein); selbst Licht und Ton lassen kaum Wünsche offen. In St. Margarethen hört man auch mit dem Auge. Bis auf jene Premierenbesucher, die während der finalen Szene zu ihren Autos hetzen und damit für Irritationen sorgen. Doch das kann selbst Intendant Wolfgang Werner nicht verhindern.

Sehr gute Sänger

Was Werner aber sehr wohl geschafft hat: Eine sehr exquisite Sängerbesetzung verleiht dieser „Bohème“ eine ernsthafte, vokale Relevanz. So ist der junge, litauische Tenor Merunas Vitulskis – die Besetzungen alternieren – ein stimmlich tadelloser Rodolfo, der auf Spitzentöne setzt, aber auch zu allen Lyrismen fähig ist. Seine Mimì ist die kanadische Sopranistin Marianne Fiset, die in ihren zentralen Szenen zu punkten weiß und in Nahaufnahme ihr Leben aushaucht.

Ausgezeichnet: Der Bariton Josef Wagner als auch darstellerisch überzeugender Marcello und die Sopranistin Siphiwe McKenzie als kokette Musetta. Gabriele Nani als Schaunard und Günes Gürle als Colline tragen ebenso sehr viel zum Gelingen dieser Produktion bei.

Wie auch Dirigent Alfred Eschwé, der dem übrigen Ensemble am Pult des Festspielorchesters (samt Chor) ein souveräner Begleiter ist. 2014 kommt Verdis „Aida“. Regisseur noch ungewiss.Bewertung: Diese „Bohème“ ist dank Regisseur Dornhelm, Bühnenbildner Manfred Waba und meist guter Sänger eine sommerliches Schau,-und Hörvergnügen in Cinemascope.

KURIER-Wertung: **** von *****

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