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Kultur
05/09/2021

Sophie Scholl als Influencerin

Sophie Scholl musste sterben, weil sie sich gegen den Nationalsozialismus erhoben hatte. Ein Instagram-Projekt holt nun die Widerstandskämpferin aus den Geschichtsbüchern ins Hier und Jetzt.

von Marco Weise

Am 9. Mai wäre Sophie Scholl 100 geworden. Zu diesem Anlass wurde die deutsche Widerstandskämpferin im Auftrag von SWR und BR wieder zum Leben erweckt. Dafür hat man aber keine weitere Doku in Auftrag gegeben, sondern ein innovatives Projekt ins Leben gerufen: „Ich bin Sophie Scholl“.

Dazu hat man die letzten Tage von Sophie Scholl von der jungen Schauspielerin Luna Wedler nachspielen lassen. In 15 Drehtagen sind unter der Regie von Tom Lass 150 Szenen (im Format 9:16) entstanden, die nun häppchenweise und chronologisch auf dem Instagram-Kanal @ichbinsophiescholl geteilt werden. Es werden die Geschehnisse im Leben der Studentin, die wegen ihres Widerstands gegen die Nazis am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde, aus ihrer Sicht geschildert. Sophie Scholl erzählt darin im Selfie-Modus aus ihrer Perspektive. Sie richtet dabei ihren Blick in die Kamera, spricht direkt zu uns.

In nachempfundener Echtzeit nimmt sie ihre Follower in den kommenden neun Monate mit ins Deutschland der Jahre 1942 und 1943. Die täglich online gestellten Kurzvideos werden von Achivaufnahmen, alten Fotos, Zeichnungen, Grafiken und Hintergrundinfos begleitet. Mittlerweile folgen dem Account @ichbinsophiescholl über 650.000 Menschen.

Weiße Rose

Der Kanal ist seit 4. Mai online. An diesem Tag im Jahr 1942 ist Sophie Scholl in Ulm in den Zug nach München gestiegen, um dort ihren Bruder Hans (Max Hubacher) zu sehen und um Philosophie und Biologie zu studieren. Endlich raus aus der Provinz: „Studieren in der Großstadt, ich freue mich auf alles, was kommt“, jubelt sie in die Kamera. Aber irgendwas stimmt mit Hans nicht, er taucht oft Tage nicht auf, wirkt schwer gestresst. Sophie spioniert ihm nach und macht eine folgenschwere Entdeckung: Ihr Bruder ist Teil der Widerstandsgruppe Weiße Rose, die in Flugblättern die Verbrechen der Nazis anprangern. Sophie will mitmachen, was Hans zwar anfangs nicht duldet, aber ihr schlussendlich nicht verbieten kann.

Die Insta-Storys deuten an, wie sich die zunächst unpolitische Studentin langsam politisiert, wie der im Untergrund geführte Kampf gegen die Nazis organisiert wird. Aber in den Videos sieht man auch den Alltag einer jungen Frau, die sich mit Neugier ins Leben stürzt, ihrem Verlobten Fritz Hartnagel Briefe schreibt, der als Offizier an der Front im Russlandfeldzug dient. Mit diesem Umstand hadert sie oft – sie zweifelt an der Liebe zu einem Soldaten, der im Auftrag Hitlers tötet.

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Letztes Posting

Um Sophie Scholl gerecht zu werden, hat sich die 21-jährige Schweizer Schauspielerin Luna Wedler durch Tagebuchaufzeichnungen und Geschichtsbücher gelesen. „Sie haben mir ermöglicht, dass ich in ihren Kopf schauen konnte. Sie war nicht nur im Widerstand, sondern auch eine junge Frau mit vielen Facetten und Widersprüchen.“

Dieser an verschiedenen Orten und seelischen Ebenen ausgetragene Kampf berührt – besonders wenn man weiß, wie er ausgeht: Am 18. Februar 2022 soll es den letzten Instagram-Post geben – genau 79 Jahre nach dem schicksalhaften 18. Februar 1943, als Sophie und ihr Bruder verhaftet wurden, während sie im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität in München Flugblätter verteilten.

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