© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Interview
03/07/2021

Sopranistin Pretty Yende: "Die Pandemie ist wie eine Achterbahn"

Pretty Yende singt die Violetta in Simon Stones Neuproduktion von Verdis „La Traviata“ an der Wiener Staatsoper.

von Peter Jarolin

Außergewöhnliche Zeiten erfordern auch außergewöhnliche Maßnahmen. Und hier ist die Wiener Staatsoper absoluter Spitzenreiter. So hat Direktor Bogdan Roščić das Haus nicht nur als eine Art „Museum“ geöffnet, sondern bringt auch regelmäßig große Premieren heraus. Aufgrund der Corona-Pandemie zwar „nur“ via Livestream (18 Uhr, play.wiener-staatsoper.at) und via ORF III (ab 20.15 Uhr) im Rahmen von „Wir spielen für Österreich“. Aber mit großartigen Künstlerinnen und Künstlern sowie mit völlig neuen szenischen Zugängen.

Eine dieser Künstlerinnen ist die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende, die heute, Sonntag, im Haus am Ring die Titelpartie in Giuseppe Verdis „La Traviata“ vor wenigen Medienvertretern – der KURIER wird berichten – singen wird. Ein Gespräch über Oper ohne Publikum, aber mit viel Freude.

KURIER: Verdis ‚La Traviata‘ ohne Publikum, dafür für das Fernsehen – ändert sich da etwas an Ihrem Zugang?

Pretty Yende: Ich bin einfach glücklich, diese super-coole Produktion von Simon Stone nach Paris nun auch in Wien einem via TV vielleicht sogar noch breiteren Publikum vorstellen zu können. Natürlich fehlt der magische Live-Moment, und das macht es ein bisschen ‚unfertig‘. Ich bin aber unendlich dankbar dafür, dass unter diesen Umständen so etwas überhaupt möglich ist.

In dieser Produktion ist Violetta ein It-Girl, eine Influencerin mit eigener Parfümmarke, also eine moderne Frau. Wie würden Sie Violetta beschreiben?

Sie ist sehr erfolgreich und smart. Und sie zeigt immer eine unglaubliche Stärke und Unabhängigkeit. Sie hat ein erstaunlich großes Herz und einen reifen Umgang mit Herausforderungen. Und sie bringt für ihre Liebe Alfredo auch Opfer. Das sieht man besonders im Duett mit Giorgio Germont, von dem sie dafür – und für ihren Verzicht auf Alfredo – auch viel Respekt erhält. Stimmlich und auch emotional ist das eine der herausforderndsten Rollen der gesamten Opernliteratur und eine der wunderschönsten Sopranpartien. Für mich ist die Violetta ja eine relativ neue Partie, daher bin ich dankbar für die Hilfe, die ich von dem gesamten Team bekommen habe.

Wie sind die Proben in Pandemie-Zeiten abgelaufen?

Wir wurden von der Wiener Staatsoper so liebevoll aufgenommen, konnten uns absolut sicher fühlen und haben die Proben für unser geliebtes Publikum genossen.

Wie haben Sie als international gefragte Künstlerin die Pandemie bis dato erlebt?

Es war und ist eine Achterbahn. Als Corona begann, war ich an der Pariser Bastille Oper, wo ich mein Debüt in Jules Massenets ‚Manon‘ hätte geben sollen. Ich war dankbar, dass ich nach Hause, nach Südafrika, zu meiner Familie konnte und mit ihr Zeit verbringen durfte. Ich habe da in aller Dankbarkeit über das nachgedacht, was ich bisher erreicht habe und welche Träume und Ziele ich noch realisieren könnte.

Glauben Sie, dass die Pandemie das kulturelle Leben nachhaltig ändern wird?

Das wird für uns in jedem Bereich alles ändern. Hoffentlich zum Besseren.

Ihr neues, fantastisches Album heißt „Dreams“ – welche Träume haben Sie noch?

Ich freue mich, als junge Frau mich in meiner angehenden Karriere noch weiter entwickeln zu dürfen, und ich träume von der großen Leinwand, also von Hollywood.

Sind auch neue Opernrollen geplant?

Ja, ich studiere im Moment mehrere neue Partien ein. Etwa die Marguerite in Gounods „Faust“, Donizettis „Anna Bolena“ und dessen „Maria Stuarda“ – damit meine Reise durch den Belcanto weiter gehen kann. Und ich träume davon, eines Tages Bellinis „Norma“ zu singen.

Gibt es auch Pläne für Wien?

Ja! Ich bin sehr aufgeregt, dass ich in Zukunft öfter an die Wiener Staatsoper kommen werde. Dazu wird es auch Konzerte in den wunderschönen Häusern wie etwa im Musikverein und im Konzerthaus geben.

Pretty Yende
Geboren in Südafrika –  am Samstag wurde sie 36 Jahre jung – gewann alle bedeutenden Gesangswettbewerbe und  singt heute  an allen wichtigen Opernhäusern der Welt  

Die Produktion
Kam in Paris heraus und ist eine Zusammenarbeit beider Häuser. Regie: Simon Stone. Dirigent: Giacomo Sagripanti. Mit u. a.: Pretty Yende (Violetta), Juan Diego Flórez (Alfredo), Igor Golovatenko (Giorgio Germont). Ab 18 Uhr im Live-Streaming  und ab 20.15 Uhr  auf der Klassikplattform myfidelio.at und ORF III 

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