Spuren eines Künstlers, der zu früh ging

Das Leopold Museum zeigt melancholische Körperstudien in der Ausstellung "Unseen Strangers", dem Werkzyklus des verstorbenen Paul Nestlang.

24 Jahre war Paul Nestlang alt, als er im Jahr 2004 sein Zimmer verließ und nicht mehr zurückkam. Fünf Wochen später wurde der Körper des Künstlers, der bei Gunter Damisch Grafik und an der Uni Wien Philosophie studiert hatte, aus der Donau geborgen.

Im Bild: Paul Nestlang, Sleepless (Privatbesitz). Acryl auf Leinen, 30 x 40 cm, 2002-2004. Nestlangs bester Freund Mario Gündl hat nun einen aufwändigen Bildband („Unseen Strangers“, Verlag Christian Brandstätter, 99 €) herausgegeben; im Atrium des Leopold Museums ist bis 6. Juni eine Auswahl von Nestlangs Werken zu sehen. 

Im Bild: Paul Nestlang, The Day I Lost Myself 18110. Kohle auf Papier, 51 x 36,5 cm, 2002-2004. Besonders mit Kohle konnte der junge Künstler umgehen – Nestlangs Porträts und Körperbilder verbreiten tiefe Melancholie und zeigen, wie er sich ausgehend vom Idol Francis Bacon auf eine eigene Bildsprache zubewegte. Der Weg endete abrupt.

Im Bild: Paul Nestlang, Portrait Of An Asian #1. Kohle auf Papier, 48 x 36 cm, 2002-2004. Den Werkzyklus "Unseen Strangers" schuf der 1980 geborene Nestlang von 2002 bis 2004. In diesen Bildern beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Mensch.

Im Bild: Paul Nestlang, Portrait Of An Asian #2. Kohle auf Papier, 48 x 36 cm, 2002-2004. Ob in seiner Körperlichkeit, ob im Porträt oder in ganzen Serien, immer wird der Mensch zum Spiegelbild seiner Emotionen, zum Markstein seines Seins: Angst, Liebe, Leid, Freude und Tod sind die Themen. Mit menschlicher und geistiger Reife, vor allem aber einer bestechenden künstlerischen Meisterschaft führt Nestlang dem Betrachter die conditio humana vor.

Im Bild: Paul Nestlang, Dancer #1. Kohle auf Bütten, 120 x 80 cm, 2002-2004. Rudolf Leopold erkannte als Erster die Bedeutung des Werkes von Nestlang und erwarb zwischen 2003 und 2005 einige der wichtigsten Arbeiten des Künstlers. 

Im Bild: Paul Nestlang, Mediatation. Kohle auf Bütten, 80 x 122 cm, 2002-2004. Ein Werk des Künstlers war bereits 2006 im Leopold Museum ausgestellt worden. Im Vorwort zum Nestlang-Buch, das Rudolf Leopold kurz vor seinem Tod im vergangen Juni vollendete, schrieb er, dass es "schön gewesen" wäre, die "weitere Entwicklung des Künstlers verfolgen zu können".

Im Bild: Paul Nestlang, Exhausted. Kohle auf Papier, 51 x 73 cm, 2003 Groß war der Andrang im Leopold Museum. Weggefährten, Freunde, Familie und Kunstliebhaber waren gekommen um das Werk des früh verstorbenen Genies zu bewundern. 
 
Im Bild: Paul Nestlang, Molloy. Kohle und Farbkreide auf Bütten, 90 x 126 cm, 2002-2004. "Paul Nestlang lebt in seiner Kunst weiter", sagte Elisabeth Leopold und bezeichnete das Ereignis als "traurigen und dennoch schönen Moment". 

Im Bild: Paul Nestlang, Fence (Bildtitel posthum, nicht vom Künstler). Kohle und Tusche auf Papier, 51 x 73 cm, 2003. "Ich male keine Kunst, ich male Meisterwerke", notierte der junge Künstler in sein Tagebuch während er an "Unseen Strangers" arbeitet. In dieser Zeit entstehen Arbeiten, die sowohl von einer eigenen und unverkennbaren Bildsprache als auch von einer außergewöhnlichen Intensität des Dargestellten zeugen. 

Im Bild: Paul Nestlang, Malvo #2. Kohle auf Papier, 160 x 62 cm, 2003. Nestlang ist tief beeindruckt von der Bildsprache Francis Bacons. Über die Ambivalenz im Umgang mit seinen Vorbildern, vor allem aber auch den Einfluss, den Bacon auf ihn ausübt, notiert der Künstler in seinem Tagebuch: "Es ist wohl ein Fluch und ein Segen zugleich, immer den Großen nachzueifern."

Im Bild: Paul Nestlang, Convers(at)ion #3. Kohle auf Papier, 70 x 100 cm, 2002-2004. Mit der Buchpräsentation begann im Atrium des Leopold Museums eine zweiwöchige Ausstellung des Zyklus "Unseen Strangers". Neben den Bildern aus der Sammlung Leopold II werden einige Hauptwerke aus dem noch nicht veräußerten Nachlass Nestlangs gezeigt.

Im Bild: Paul Nestlang, Hurt (Bildtitel posthum, nicht vom Künstler). Kohle auf Butten, 90 x 70 cm, 2002-2004. Paul Nestlang
"Unseen Strangers"
26. Mai bis 6. Juni
tägl. (außer Di, 31.5. - Schließtag) 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr

Leopold Museum
Museumsplatz 1

Im Bild: Paul Nestlang, Last Painting (Bildtitel posthum, nicht vom Künstler). Acryl- und Goldfarbe auf Leinen, 155 x 100 cm, 2004.
(red; apa / M. Huber; S. Grundtner) Erstellt am
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