Sophie Marceau im Interview: „Das Leben ist eine Komödie“
Sophie Marceau (li.) als Mutter erwachsener Kinder in der Komödie "LOL 2.0".
Todschick sieht sie aus in ihren engen Designerjeans, der hellen Bluse und dem dunkelblauen Blazer, dezent geschminkt und mit einer Dior-Kette behängt. Wie einem Sophie Marceau – sie ist übrigens Werbegesicht der Luxusmarken Dior und Guerlain – da im Pariser Sofitel Arc de Triomphe gegenüber sitzt, macht sie nicht den Eindruck einer fast 60-jährigen Frau.
Sie strahlt förmlich von innen und vermittelt einem das Gefühl, sich wahnsinnig gerne über ihren neuesten Film und ihr aufregendes Leben zu unterhalten. Irgendwie schimmert da immer noch das junge Mädchen durch, das sie zu Beginn ihrer Karriere war. Die begann im Jahr 1980 mit „La Boum – Die Fete“, einer Teenagerromanze von Claude Pinoteau, in der die 13-jährige Vic ihre erste Liebesbeziehung mit Mitschüler Mathieu erlebt.
"Für mich ist das Leben eine Komödie": Sophie Marceau.
Marceau spielte die von den Irrungen und Wirrungen der Pubertät überwältigte Vic so überzeugend, dass sie über Nacht zum internationalen Star wurde. In den Köpfen der Zuseher blieb nicht nur ihr Bild haften, sondern auch der Song „Dreams Are My Reality“ von Richard Sanderson, ein Ohrwurm, den Vic in „La Boum“ auf ihrem Walkman hörte. Natürlich gab es dann – wegen des großen Erfolgs an den Kinokassen – einen zweiten Teil von „La Boum“, der auch passabel lief. Beim dritten Teil streikte Marceau und kaufte sich aus dem Vertrag mit Gaumont frei. Es reichte ihr mit „La Boum“, sie war reifer geworden. Sie begann ein Studium an der Schauspielschule Cours Florent in Paris.
Rückblick ohne Groll
Dennoch blickt Marceau nicht mit Groll, sondern mit Wohlwollen und Dankbarkeit auf ihren Blitzstart ins Rampenlicht zurück: „Diese ersten zwei Filme haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Es ist ein Kompliment für mich, wenn mich die Menschen heute noch darauf ansprechen und mir sagen, dass sie mich als Vic gerne gesehen haben und ganz glücklich und beschwingt aus dem Kino gegangen sind. Es ist eine schöne Erinnerung an meine Jugend, fast noch an meine Kindheit, die nostalgische Gefühle in mir weckt. Wie ein Souvenir, wie das Foto einer alten Cousine, an die man gerne denkt. Ich werde mich nie darüber beklagen, dass ich auf ,La Boum“ angesprochen werde. Nein, ich finde das nett und sympathisch.“
Gegenspielerin von Bond
Aber ist es nicht seltsam für sie, nach so einer langen und erfolgreichen Karriere, die ihr internationalen Ruhm bescherte – sie war die Gegenspielerin von James Bond in „Die Welt ist nicht genug“ (1999) oder Prinzessin Isabelle in Mel Gibsons „Braveheart“ (1995) – immer wieder an „La Boum“ erinnert zu werden?
„Nein, das stört mich nicht. Mein Antrieb war immer, die Dinge, die ich anpacke, gerne zu machen. Wenn ich für einen Film zusage, muss es mir Spaß machen und ich muss mich bei den Leuten, mit denen ich arbeite, wohlfühlen. Berühmt zu sein ist kein Antrieb für mich, das bin ich seit meinem 13. Lebensjahr. Man muss nur einen Weg durch den Starrummel finden, um sich nicht zu verlieren und seinen Enthusiasmus zu behalten.“
Eine Frau, die ihren Wert kennt. Besonders fruchtbar war Marceaus Zusammenarbeit mit dem polnischen Regisseur Andrzej Zulawski. Mit ihm drehte sie nicht nur vier Filme hintereinander, sondern sie ging auch privat eine Liaison mit ihm ein. Sohn Vincent wurde 1995 geboren. Aus ihrer Beziehung mit dem Produzenten Jim Lemley stammt Tochter Juliette. Von 2007 bis 2014 war Marceau mit Schauspielkollegen Christopher Lambert zusammen.
Nun spielt Marceau also nach 17 Jahren wieder die sympathische Anne in „LOL 2.0“ (ab Donnerstag im Kino), der Fortsetzung des Kinohits aus dem Jahr 2009.
Tränen und Lachen
Eine organische Fortführung des Originals, die sich die Leichtigkeit von damals bewahrt hat. Anne ist jetzt 55 Jahre alt, ihre beiden Kinder sind ausgezogen. Ihr Sohn Théo eröffnet ihr, dass sie Großmutter wird, Tochter Louise hat viele Probleme und kein geordnetes Liebesleben: „Anne hat Freude daran zu sehen, wie ihre Kinder sich in der Welt behaupten. Als Mutter kann sie sich dem nicht entziehen und begleitet ihre Kinder. Die Welt ist ja so schnell geworden, da kommt man oft als ältere Person nicht mit. Als ich Lisa Azuelos’ Script gelesen habe, dachte ich zuerst, was soll denn das für ein Film sein? Wer will das sehen? Aber dann bin ich schnell hineingekippt in das, was ich den Esprit Lisas nenne. Ich mochte meine Rolle, ich fand sie lustig und zugleich berührend. Ich konnte mich damit identifizieren. Es ist wichtig für mich, dass ich die Rolle, die ich spiele, auch verteidigen kann.“
Sophie Marceau in der Fortsetzungskomödie "LOL 2.0".
Generell mag sie Komödien gerne. „Naja, ich habe auch schon viel Tragisches abgeliefert“, sagt sie und lacht: „Aber für mich ist das Leben eine Komödie. Tränen, Dramen und am Ende darüber lachen. Das mag ich. Komödien werden auch lieber gesehen und laufen besser. Aber ich schließe ernste Filme nicht aus. Alles ist für mich legitim. Es ist wie in der Malerei: Da gibt es die Alten Meister und die moderne Kunst und alle haben ihren Platz und ihre Anhänger. Alle sind imstande, Freude, Schmerz und Leidenschaft auszudrücken. So ist es auch als Schauspieler. Je mehr und je länger man etwas macht, desto breiter will man sich ausdrücken.“
Sophie Marceau lebt in Paris, verbringt aber mit zunehmendem Alter immer mehr Zeit in ihrem wunderschönen Backsteinhaus in Corrèze im Departement Nouvelle-Aquitaine, ganz in der Nähe ihrer Eltern. Das Älterwerden macht ihr keine Angst, dazu ist sie zu beschäftigt: „Ich liebe meine Arbeit, aber schauspielen ist jetzt auch nicht mein einziger Sinn im Leben. Ich schreibe genauso gerne, ich mache gerne etwas mit meinen Händen. Ich bin jetzt 45 Jahre lang Schauspielerin und das ist ein Teil von mir. Aber ich würde nicht verzweifeln, wenn ich das nicht mehr könnte. Ich würde mir etwas Neues suchen, etwas Neues lernen. Ich lebe im Hier und Jetzt und mag es, wenn da nichts ist und ich wieder Neues erschaffen muss.“
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